Honig, geschmackliche Vielfalt - nicht einer wie alle

Kontrolle der Rähmchen mit Suche nach der Königin und feststellen der Gesundheit: René Rakebrandt von li, Bürgermeister Helge Zychlinski, Henning Bruns, Christoph Schmieta und Börges Meyer.
 
Honig fließt ins Klärfass und Bürgermeister Helge Zychlinski, li, bekommt von Börges Meyer erklärt, wie er den Wassergehalt des Honigs feststellen kann.
 
Vorstandsmitglied Oliver Weber und Bürgermeister Helge Zychlinski vereinbaren in der nächsten Zeit ausschließlich zu Werbezwecken speziellen „Wedemark-Honig“ der Wedemärker Imker in der Gemeinde zu bestimmten Anlässen und als Präsent anzubieten

Bürgermeister Helge Zychlinski informiert sich auf Sommertour beim Imkerverein

Hellendorf/ Elze (er). „Gehörte früher die Imkerei zur Landwirtschaft, finden sich heute immer mehr Imker, die Interesse, Spaß oder Abwechslung in der Arbeit mit den Bienen sehen. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Imker in der Wedemark von etwa 50 auf über 100 mit jetzt knapp 800 Bienenvölkern erhöht. Inzwischen ist Imkerei nicht mehr nur älteren Männern vorbehalten. Wir haben etwa ein Drittel weibliche Mitglieder“, führte Christoph Schmieta, der Vereinsvorsitzende des Imkervereins Wedemark (IVW) aus. Schwerpunkte der Vereinstätigkeit sind die Nachwuchsarbeit, Maßnahmen zur Erhaltung der Bienengesundheit, die durch die eingeschleppte Varroa-Milbe und die Amerikanische Faulbrut bedroht wird, sowie die Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirten. Bürgermeister Helge Zychlinski freute sich auf einen interessanten Nachmittag mit aufklärendem Charakter. Er lobte die Präsenz des Vereins auf der letzten Wirtschaftsmesse, betonte den ökologischen Wert der Imkerei und stellte fest, dass das Thema immer beliebter wird.
Christoph Schmieta: „In der letzten Zeit haben etwa 150 Personen jährlich an den vom IVW angebotenen Schulungen teilgenommen. Das zeigt, wie groß das Interesse in der Bevölkerung ist. Wir bieten Jungimkern die Möglichkeit in den ersten zwei Jahren Unterstützung durch die Koordinatiorin Anna von Fischer und „Patenimker“ zu bekommen und stellen die Erstausstattung, die dann gekauft oder zurückgegeben werden kann. So ist es möglich, dass man sich mit der Arbeit rund um die Imkerei relativ unverbindlich vertraut macht und bestmögliche Hilfen bekommt.“
Die „gute imkerliche Praxis“ unterscheidet sich jedoch von der Praxis der „Bienenhalter“ deutlich. Der Imker hat das Wohl der Bienen im Auge, kümmert sich um Nahrung, Brut und Honig. Er weiß um Krankheiten und deren Bekämpfung, die in Deutschland anders ist als in anderen Staaten. Die Fragen der Überwinterung und die Versorgung der Bienen mit Nährstoffen in der Zeit, wenn in der Natur schon nichts mehr zu finden ist, ist genauso ein Thema wie die Anzahl, Versorgung und Arbeitsweisen der Königinnen.
Der Umweltbeauftragte René Rakebrandt, selbst Imker und im IVW Gesundheitsobmann, erläuterte: „Das Bienenvolk wird auch „der Bien“ genannt. Es gibt sanfte oder aggressive Völker. Der Bien steuert Verhalten, Pheromone, Wasser und Luft im Stock. Er sorgt dafür, dass die Drohnen bleiben dürfen oder ausgestoßen werden.“ Für Bienen ist eine Vielfalt des Nahrungsangebotes wichtig. So ziehen Glockenblumen beispielsweise eine bestimmte Bienenart an, verlassene Schneckenhäuser werden von einer anderen Art genutzt. Das Zufüttern von konzentriertem „Zuckerwasser“ ist zur Vorbereitung auf den Winter ist vorteilhaft, da es keine Krankheits- und Ballaststoffe enthält und so die Bienenvölker gesünder über die lange Zeit des Mangels kommen. All diese Ausführungen gab es an dem ersten Punkt der Sommertour auf dem Gelände von Imker Henning Bruns, der auch seine Bienen zeigte.
