Harald Hesse stellte mobile Hörhilfe vor

Der Seniorenbeirat der Gemeinde Wedemark will sich jetzt intensiv um die Bedürfnisse von Hörgeschädigten kümmern. Der Anfang wurde mit einem Referat von Renate Löhr und der Demonstration eines technischen Gerätes zur Kommunikationsverbesserung bei öffent

Seniorenbeirat Wedemark kümmert sich um Hörgeschädigte

Bissendorf (ne). Zur 9. Öffentlichen Sitzung trat der Seniorenbeirat der Gemeinde Wedemark am vergangenen Mittwochvormittag im Bissendorfer Bürgerhaus zusammen. Es galt neben den Regularien weitere zwölf Tagesordnungspunkte zu erledigen. Im Mittelpunkt stand dabei das Thema Behinderung durch Hörschäden und ihre Linderung durch Hörhilfen. Dazu begrüßte der Sprecher und Vorsitzende Rolf Reupke auch einige Zuhörer sowie Bürgermeister Tjark Bartels, dessen Mitarbeiter Harald Hesse und als Betroffene, Renate Löhr aus Brelingen, deren Hörfähigkeit durch einen erlittenen Hörsturz stark eingeschränkt ist. Seitdem kämpft sie gegen Vorurteile in der Gesellschaft, denn Schwerhörigkeit wird kaum als Behinderung wahrgenommen, sondern die Betroffenen müssen viel mehr erleben, dass ihnen Arroganz, Ignoranz und Unfreundlichkeit vorgeworfen wird. Dabei haben sie Mühe, ihre Umwelt akustisch wahrzunehmen! Vielfach bekommen Hörbehinderte überhaupt nicht mit, was hinter ihrem Rücken vorgeht. Die Teilnahme des Bürgermeisters und seines leitenden Mitarbeiters hatte einen besonderen Grund, denn Harald Hesse stellte in seiner Eigenschaft als Fachbereichsleiter 6, Gebäude und Flächen, ein technisches, per Akku betriebenes Audio-Übertragungssystem – ein sogenanntes „humantech“ – vor, mit dessen Hilfe es Hörgeschädigten ermöglicht wird, öffentliche Veranstaltungen wieder akustisch mitzuerleben. Das System ermöglicht eine Akustische Barrierefreiheit durch induktive Übertragung mit Hilfe von Ringschleifenanlagen. So zum Beispiel bei Ratssitzungen. Angeschafft wurde es aus Haushaltsmitteln in Höhe von rund 3000 Euro, nachdem Renate Löhr beim Bürgermeister vorstellig geworden war und ihn auf die Probleme Hörbehinderter Mitbürger/innen aufmerksam gemacht hatte. Der Bürgermeister hatte verstanden und handelte auf der Basis des Deutschen Behindertengleichstellungsgesetzes, das auch Menschen mit Hörverlusten einbezieht. Nach der Begrüßung erhielt Renate Löhr das Wort, die den Anwesenden aus eigenem Erleben anschaulich die Probleme einer Schwerhörigen schilderte und auf welche Weise sie diese mit Hilfe von technischen Akustikverbesserungsmöglichkeiten meistert. Das sind nicht nur Hörhilfen, landläufig Hörgeräte genannt, sondern spezielle Uhren und Signalgeräte, die dazu dienen, das Klingeln an der Haustür wahrzunehmen. Leider müssten diese Hilfen noch immer aus eigener Tasche bezahlt werden, führte die Referentin aus, doch es lohne sich – notfalls mit Unterstützung eines Rechtsanwaltes – gegen zahlungsunwillige Kassen vorzugehen. Allerdings müsse man dabei viel Geduld aufbringen, um zum Ziel zu gelangen. Sie verwies darauf, dass rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland stark hörgeschädigt ist! Doch das werde bisher – weder von der Politik, noch von den Krankenkassen – kaum wahrgenommen. In den meisten Bereichen des täglichen Lebens werde kaum auf die Bedürfnisse hörbehinderter Menschen, speziell von Senioren, eingegangen, sagte sie. Es gelte auch auf diesem Gebiet endlich Barrierefreiheit zu schaffen. Für Rollstuhlfahrer sei das in der Wedemark im neuen Bürgerhaus in Bissendorf vorbildlich gelungen, und nun sei mit der Beschaffung des Gerätes durch die Gemeinde ein guter Anfang für die Hörbehinderten gemacht, lobte sie Gemeinderat und Verwaltung. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Resolution zum Deutschen Seniorentag 2006, in der festgestellt wurde, dass Schwerhörige ältere Menschen keine kleine Randgruppe seien, sondern im Gegenteil. Es handele sich um eine der größten Behindertengruppen überhaupt. Trotz der hohen Zahl der Betroffe- nen hätten sich bisher nur wenige Seniorenbeiräte mit diesem Thema befasst, hießt es in der am 9. Mai 2006 verfassten Resolution. Um so mehr freue sie sich, dass sich der Seniorenbeirat der Gemeinde Wedemark sowie Bürgermeister und Verwaltung sich jetzt mit diesem Thema beschäftigten, um die „Kommunikationsbarrieren“ abzubauen. Diese seien leider noch immer in weiten Bevölkerungskreisen und auch bei den meisten, der sogenannten Experten völlig unbekannt. Probleme mit Kommunikationsbarrieren bestünden leider nicht nur bei Veranstaltungen, sondern überall dort, wo gesprochene Worte verstanden oder Geräusche gehört werden müssen. Sei es nun zum Beispiel im Straßenverkehr, auf Flughäfen und Bahnhöfen. Es sei Tatsache, das vor allem Hörgeschädigte Seniorenrinnen und Senioren als Rentner mit Hörhilfen oft nur unzureichend versorgt seien. Erschwerend sei zudem, dass von diesen hohe Eigenanteile – teilweise von mehr als 4 000 Euro – aufgewendet werden müssten, um wieder einigermaßen hören zu können. Als Info-Kontaktadresse für Hörgeschädigte nannte sie den Deutschen Schwerhörigenbund – Bundesverband der Schwerhörigen und Ertaubten (DSB) – mit Sitz in Berlin. Anschrift 13 469 Berlin, Treiberpfad 7. Telefon (01 70) 2 08 84 49. Allen Anwesenden gab sie den Rat: „Hörbehindert oder noch nicht, passen Sie gut auf ihre Ohren auf“. In der Tat, Betroffene wissen das! Schwerhörigkeit kommt häufig schleichend daher, ohne das dieses zunächst bemerkt wird, oder aber ganz plötzlich, infolge eines sogenannten Hörsturzes. Den können aber schon junge Menschen erleiden. Grund ist häufig Stress im Beruf. Nach ihren Ausführungen demonstrierte Harald Hesse die mobile Hörhilfe „Humantech“ in der Praxis und wurde dafür mit viel Beifall bedacht.