Hortensien beeinflussen die Statistik

KED-Leiter Kai-Uwe Bebensee (v. l.), Kommissariatschef Wolfgang Just und ESD-Leiter Rolf Wenda stellten gestern die Kriminal- und die Unfallstatistik für die Wedemark vor. Foto: A. Wiese

Bebensee: „Unterm Strich lebt man sicher in der Wedemark"

Wedemark (awi). Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariates Mellendorf wurden im Jahr 2011 insgesamt 1.588 Straftaten registriert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von insgesamt 175 Straftaten, trugen gestern vormittag Kommissariatsleiter Wolfgang Just und sein KED-Leiter Kai-Uwe Bebensee der Presse vor. Zu der zunächst aufrüttelnden Zahl ist jedoch anzumerken, dass im vergangenen Jahr insgesamt 227 Hortensiendiebstähle beim PK Mellendorf zur Anzeige gelangten. Ein Phänomen, das 2011 erstmalig auftrat, so Bebensee.
Von den bekannt gewordenen 1.588 Staftaten fielen insgesamt 1.281 in die Bearbeitungszuständigkeit des PK Mellendorf, das heißt, sie wurden von den Beamtinnen und Beamten der Polizei Mellendorf bis zur Endabgabe an die Staatsanwaltschaft bearbeitet. Gegenüber dem Jahr 2010 mit 1.196 bearbeiteten Straftaten bedeutet dieses eine Zunahme von 85 Taten, das entspricht plus 7,11 Prozent. Im Verbund der Polizeiinspektion Burgdorf, zu der neben den Dienststellen in Burgdorf, Lehrte, Langenhagen, Großburgwedel auch das PK Mellendorf zählt, ist in 2011 ebenfalls eine Zunahme der bekannt gewordenen Straftaten von 15.578 auf 16.010 Taten (plus 2,77 Prozent) festzustellen. In der Polizeidirektion Hannover hingegen ist ein Rückgang der bekannt gewordenen Fälle von 113.696 auf 106.489 (-6,34 Prozent) feststellbar. Die Aufklärungsquote der im Polizeikommissariat Mellendorf bearbeiteten Straftaten lag 2011 bei 44,81 Prozent. Gegenüber 2010 (50,75 Prozent) bedeutet dieses einen Rückgang von 5,94 Prozent. Bereinigt man jedoch die Kriminalstatistik um die erwähnten 227 Hortensiendiebstähle, von denen nicht einer aufgeklärt werden konnte, so ergibt sich eine Aufklärungsquote von 54,46 Prozent, die deutlich (3,71 Prozent) über der von 2010 liegt. Die Aufklärungsquote im Verbund der PI Burgdorf liegt 2011 bei 56,40 Prozent (2010: 57,77 Prozent). Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Hannover ist ein leichter Rückgang der Aufklärungsquote von 62,82 Prozent (2010) auf 60,34 Prozent feststellbar. Hinsichtlich der im Jahr 2011 im Zuständigkeitsbereich des PK Mellendorf 1588 registrierten Straftaten konnten 591 Tatverdächtige ermittelt werden. Von diesen 591 Tatverdächtigen waren 107 nichtdeutscher Herkunft. Dieses entspricht 18,10 Prozent aller ermittelten Tatverdächtigen. Der prozentuale Anteil der ermittelten nicht deutschen Tatverdächtigen ist somit im Vergleich zu den Vorjahren (12,39 beziehungsweise 15,11 Prozent) weiter angestiegen. Bei Betrachtung der einzelnen Deliktsgruppen fällt zunächst positiv auf, dass die Anzahl der Körperverletzungsdelikte (gemeint sind einfache, gefährliche und fahrlässige Körperverletzung) von 124 Fällen in 2010 auf 96 in 2011 zurückgegangen ist. Gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote nochmals um 3,80 Prozent auf 98,96 Prozent gesteigert werden. Diese sehr hohe Aufklärungsquote erreicht in diesem Deliktsbereich keine andere Dienststelle innerhalb der Behörde.
Für den Bereich der Eigentums-kriminalität, der mit 644 regis-trierten Taten (44,90 Prozent) des Gesamtstraftatenaufkommens ausmacht, ist Folgendes festzustellen: Gegenüber den 537 Taten aus 2010 ist ein deutlicher Anstieg um 107 Taten, das entspricht 19,93 % festzustellen. Gleichzeitig ist ein Rückgang der Aufklärungsquote bei der Gesamtheit der Diebstahlsdelikte um 7,22 Prozent (2010: 23,84 Prozent, 2011: 16,61 Prozent) feststellbar. Allerdings muss in diesem Zusammenhang nochmals auf die hohe Zahl von ungeklärten Hortendiebstählen hingewiesen werden, die mit 227 Fällen fast ein Fünftel des Gesamtstraftatenaufkommens ausmachen und damit die Statistik 2011 ganz erheblich beeinflussen. Ohne die 2011 erstmalig bekannt gewordenen Taten wären die sonstigen Eigentumsdelikte um 112 Fälle zurückgegangen und die Aufklärungsquote gleichzeitig um fast zwei Prozent gestiegen. Erfreulich ist auch die Entwicklung bei den Diebstahlsdelikten unter erschwerenden Umständen (schwerer Diebstahl). Dort ist ein deutlicher Rückgang der Fallzahlen um 58 Taten von 272 Fällen in 2010 auf 214 in 2011 zu registrieren. Gleichzeitig ist in diesem Bereich die Aufklärungsquote deutlich um 5,93 Prozent von 8,09 Prozent in 2010 auf 14,02 Prozent in 2011 gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden in der Wedemark lediglich fünf Kraftfahrzeug-Diebstähle angezeigt. Zwei davon konnten aufgeklärt werden. 