Hitzige Debatte um Airbus-Transport

Noch steht der ausrangierte Airbus in Langenhagen auf dem Flughafengelände. Der geplante Transport des Rumpfes auf einem Selbstfahrer mit den Ausmaßen von 6,90 Meter Höhe, 640 Meter Breite und 43,66 Meter Länge via Landstraßen nach Hodenhagen erhitzt jetzt die Gemüter. Foto: Serengeti-Park Hodenhagen
 
Die Begrüßung des ausrangierten Airbus A 310 auf dem Flughafen Hannover am 3. September.
 
Der Innenraum des Airbus. Hier soll ein Restaurant entstehen.
 
Das Cockpit.

Gemeinde Wedemark sieht bisher keine Genehmigungsfähigkeit

Wedemark (awi). Ein ungewöhnliches Thema sorgt seit Anfang der Woche für hitzige Debatten in den Medien und involvierten Behörden: Der Serengeti-Park Hodenhagen hat in dem Aussonderungsverfahren für den Luftwaffen-Airbus A 310 mit seinem Nachnutzungskonzept überzeugt und den Zuschlag erhalten, dem ehrwürdigen Flieger seine Altersruhestätte zu bieten. So soll der Airbus in seiner äußeren Form als Flugzeug erhalten bleiben und innen zu einem Restaurant umgebaut werden. Geplant ist die Eröffnung des Restaurants für Sommer 2022. Doch dafür muss der A 310 von seinem jetzigen Standplatz auf dem Flughafen Langenhagen, wo er am 3. September gelandet und damit seine Flugerlaubnis endgültig erloschen ist, nach Hodenhagen auf das Parkgelände transportiert werden. Geplant ist das als Schwertransport über die L 380, L 190, die K 149 und die L 191: ein kleines Stück direkt vom Flughafengelände auf die L 380, noch aufLangenhagener Gebiet, dann über Resse, Wiechendorf, Scherenbostel, Mellendorf, Elze und Sprockhof durch Wedemärker Gemarkung, anschließend durch das Gebiet der Samtgemeinde Schwarmstedt und zum Schluss durch die Samtgemeinde Ahlden. Doch die Gemeinde Wedemark sieht den Schwertransport bisher nicht als genehmigungsfähig an. Zu schwer seien die zu erwartenden Schäden an den straßenbegleitenden Bäumen und für die Landschaft, teilweise sogar Landschaftsschutzgebiet. Diese Bedenken hat auch ein runder Tisch mit der Parkleitung und dem beauftragten Transportunternehmen am Donnerstag nicht ausräumen können. Bürgermeister Helge Zychlinski fordert Transportalternativen. Erst wenn zweifelsfrei belegt sei, dass keine davon realisierbar sei, soll mit hohen Auflagen die Genehmigung für den Schwertransport erneut geprüft werden, fordert er.
Schwarmstedts Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs und der Esseler Bürgermeister Bernd Block nahmen ebenfalls am Runden Tisch teil. „Mein Eindruck ist, dass die Kritik aus der Region Hannover und der Wedemark sehr ernst genommen wird. Sie trägt positiv dazu bei, dass dieses Vorhaben weiter intensiv unter dem Aspekt eines naturschonenden Transports und dem Schutz der Bäume betrachtet wird“, so Björn Gehrs im Anschluss. Die Samtgemeinde Schwarmstedt arbeite sehr gut mit den beiden ebenfalls betroffenen Nachbargemeinden Wedemark und Ahlden zusammenund zielt auf eine gemeinsam abgestimmte Stellungnahme ab. „Ich stehe hierzu in einem guten Dialog mit den Bürgermeistern Helge Zychlinski und Carsten Niemann“, so Gehrs. „Die Fakten werden derzeit noch ermittelt. Wir sind daher bislang nicht offiziell beteiligt worden, zumal bei uns auch der Heidekreis Verkehrs- und Genehmigungsbehörde ist. Unter Einbeziehung dieser Fakten ist dann eine abschliessende Stellungnahme und Bewertung möglich. Wir möchten dieses Vorhaben konstruktiv begleiten“, so Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs. Eine Versachlichung weg von der emotionalen Ebene ist auch das Ziel von Ahldens Gemeindebürgermeister Carsten Niemann, früher Wirtschaftsförderer der Gemeinde Wedemark und mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut. „Es muss zweifelsfrei geklärt werden, was tatsächlich ausgeschnitten werden müsste.“
Genau das soll jetzt auch geschehen, erklärten am Donnerstagnachmittag im Anschluss an den Runden Tisch mit Vertretern aus Politik und Behörden, Parkleitung und Logistikunternehmen Parksprecherin Asta Knoth und Logistiker Andreas Gorke. Detailliert stellten sie anhand von Fotos und einer Simulation den geplanten Streckenverlauf vor. Das Gebiet der Stadt Langenhagen durchquert der Schwertransport nur wenige hundert Meter, nachdem er vom Rollfeld Nord direkt auf die L 380 zwischen Engelbostel und Resse gelangt. Dennoch ist die Stadt Langenhagen erste Genehmigungsbehörde, weil in ihrem Gebiet der Startpunkt liegt. Daher hat das Transportunternehmen am 26. August bei der Stadt Langenhagen den offiziellen Antrag für den Transport gestellt, den diese am 30. August an die anderen beteiligten Kommunen weitergeleitet hat. In diesem Antrag ist allerdings noch von ganz anderen Abmessungen des Transports die Rede als in der aktuellen Darstellung vom Donnerstag. Das sei ein übliches Verfahren, führte Logistiker Andreas Gorke aus, dass man quasi einen Testballon mit den Maximaldaten starte, um diese dann anhand der Auflagen und Anmerkungen der beteiligten Behörden zu optimieren. Mittlerweile seien die Abmessungen mit