Vereinsmitglied Börges Meyer zeigte in Elze die Honiggewinnung mithilfe seiner Maschinen, die eine enorme Arbeitserleichterung darstellen. Er ist Wanderimker, das heißt, er fährt mit seinen Bienenvölkern zu den Stellen, an denen in dem Moment viel Honig und Pollen, das heißt: viel Tracht, zu erwarten ist. So ist es ihm möglich sortenreinen Honig von Kornblume, Kastanie Sonnenblume oder Majoran zu gewinnen. Honig muss den Anforderungen an Geruch, Geschmack und Aussehen entsprechen und je nach Sorte eine bestimmte Anzahl der spezifischen Pollen aufweisen.
„Dem Honig wird nichts hinzugefügt. Wir erhitzen nur sehr vorsichtig auf 40 ° C und im Imkerhonig sind nur maximal 18 % Wasser. Die Honigverordnung würde 20 % erlauben“, so Börges Meyer. Nachdem Bürgermeister Helge Zychlinski eigenhändig die Waben vom Wachs befreit hat und sich dann über die Maschinen wundern konnte, die die gleiche Arbeit so zeitsparend erledigen, wurde der Honig geschleudert. Anschließend in ein Klärfass gepumpt, in große Behälter abgefüllt und gerührt, damit die Struktur des Honigs cremig bis flüssig bleibt. „Von Natur aus hat Honig die Tendenz „knüppelhart“ zu werden. Er kristallisiert grob, wenn man nicht aufpasst“, erläuterte Börges Meyer. Der nächste Schritt war dann das theoretische Befüllen der verkaufsfertigen Gläser und die praktische Kostprobe der verschiedenen Sorten, die die Unterschiede der einzelnen Honigarten deutlich machten. So sind geschmacklich sehr milde und flüssige, sowie auch kräftige bis bittere und cremige Sorten zu finden. Es ist ein Anliegen der Imker, die Vielfalt zu probieren und den speziellen Geschmack zu testen.
Vorstandsmitglied für Event- und Öffentlichkeitsarbeit Oliver Weber konnte abschließend dem Bürgermeister die Lieferung von zunächst 50 Gläsern Honig der Wedemärker Imker zusagen. Die Gemeinde freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Imkerverein und auf die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, die je nach Angebot der verschiedenen Stand-Imkereien des Vereins als Präsent zu bestimmten Anlässen verteilt werden. Zu kaufen wird es diesen Honig in der Gemeinde nicht geben.
Die abschießende Fragestunde verdeutlichte das wachsende Interesse an der intakten Natur, das mit unterschiedlichen Maßnahmen unterstütz wird. Dazu zählen seit 2014 die Zusammenarbeit mit dem Landvolk unter dem Motto „Blühende Wedemark“ und der runde Tisch mit den Gesprächen zwischen Verwaltung und Landwirten sowie Imkern und Gemeinde. Erste Schritte zur Erhaltung oder Wiederherstellung einer Vielfalt von Angeboten für Insekten und anderen Kleintieren.
Bienen-Kompakt-Info
Bienen fliegen bis 30 km/h mit 180 bis 250 Flügelschlägen in der Minute
Wenn Kühlung im Stock erforderlich ist, können sie bis zu 7.200 Flügelschläge/Min. machen.
Königinnen legen 1000 Eier pro Tag / bis zu 2000 sind möglich – das entspricht dem Gewicht der Königin selbst.
Ein Stock hat 30.000 bis 60.000 Arbeitsbienen – sie leben etwa 50 Tage im Sommer und haben unterschiedlichste Aufgaben während dieser Zeit
100 Bienen wiegen zwölf Gramm.
Eine Biene kann in zwei Minuten einen Kilometer weit fliegen – in einem Leben ca. 800 km
Für 500 Gramm Honig muss die Biene 3,5 Mal um die Erde fliegen – umgerechnet.
Bienen können 1/3 ihres Körpergewichts im Flug transportieren
Der Bienenstock braucht etwa 50 Kilogramm Honig pro Jahr selbst