2010 waren in der Wedemark noch 17 Fahrzeuge als gestohlen gemeldet worden. Ein deutlicher Anstieg von 196 Prozent ist bei den Diebstählen aus Kraftfahrzeugen zu verzeichnen. Kam es 2010 noch zu 25 Taten, so wurden 2011 74 Fälle bekannt. Davon wurden lediglich 28 Anzeigen beim PK Mellendorf bearbeitet.
Die restlichen 46 Taten wurden von einer Ermittlungsgruppe in der PI Burgdorf übernommen. Dabei handelte es sich um die 2011 stark zugenommenen Diebstähle von hochwertigen Navigationsgeräten. Bei den registrierten Fahrraddiebstählen ist ein deutlicher Rückgang um 31,62 Prozent von 136 auf 93 Taten in 2011 festzustellen. Häufige Tatorte waren dabei die S-Bahnhöfe Mellendorf, Bissendorf und Bennemühlen. Im Bereich der Betrugsdelinquenz kann für 2011 Folgendes festgestellt werden: Gegenüber 275 bekannt gewordenen Fällen in 2010 ist ein Anstieg um 14,91 Prozent auf 316 Taten in 2011 feststellbar. Davon wurden lediglich 180 Fälle hier bearbeitet. Die Aufklärungsquote liegt bei 72,22 Prozent.
Während die Fallzahlen im Bereich des Waren- und Warenkreditbetruges gegenüber 2010 nahezu konstant geblieben sind (64 in 2011 zu 61 in 2010) konnte die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich erfreulicherweise von 78,69 Prozent auf 87,50 Prozent erhöht werden. Nach einer deutlichen Zunahme der Taten beim Leistungskreditbetrug in 2010 (43 Fälle) sind 2011 lediglich 27 Taten angezeigt worden. Die Aufklärungsquote liegt bei 92,59 Prozent.
Die Fallzahlen der Deliktsgruppe Sachbeschädigung sind gegenüber dem Vorjahr leicht angestiegen. Während 2010 168 Fälle regis-
triert worden waren, sind in 2011 185 Taten zur Anzeige gelangt. Die Aufklärungsquote konnte dabei erfreulicherweise von 25 Prozent auf 40,85 Prozent gesteigert werden. Die bekannt gewordenen Rauschgiftdelikte sind gegenüber dem Vorjahr deutlich von 22 auf 49 Fälle angestiegen. Grund dafür ist die Erhöhung der Intensität bei den Ermittlungen in diesem Deliktsbereich.Erfreulicherweise konnte die Aufklärungsquote nochmals um 8,47 Prozent auf nunmehr 92,68 Prozent gesteigert werden. Hinsichtlich der Jugenddelinquenz stellte KED-Leiter Bebensee fest: Von den 2011 ermittelten 591 Tatverdächtigen waren 37 Heranwachsende im Alter von 18 bis 21 Jahren. Dies entspricht 6,26 Prozent aller Tatverdächtigen. Dies entspricht fast dem Niveau von 2010 (6,10 Prozent). Erfreulicherweise ist der Anteil der jugendlichen Tatverdächtigen im Alter von 14 bis 17 Jahren 21011 deutlich zurückgegangen. 54 registrierte Jugendliche entsprechen einem Anteil von 9,14 Prozent (2010: 12,50 Prozent) aller Tatverdächtigen. Die Schwerpunkte liegen dabei im Bereich der jugendtypischen Delikte wie Sachbeschädigung (19 Fälle), Diebstahl (20) und Körperverletzung (12). Ebenso erfreulich sind die Zahlen für 2011 im Bereich der strafunmündigen Kinder. Lag der Anteil der Kinder in 2010 noch bei 6,40 Prozent aller Tatverdächtigen, so beträgt die Quote im Jahr 2011 nur noch 3,21 Prozent (19 Fälle). Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es sich in der Wedemark sehr sicher lebt.
Klammert man mal die erwähnten Hortensiendiebstähle aus, so bleibt festzustellen, dass bei gleichzeitigem Rückgang der Straftaten die Aufklärungsquote gesteigert werden konnte. So sind sowohl die Wohnungseinbrüche, als auch die Kraftfahrzeug-Diebstähle, Fahrraddiebstähle und die Zahl der Körperverletzungen teilweise deutlich zurückgegangen. Lediglich bei den Betrugsdelikten (in erster Linie Internetkriminalität) und den Diebstählen aus Kraftfahrzeugen ist ein Anstieg feststellbar. Erfreulich ist auch der deutliche Rückgang des Anteils jugendlicher Tatverdächtiger und strafunmündiger Kinder.