Heiße Kisten bei tropischen Temperaturen

Noch ein letztes kurzes Interview mit dem Dozenten der Kunstschule Björn Jakob Schlotter – dann saust Sam Janoske (12) angeschoben von Vater Andre (51) mit seinem ‚Feuerstuhl‘ den Kummerberg hinunter. Foto: N. Mandel
 
Der erstplatzierte der Profiklasse Sam Janoske (12) ergatterte mit ‚Feuerstuhl‘ auch den Publikumspreis. Zweiter wurde Louis Kahlmeyer (8). Foto: N. Mandel

Seifenkistenrennen um den Heinrich-Henstorf-Preis

Bissendorf (nm). Am letzten Sonntag lud Bernd Tschirch, Schulleiter der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark, im zwölften Jahr in Folge zum Seifenkistenrennen am Kummerberg in Bissendorf ein. Im Anschluss an das Gemeindefest der St.-Michaelis-Kirchengemeinde gingen sechs kreativ gestaltete Gefährte bei tropischen Temperaturen an den Start. Erfrischen konnten sich die Angereisten zwischen den Läufen an den zahlreichen Ständen des Sommerfestes.
Pro Kategorie traten drei junge Fahrer an. Die Seifenkisten der Klasse der Junioren waren zuvor in einem Workshop der Kunstschule Wedemark gebaut worden. Diese Starter waren zum ersten Mal dabei. Die Profis dagegen fahren schon seit mehreren Jahren mit und haben ihre Seifenkiste mit viel Hingabe immer weiter ausgebaut. So Andre Janoske (51), Vater von Sam Janoske (12), der mit seinem "Feuerstuhl" seit 2009 dabei ist. Dabei ist der Name Programm: Der "Feuerstuhl" sprüht bei der rasanten Fahrt den Kummerberg hinunter Funken auf Bühnenfeuerwerksbasis. Nicht zuletzt deshalb ist die Jugendfeuerwehr Bissendorf/Scherenbostel bei der Veranstaltung dabei. Sie übernimmt neben der Zeitmessung der einzelnen Fahrten vor allem die Überprüfung der Seifenkisten auf ihre Verkehrssicherheit. Die Bremsen müssen funktionieren, auch die Lenkung muss in Ordnung sein, sonst geht es nicht an den Start.
Doch kleinere Unfälle können nie ganz ausgeschlossen werden. So schieden zwei von sechs Teilnehmern aus, da ihre Fahrzeuge einen technischen Defekt erlitten. Durch die Unebenheit der Gullideckel kamen sie aus der Spur, konnten ihr Fahrzeug nicht mehr kontrollieren und kollidierten mit dem Bordstein. Um größere Verletzungen zu vermeiden, waren an verschiedenen Stellen Strohballen gestapelt worden.
„Sicherheit hat beim Bau oberste Priorität“, sagt Andre Janoske. „Erst dann geht es darum, Geschwindigkeit zu erreichen.“ Blinkende LEDs und ein Autoradio, das den passenden Sound zur Vorstellung liefert sind kleine Bonbons am Rande und machen Vater und Sohn sowie auch den Zuschauern Spaß. „Fun zu haben steht für uns im Vordergrund“, so Janoske, der nun schon seit 2009 mit seinem Sohn dabei ist. Das ist auch den anderen Vätern anzusehen, die ihre mit Helm, Handschuhen und festem Schuhwerk ausgestatteten Sprösslinge mit Anlauf in das Rennen schicken. „So eine Seifenkiste braucht eine feste Bodenplatte“, erklärt Janoske noch. Damit seien schließlich die Achsen und die Bremsen fest verschraubt. 18-22 Millimeter Dicke muss die Tischlerplatte haben. Bei diesem Freestyle-Wettkampf in der offenen Klasse darf es ansonsten aber kreativ zugehen. Form und Lackierung des Fahrzeugs können frei gewählt werden. Ganz wichtig sind noch die Räder. Sie werden mit 6 bar Luftdruck gefahren (im Vergleich: ein Fahrradreifen hat maximal und je nach Schwere des Fahrers 3 bar). Daran hängt es, wie gut Unebenheiten in der Straße ausgeglichen werden können.
Zwei Läufe absolvierten beide Gruppen, die Zeiten wurden zusammengezählt. Sieger der Junioren-Klasse wurde Tom-Niclas Goldmann (7) mit "Eva" vor Torben Stenzel (7) . In der Profi-Klasse siegte Sam David Janoske (12) mit seinem "Feuerstuhl" vor Louis Kahlmeyer (8). Der Publikumspreis ging an das Team Janoske/Janosch. Eine Anerkennung bekam auch Tristan Tide (8), dessen Fahrzeug in beiden Läufen durch einen Unfall fahruntüchtig wurde. Jonathan Dettmers hatte nach seinem spektakulären Ausscheiden durch Totalschaden im ersten Lauf schon vorzeitig den Heimweg angetreten. Alle Fahrer blieben aber unverletzt und hatten trotz der großen Hitze viel Spaß mit ihren selbst gebauten Mobilen.