maximal 6,90 Meter Höhe, 6,40 Meter Breite und 43,66 Meter Länge geringer als im Ursprungsantrag. Das liege nicht nur an der „Verpackung“ des Airbus-Rumpfes, sondern auch daran, dass man das ursprüngliche Schwertransportfahrzeug gegen einen sogenanten SPMT (Self Propelled Modual Transporter) ausgetauscht hat, das ist ein selbstangetriebenes Transportmodul, das wie ein ferngesteuertes Auto gelenkt wird und nur fünf km/h schnell fährt. Der Transport ist über drei Tage geplant, und zwar nicht mehr nachts, sondern tagsüber, um auf die örtlichen Begebenheiten bei Tageslicht adäquater reagieren zu können, erklärte Gorke. Nach seiner neuesten Berechnung müssen maximal sechs Bäume fallen, und zwar an der Kreisstraße im Bereich Essel im Heidekreis. Dabei handele es sich um junge Bäume im Wildwuchs und wirklich im Weg sei auch nur eine einzige Birke. Auch die Bäume auf den Mittelinseln in Resse müssten mit der neuen Transportvariante nicht aus- und eingesetzt werden, sondern der Transport passe auf der rechten Fahrspur daran vorbei. Der Seitenraum werden in vielen Bereichen mit Platten verstärkt, um um ihn zu schützen. Die Bäume würden teils verschalt, teils hochgebunden oder könnten über die runde Verschalung des Flugzeugkörpers hinwegsstreifen.
Als ein Ergebnis des runden Tisches soll jetzt noch einmal eine Befahrung mit einer Kamera und genauen Ausmessungen stattfinden, ein sogenannter Roadscan, der die Grundlage für den Genehmigungsantrag darstellen soll, denn anders als im Vorfeld berichtet, sei bisher keine Transportgenehmigung erteilt worden, betonte Parksprecherin Asta Knoth. Das Land habe lediglich zugestimmt, dass der Straßenbaukörper entsprechend belastet werden könne. Genehmigen muss die Region als Untere Naturschutzbehörde das Unterfangen.
Und das werde sie mit dem derzeitigen Stand nicht tun, hat Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski sich beim noch amtierenden Regionspräsidenten Hauke Jagau vergewissert. Bei dem Termin am Donnerstag sei zwar schnell klar geworden: „Der heute vorgestellte Stand der Planungen weicht von den beantragten stark einschneidenden Maßnahmen ab“, erklärte Zychlinski. Der Transportunternehmer habe aber immer noch nicht dezidiert darlegen können, welcher Schaden an der Natur tatsächlich zu erwarten sei. Auch seienAusweichlösungen gar nicht erst dargelegt oder pauschal abgetan worden ohne Zahlen, Daten und Fakten zu nennen. Eine kleinteiligere Zerlegung des Rumpfes müsse ebenso in Betracht gezogen werden, wie ein potenzieller Transport per Hubschrauber oder die Möglichkeit, dass der Airbus selber bis zum Militärflugplatz Faßberg fliegt, dort zerlegt und über Bundeswehrgelände zum Freizeitpark gebracht wird. Zychlinski hat dem Park und dem Transportunternehmer angeboten, mit den anderen beteiligten Behörden gemeinsam die gesetzlichen Vorgaben zu erörtern und eine Checkliste zu erarbeiten.
Die CDU Wedemark, für die Marco Zacharias, Susanne Brakelmann, Daniel Leide, Frank Riebesehl und Alexandra Backhaus an dem Termin am Donnerstag teilnahmen, kommt nach Anhörung der Darstellung von Park und Logistikunternehmen zu dem Schluss, dass mittlerweile von Baumfällungen bis auf eine Birke im Heidekreis nicht mehr die Rede sei, es allerdings Bäume gebe, die das nötige Lichtraumprofil von 6,9 Metern nicht aufwiesen. Äste dieser Bäume sollen beim Transport, der mit Schrittgeschwindigkeit und langsamer fahre, hoch oder zur Seite gebogen werden. Die CDU ziehe deraus den Schluss: „„Bei diesem Transportantrag handelt es sich um ein genau festgelegtes Verfahren, in dem die einzelnen Handlungsschritte gesetzlich geregelt sind. Der Ball liegt eindeutig bei der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover Sie muss nun dem beauftragten Unternehmen aufzeigen, unter welchen Bedingungen der Transport erfolgen kann. Sollte der Transport allen Regeln genügen und keinen Schaden anrichten, steht einer Genehmigung jedoch nichts im Wege.“ Das sehen die Grünen aus der Wedemark und der Region anders. Den Transport des Airbusses in den Serengeti-Park durch Langenhagen, die Wedemark und den Heidekreis, wie derzeit vom Logistik-Unternehmen geplant, halten wir nicht für durchführbar. Der Schaden durch die Eingriffe in die Natur sind viel zu hoch und könnten irreparabel sein. Entlang der Strecke müssten viel mehr Bäume gefällt werden als angekündigt, heißt es in ihrer Pressemitteilung nach dem Runden Tisch. Auf Nachfrage konnte Michael Papke von den Grünen jedoch nicht die Quelle der Aussage, dass viel mehr Bäume fallen müssten, nennen. Das stamme offensichtlich aus einer „grünen internen Quelle nach einer Begehung“, so Papke. Im Vorfeld müsse durch ein Gutachten in einem Landschaftspflegerischen Begleitplan ermittelt werden, welche Schäden und welche Folgen der Transport für die Natur verursache. Danach erst könnten Möglichkeiten der Minimierung und Ausgleichsmaßnahmen vorgeschlagen werden. Die Interessen der Natur und der Menschen müssten höchste Priorität haben, so die Grünen.