Hauseigentümer stirbt nach Feuer

Kurz nach 1 Uhr in der Nacht zum Donnerstag in Wiechendorf: Die Atemschutzgeräteträger stehen zur Ablösung der Kameraden bereit, die im Innenangriff löschen. Von außen kämpft sich jetzt der Drehleitertrupp an die Flammen heran, die mittlerweile aus dem Dach schlagen. Ausgebrochen ist das Feuer in der Küche im ersten Obergeschoss des Zweifamilienhauses am Ziegeleiweg. Foto: A. Wiese
 
Erst als der Innenangriff durch die Atemschutzgeräteträger beendet war, erfolgte der massive Löschangriff von der Drehleiter aus, um die Kameraden innen nicht mit Löschwasser zu durchnässen. Foto: A. Wiese

200.000 Euro Schaden bei Hausbrand – Mieter sind jetzt obdachlos

Wiechendorf (awi). Zwei junge Feuerwehrkameraden aus Brelingen haben in der Nacht zum Donnerstag einem 60-jährigen Hauseigentümer zunächst das Leben gerettet: Sie holten ihn aus seiner brennenden Wohnung im Obergeschoss des Zweifamilienhauses am Ziegeleiweg. Mit einer schweren Rauchgasvergiftung wurde der 60-Jährige, der gerade kurz zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden war, unter notärztlicher Betreuung in die Medizinische Hochschule gebracht, wo er jedoch am Freitag an den Folgen der schweren Rauchgasvergiftung verstarb.
Die Gemeinde hat die Mieter aus dem Erdgeschoss jetzt zunächst in einem Hotel untergebracht und sucht dringend eine Wohnung für sie. Die 71 Jahre alte Bewohnerin der Erdgeschosswohnung des Zweifamilienhauses, die im Wohnzimmer noch Fernsehen guckte, hatte kurz nach Mitternacht ein Knistern sowie Knallgeräusche aus der oberen Etage vernommen. Nachdem sie von draußen nachgeschaut und Qualm aus einem der oberen Fenster aufsteigen sah, weckte die im Rollstuhl sitzende Frau ihren bereits schlafenden Mann und alarmierte die Rettungskräfte. Sie und der 80-Jährige verließen das Haus und versuchten durch Klingeln ihren Vermieter im Obergeschoss auf die Gefahr aufmerksam zu machen, bekamen aber keine Reaktion. Zum Glück konnten die Mieter der Feuerwehr einen Schlüssel für die Wohnung im Obergeschoss aushändigen, so dass diese die Tür nicht aufzubrechen brauchte. In den bereits teilweise in Flammen stehenden Räumen stießen die beiden jungen Atemschutzgeräteträger, die ihre Ausrüstung bereits im Brelinger Feuerwehrauto angelegt hatten, dann auf den Hauseigentümer und brachten den gerade noch ansprechbaren Mann mit Unterstützung eines zweiten Atemschutztrupps ins Freie, wo sie ihn an die Besatzung des mittlerweile eingetroffenen Rettungswagens übergaben. Nach der Menschenrettung konnten sich die insageamt 70 Einsatzkräfte der Wehren aus Brelingen, Bissendorf, Mellendorf und Wennebostel vollständig auf die Brandbekämpfung konzentrieren. Im Verlauf des Einsatzes waren insgesamt zwölf Atemschutztrupps im Inneren des Gebäudes eingesetzt. Von außen wurde eine Brandbekämpfung über die Drehleiter vorgenommen. Zur weiteren Unterstützung wurde im Einsatzverlauf die Feuerwehr Elze nachalarmiert. Ein Übergreifen des Feuers auf einen ehemals landwirtschaftlich genutzten Teil des Gebäudes, in dem Strohballen gelagert wurden, konnten die Einsatzkräfte erfolgreich verhindern. Das Obergeschoss des Wohnhauses wurde durch das Feuer jedoch stark beschädigt. Um 4.15 Uhr konnten die letzten Kräfte die Einsatzstelle verlassen. Am Morgen mussten die Brelinger allerdings noch einmal nachlöschen. Am Vormittag haben Experten des Zentralen Kriminaldienstes das Gebäude untersucht, die Brandursache lässt sich aufgrund des hohen Zerstörungsgrade allerdings nicht mehr abschließend feststellen. Sicher ist, dass der Brandherd in der Küche gewesen sein muss. Eine vorsätzliche Verursachung schließen die Ermittler aus, den Schaden beziffern sie auf rund 200.000 Euro. Die Mieter kamen in der Brandnacht bei Nachbarn unter, suchen jetzt jedoch dringend eine rollstuhlgerechte Wohnung in der Wedemark. Wer etwas anbieten kann, meldet sich bei der Gemeinde unter Telefon (0 51 30) 581-251.
Zunächst hat die Gemeinde am Donnerstagmorgen die 71-Jährige, die meistens auf den Rollstuhl angewiesen ist, und ihren 80-jährigen Ehemann in einem Hotel untergebracht. Doch das kann nur eine befristete Übergangslösung sein. Das Haus ist so schwer beschädigt, dass an einen Wiedereinzug in die Wohnung nicht zu denken ist. Durch eingedrungenes Löschwasser ist die Decke der Erdgeschosswohnung möglicherweise einsturzgefährdet. Auch wenn es unten nicht gebrannt hat, sind Möbel und persönliche Sachen des Ehepaares stark in Mitleidenschaft gezogen. „Und wir hatten gerade erst renoviert und neue Schränke gekauft“, sagt der 80-Jährige fassungslos, der auch am Nachmittag noch immer den Schlafanzug trug, in dem er nachts aus dem Haus gelaufen war, als seine Frau ihn mit den Worten „Es brennt, es brennt“ geweckt hatte. Die Familie ging am Donnerstag zunächst einmal einkaufen, um zumindest Kleidungsstücke und Waschzeug verfügbar zu haben. Die Gemeinde wollte das Ehepaar gestern dabei unterstützen, zumindest die notwendigsten persönlichen Sachen aus der Wohnung zu holen, ohne sich zu gefährden. Alles andere müssten dann die Versicherungen regeln. Doch bei der Suche nach einer neuen dauerhaften Wohnlösung würde die Gemeinde dem gebeutelten Ehepaar gern behilflich sein und würde daher Angebote für eine rollstuhlgerechte Zwei- oder Dreizimmerwohnung in der Wedemark gern entgegennehmen und den Kontakt zu dem Ehepaar herstellen. „Wir haben fast 20 Jahre am Ziegeleiweg in Wiechendorf gewohnt. Wir wollen unbedingt zumindest in der Wedemark bleiben und haben auch keine großen Ansprüche“, betont der 80-Jährige, dem der ausgestandene Schreck und die schlaflose Nacht am Donnerstag noch deutlich anzumerken sind.
Für die Feuerwehr war die Vermisstensuche und Personenrettung seit vielen Jahren die erste reale – eine Situation, die auch für die beiden jungen Feuerwehrkameraden im Nachhinein nicht so ohne weiteres zu bewältigen war. Ihre Kameraden erkannten dies und betreuten die beiden sehr sensibel nach. Andere Kameraden kümmerten sich während des Einsatzes um die Mieter und die Angehörigen des Hauseigentümers. Für den insgesamt äußerst koordiniert und kompetent abgearbeiteten Einsatz sprach am nächsten Tag die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier der Führung der Feuerwehr Wedemark ausdrücklich ihren Dank aus. Es habe sich um einen sehr schwierigen Einsatz gehandelt, der auch ganz anders hätte ausgehen können.