Hart, aber fair: Ein Kämpfer für die Sache

Wirkte in seiner letzten aktiven Ratssitzung fast ein wenig nachdenklich: Der frühere CDU-Fraktionschef Jörg Onnasch hat sich aus familiären und beruflichen Gründen politisch zur Ruhe gesetzt. Foto: A. Wiese

Der langjährige CDU-Fraktionschef Jörg Onnasch verlässt die politische Bühne

Wedemark (awi). Wenn die ausscheidenden Ratsmitglieder in der konstituierenden Ratssitzung am Montag verabschiedet werden, wird auch Jörg Onnasch dabei sein. Der langjährige CDU-Ratsfraktionschef, Regionsabgeordnete und frühere Gemeindeverbandsvorsitzende hatte wenige Wochen vor der Kommunalwahl überraschend bekannt gegeben, dass er seine Kandidatur für die politischen Gremien aus familiären und beruflichen Gründen zurückziehe. Damit tritt jemand von der politischen Bühne ab, der in der Wedemark in den vergangenen 20 Jahren eine Menge bewegt und mitgestaltet hat. In Bissendorf als Sohn des Pastors groß geworden, verschlugen Jurastudium und Beruf den 1952 geborenen Sproß einer kinderreichen Familie nach Marburg und in andere Gefilde Deutschlands. Doch 1986 kehrte Jörg Onnasch mit seiner Familie zurück in die Wedemark und baute sich sein Nest in Mellendorf. Schon lange CDU-Mitglied knüpfte er auch rasch die Kontakte zur Wedemärker CDU und als der damalige Gemeindeverbandsvorsitzende Jochen Haselbacher 1990 von Jürgen Gansäuer gefragt wurde, ob er Kreisvorsitzender werden wolle, war Jörg Onnasch Haselbachers Favorit für die Leitung des CDU-Gemeindeverbandes Wedemark – und nicht nur das. Haselbacher hätte Onnasch auch gernen als seinen Nachfolger im Landtag gesehen. Doch zunächst baute Jörg Onnasch Wilfried Willers als Bürgermeisterkandidaten auf und wurde selbst 1996 in den Gemeinderat gewählt. Dessen CDU-Ratsfraktion wurde zu der Zeit von Karsten Schmieta geführt, in dem Onnasch ebenso wie in Haselbacher einen kompetenten politischen Lehrmeister fand. Als Karsten Schmieta im Herbst 2002 den Fraktionsvorsitz der CDU im Rat abgab, war klar, dass sein Nachfolger Jörg Onnasch heißen würde. Denn die Erwartungen Jochen Haselbachers, ihn im Landtag zu beerben, hatte Jörg Onnasch nicht erfüllt. Er präsentierte seinen Parteifreunden überraschend die bis dahin in Wedemärker CDU-Reihen noch gänzlich unbekannte Editha Lorberg als Kandidatin. „Mir ist aufgefallen, wie offen Editha auf Menschen zuging. Das hat mir sehr gut gefallen und ich selbst war von einer möglichen Landtagskandidatur nie so wirklich überzeugt gewesen“, erklärte Onnasch einmal im Gespräch. Seine Rechnung ging auf: Editha Lorberg wurde zur gemeinsamen Landtagskandidatin der Wedemärker und Garbsener CDU gewählt und hat den Wahlkreis sowohl im ersten Anlauf 2003 als auch 2008 direkt gewinnen können. Nach der Landtagswahl 2008 übergab Onnasch auch den Vorsitz des Gemeindeverbandes an die engagierte CDU-Frau aus Gailhof und konzentrierte sich ganz auf seine Aufgaben als CDU-Fraktionschef im Gemeinderat und in der Regionsfraktion, der er zehn Jahre lang angehörte und zeitweile als Vorsitzender vorstand. Schaut man zurück, sind es vor allem zwei große Errungenschaften, die Jörg Onnasch federführend für die Bürger der Wedemark mit seiner politischen Mehrheit durchgesetzt hat: Das Spaßbad in Mellendorf und das Bürgerhaus in Bissendorf. Ende der neunziger Jahre entpuppte sich das Freibad Mellendorf, entstanden im Zweckverband der Gemeinden Mellendorf, Bissendorf und Brelingen, in den sechziger Jahren als abgängig und stark sanierungsbedürftig. Onnasch setzte sich für eine Attraktivitätssteigerung des Bades ein, die Idee eines großen Freizeitparkes mit einem dänischen Investor stand im Raum, doch als letztendlich die Geldgeber ausblieben, sprach sich die CDU für eine Privatisierung und europaweite Ausschreibung des Bades aus. Der Zuschlag ging schließlich an den günstigsten Anbieter, die Sport- und Freizeit GmbH, die bereits seit 1994 die Eisbahn betrieb, das Bad wurde komplett saniert und vergrößert und im Jahr 2000 als Spaßbad Wedemark wieder eröffnet. Die Geschichte des Bürgerhauses in Bissendorf dürfte den Wedemärkern ebenfalls noch gut in Erinnerung sein. Gegen den erbitterten Widerstand der Opposition setzte die CDU unter Führung von Jörg Onnasch den Ankauf des ehemaligen Busse-Hauses (Edeka-Markt) in Bissendorf durch, um das historische Amtshofensemble zu erhalten und einen Standort für die Verwaltung zu schaffen. Die Pläne für die völlige Entkernung und Sanierung des Hauses konnte die CDU mit ihrer Mehrheit vor der Kommunalwahl 2006 noch auf den Weg bringen, dann wechselten die Mehrheiten und aus dem geplanten Verwaltungssitz mit Bürgerbüro wurde das Bürgerhaus mit Ratssaal im Obergeschoss und Café, Kunstverein und Bücherladen im Erdgeschoss. „Jörg Onnasch ist ein Mensch, der rhetorisch brilliant ist und mit Menschen umgehen kann. Hart, aber fair, ein Kämpfer für die Sache“, sagt Jochen Haselbacher über sein einstiges politisches „Ziehkind“. Er schätzt an dem Juristen seine Kompromissfähigkeit und die Fähigkeit, „auch mit der politischen Gegenseite vernünftig zu sprechen“. Er habe zu politisch Andersdenkenden immer einen guten Zugang gehabt und sei federführend dafür verantwortlich, dass die Gemeinde Wedemark finanziell bis zum Wechsel der politischen Mehrheiten nach 2006 so gut da gestanden habe. Und schließlich gehörte Jörg Onnasch auch zu den Begründern des Tagesmütter-Projektes in der Wedemark, war bis Anfang dieses Jahres Schriftführer und Verfechter dieser Art der Kinderbetreuung.