Henry Korman trug sich ins Goldene Buch der Gemeinde ein

Henry Korman bei dem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Wedemark. Foto: H. H. Schröder

Einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust zu Gast in Mellendorf

Mellendorf (hhs). „Als Holocaust-Überlebender und Zeitzeuge freue ich mich, heute an der Mellendorfer Schule den Schülerinnen und Schülern meine Lebens-Geschichte nahe zu bringen und ihnen die Vergangenheit und etwas vom jüdischen Leben zu vermitteln“, das sind die Worte, mit denen der 90-jährige Henry Korman sich in das goldene Buch der Gemeinde Wedemark am Montag eintrug. Henry Korman hat die Judenverfolgung der Nazis in Polen in allen Details miterlebt und überlebt. Mit dem Satz hat er gewissermaßen seinen Lebensauftrag formuliert. Korman ist einer der wenigen Menschen, die den Holocaust überlebt haben und noch davon aus persönlichem Erleben noch berichten können. Aus diesem Grund war er am Montag auch im Mellendorfer Schulzentrum, um einer 9. Klasse zu berichten. Henry Korman hat eine bewegte Vergangenheit. Im Zuge der Judenverfolgung und -vernichtung in Polen geriet er 1941 in das Ghetto der polnischen Stadt Radom. Dort blieb er bis zur Räumung des Ghettos. Etwa 20.000 Juden wurden in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, die sogenannten „arbeitsfähigen Juden“ wurden dort selektiert von der SS und nach Auschwitz gebracht, die übrigen wurden in Gaskammern ermordet. In Auschwitz wurde Henry Korman zu Arbeitseinsätzen in mehreren Außenlagern gezwungen, darunter im berüchtigten Steinbruch des Außenlagers Gusen. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde Korman in einer Gruppe von etwa 1.000 Juden vor der vorrückenden Roten Armee zur Arbeit in der Rüstungsindustrie nach Westen deportiert. In Hannover waren seit 1943 sieben kleine Konzentrationslager als Aussenlager des KZ Neuengamme aufgebaut worden. Korman geriet in das Lager Mühlenberg bei der Hanomag, wo er in der Geschützfertigung arbeitete. Kurz vor der Befreiung Hannovers durch amerikanische Truppen wurden alle hannoverschen Konzentrationslager evakuiert. Die gefangenen Menschen, die noch über Kräfte verfügten, mussten auf sogenannten Todesmärschen zum Lager Bergen-Belsen marschieren. Wer nicht mithalten konnte, wurde auf dem Marsch von der SS erschossen. In Bergen-Belsen wurde Korman von britischen Truppen befreit. Anschließend lebte Korman einige Jahre in Schweden, dann bei Verwandten in den USA. Etwa 1960 kam er nach Deutschland zurück. Seitdem lebt er in der Region Hannover. „Ihr seid auf dem richtigen Weg“, sagte Henry Korman kurz nach dem Eintrag ins Goldene Buch zu Bürgermeister Tjark Bartels und Helge Zychlinsky mit Blick auf den Besuch der 9. Klasse anschließend. Zychlinsky hatte Korman im Zuge einer Reise als Regionsabgeordneter nach Untergaliläa in Israel kennen gelernt und auch den Kontakt zum Gymnasium Mellendorf hergestellt. Korman erwies sich als beeindruckender Gesprächspartner. Als der Bürgermeister ihn fragte, wie er denn nach all dem schrecklichen Erfahrungen mit Deutschland hier leben könne, kam die Antwort prompt und ohne Umschweife: „Das ist ein anderes Deutschland heute, nicht ist mehr wie damals. Ich sage das auch immer wieder zu meinen Verwandten, die mir die gleiche Frage stellen. Und ich sage auch immer wieder: Deutschland ist das beste Land in Europa“.