„Haushalt nicht mit Feuerwehr sanieren“

Freuen sich sichtlich über ihre Beförderungen (v.l.): Ralf Prüser, Martin Schönhoff, Arndt Hanebuth-Gödecke, Michael Hartmann, Jörn Kahlmeyer, Klaus Freund, Thomas Müller, Friedrich Koch und Henning Schwentker. Foto: S. Birkner
 
Gemeindebrandmeister Michael Hahn freut sich über ein Novum: Mit Jennifer Kummer, die nun Schriftführerin ist, gehört erstmals eine Frau dem Gemeindekommando an. Foto: S. Birkner

Jennifer Kummer als erste Frau Mitglied des Gemeindekommandos

Mellendorf (sb). Gemeindebürgermeister Tjark Bartels hat der Freiwilligen Feuerwehr Wedemark auf ihrer diesjährigen Gemeindekommandositzung finanziell harte Zeiten angekündigt. Auf der Versammlung am vergangenen Freitag im Mellendorfer Feuerwehrhaus betonte er, dass die Gemeinde wie die meisten anderen Kommunen auch einen „Kampf ums nackte Überleben“ führe. Weil die Mittel knapper würden, werde es in Zukunft allen Bemühungen zum Trotz schwieriger, den derzeit hohen Ausstattungsstandard aufrechtzuerhalten. Von finanziellen Kürzungen war dabei allerdings nicht explizit die Rede. Bartels rechtfertigte die hohen Bildungsausgaben mit der Notwendigkeit, die Attraktivität der Gemeinde zu fördern, um eine ausgeglichene Altersstruktur zu gewährleisten. Gleichzeitig stellte der Bürgermeister aber auch fest, dass die Feuerwehr beim Verteilungswettkampf nicht zu kurz kommen dürfe, da sie „in besonderem Maße für die positive Gesamtlage der Gemeinde“ verantwortlich sei. Im jüngst vorgelegten ausgeglichenen Haushalt habe die Gemeinde alle Mittel für notwendige Feuerwehranschaffungen bereitgestellt. Dazu zählten neben zwei Wärmebildkameras unter anderem ein neues Einsatzfahrzeug für die Abbensener Wehr und neue Atemschutztechnik.
In seinem Jahresbericht stellte Gemeindebrandmeister Michael Hahn das positive Klima innerhalb der Wedemärker Wehr heraus. „Die einzelnen Ortswehren führen allesamt ein intaktes Eigenleben, was der gemeindeweiten Zusammenarbeit zuträglich ist“, lobte er. Die hohe Motivation und Kompetenz der Kameraden sorge für „professionelle Feuerwehrarbeit“.
Im Jahr 2011 gab es in der Wedemark 316 Alarmierungen der einzelnen Wehren zu insgesamt 247 Ereignissen. Dies entspricht dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre, als es im Mittel zu 310 Alarmierungen kam. Insgesamt waren 2011 569 Aktive, unter ihnen 61 Frauen, aus allen 15 Wehren im Einsatz. Die Jugendfeuerwehr zählt 227 Mitglieder. Hahn bedankte sich ausdrücklich für die fast 13.000 geleisteten Dienststunden in den Jugendabteilungen: „Die Rekrutierung von Aktiven aus den eigenen Reihen gewährleistet die angenehme personelle Situation, in der sich die Gemeindewehr derzeit befindet.“ Im vergangenen Jahr wechselten 20 Nachwuchsfeuerwehrleute in die Reihen der Aktiven. Hahn stellte in diesem Zusammenhang die Bildung einer Kinderfeuerwehr für Sechs- bis Achtjährige in Aussicht. Er gab außerdem bekannt, dass die Gemeindewettkämpfe in diesem Jahr in Bennemühlen stattfinden werden. Sie sollen in die Feierlichkeiten anlässlich des 70-jährigen Bestehens der dortigen Ortswehr eingebettet werden.
Die für alle Wehren zentral durchgeführte Atemschutz- und Drehleiterausbildung verlaufe erfolgreich, wie Hahns Stellvertreter Jens Kallmeyer betonte. Seit Beginn der gemeinschaftlichen Schulungen vor drei Jahren habe sich das Ausbildungsniveau der über 140 Atemschutzträger massiv verbessert, sagte er.
Nach der Neuverteilung der politischen Kräfte auf Gemeindeebene durch die Kommunalwahl 2011 nutzte Jürgen Benk die Gelegenheit, sich den Kameraden als neuer Vorsitzender des Feuerschutzausschusses vorzustellen. Der Sozialdemokrat, der sich seit langen Jahren aktiv in der Elzer Ortsfeuerwehr engagiert, versprach, dass den Kameraden auch in Zukunft „alles Nötige zur Verfügung stehen“ wird.
Michael Brodermanns war als Vertreter beider Wedemärker Kirchen erschienen und freute sich über die enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Er lobte das ehrenamtliche Engagement der Kameraden im Sinne der Nächstenliebe ausdrücklich und wiederholte das Angebot seitens der Kirche, für die Seelsorge auch im Notfall jederzeit zur Verfügung zu stehen.
In seinem Grußwort forderte der Regionsbrandmeister und stellvertretende Feuerwehrlandesverbandsvorsitzende Bernd Keitel die Politik auf, „die Haushaltskasse nicht mit der Feuerwehr zu sanieren“. Weil Sicherheit ein Stück Lebensqualität sei, müsse die Feuerwehr als kommunale Pflichtaufgabe angesehen werden. Die Ausstattung mit Digitalfunk sagte Keitel für das Jahr 2014 oder 2015 voraus.
Zum Abschluss der Versammlung hatte Hahn die Ehre, neun Gemeindekommandomitgliedern neue Dienstgrade zu verleihen. So ernannte er Martin Schönhoff und Michael Hartmann zum Brandmeister, während Thomas Müller, Klaus Freund, Arndt Hanebuth-Gödecke und Jörn Kahlmeyer nun den Dienstgrad des Ersten Hauptlöschmeisters tragen. Henning Schwentker wurde zum Hauptlöschmeister ernannt. Friedrich Koch darf sich seit Freitag Oberlöschmeister und Ralf Prüser Löschmeister nennen. Nach anderthalb Jahrzehnten als Schriftführer wurde Heinz-Peter Bossow auf der Versammlung aus dem Gemeindekommando verabschiedet. Die Neubesetzung des Postens brachte eine historische Veränderung mit sich, denn in Person von Jennifer Kummer gehört erstmals eine Frau dem Gemeindekommando an.