Hummer zerlegt, Seife gekocht und Kabel sortiert

Zehn Schüler verbrachten den Zukunftstag in der Gemeindeverwaltung und informierten sich über die verschiedenen Fachbereiche. (Foto: Bastian Graf)
 
Inhaber Marco Schaffeld (r.) und Koch Jan Rösner von „Der Höpershof“ wiesen ihre Zukunftstagspraktikanten in den Umgang mit dem Hummer ein. (Foto: Bastian Graf)
 
Jan Robin Stoermer ließ sich von Catherine Nitsche in der Seifenmanufaktur in Wennebostel in das Seifensieden einführen. (Foto: Bastian Graf)

Schüler der weiterführenden Schulen absolvierten einen interessanten Zukunftstag in der Wedemark

Wedemark. Am letzten Donnerstag fand der diesjährige Zukunftstag für Jungen und Mädchen statt. Dieser Tag war ursprünglich gedacht für Schüler und Schülerinnen, um in andere Berufe rein
zu schnuppern, die für ihr Geschlecht eher untypisch sind. So sollten Mädchen die Möglichkeit haben „typische Männerberufe“ wie Technik und Naturwissenschaft kennen zu lernen. Dieser Tag ist auch unter den Namen Girls Day bekannt und dieses Jahr gibt es den ersten offiziellen Boys Day. Auch in der Wedemark waren viele Schüler fleißig und arbeiteten in einem Unternehmen ihrer Wahl. Ich, Lisanne Kirchhof, vom Gymnasium Mellendorf, und Bastian Graf von der KGS Schwarmstedt absolvierten unseren Zukunftstag in der Redaktion des Wedemark ECHO. Unsere Aufgabe: Eine Reportage über den Zukunftstag. Gemeinsam mit Redakteurin Anke Wiese besuchten wir einige Schüler und guckten uns an, was sie genau machen und warum. So besuchten wir Lisa Fleig und Jessica Drauckschas beim Rewe-Markt Zwingmann in Mellendorf. Beide hatten alle Hände voll zu tun. Jessica kam durch ihre Mutter auf die Idee, zu Rewe zu gehen, auch wenn sie für sich selbst keine Zukunft in diesem Job sieht. Ähnlich sieht es Vanessa Welborn, die lieber einen Frauenberuf gemacht hätte. Sie war bei Kählig Elektrotechnik, erstellte Lieferscheine am Computer und arbeitete mit Kabeln. Aber es gab auch Schüler, die ein Unternehmen besuchten in dem sie sich auch vorstellen könnten, später zu arbeiten. So ergeht es zum Beispiel Jasmine Rauswig und Laura Czaja. Jasmine verbrachte einen Tag im Futterhaus in Mellendorf und könnte sich auch vorstellen später in einem Zoofachhandel zu arbeiten, weil sie selber Tiere hat und mag. Laura war in der KiTamiTu, wo auch ihre kleine Schwester hingeht. Da sie gerne mit Kindern spielt und auch schon Erfahrungen als Babysitter hat, könnte auch sie sich vorstellen, später als Kindergärtnerin zu arbeiten. Es gab aber auch Jungs die an diesem Tag in einen Beruf rein schnupperten, zum Beispiel Marc Kevin Schulz, der bei der Esso-Tankstelle in Mellendorf arbeitete. Zusammen mit Pächterin Reni Hösel schaute er sich das Berufsbild und die Arbeitsabläufe eines Einzelhandelskaufmanns an. Aber auch Nick Nenke sammelte Erfahrung, und zwar als Elektriker. Er war bei der Firma Pleuss Elektroanlagen und verlegte bei einem Einfamilienhaus Kabel. Wir trafen auch Schüler, die nicht aus der Wedemark kommen. Jacob Ost und Markus Kuhn von der KGS Hemmingen waren zusammen in der Küche vom Restaurant
„Der Höpershof“ in Scherenbos-tel. Chefkoch Jan Rösner zeigte ihnen dann, wie man einen Hummer zerlegt, Soßen und Spargelravioli macht. Auch bei der Firma Lutz-Jesco war eine Schülerin. Lutz-Jesco ist ein Unternehmen in Hellendorf, das Dosieranlagen und Geräte, wie Messwasserregler zum Beispiel für Wasserwerke entwirft und fertigt. Obwohl das 120 Mitarbeiter starke Unternehmen sich mit Technik beschäftigt, sahen wir im Produktionsbereich viele Frauen. Wir besuchten Jessica Dölle. Sie baute zusammen mit Mitarbeiterin Antje Bruns eine Pumpe zusammen. Der Leiter des Zusammenbaus Wolfgang Schittek erzählte uns noch einiges über das Unternehmen. Lutz-Jesco produziert und montiert neben Dosieranlagen auch Messgeräte wie Chlormessgeräte oder Messwasserregler, solche befinden sich auch im Spaßbad Mellendorf. Lutz-Jesco befindet sich zwar in Hellendorf, exportiert aber auch ins Ausland.
In der Seifenmanufaktur Calani in Wennebostel trafen wir ebenfalls zwei Jungs: Lucas Nitsche und Jan Robin Stoermer. Sie durften zusammen mit Catherin Nitsche eine Hand- und Duschseife für Männer herstellen und Seifen für den Internetversand verpacken. Hier hielten wir uns etwas länger auf, denn was Catherine Nitsche erzählte, war hoch interessant. Bis zum heutigen Tag wussten wir weder, was eine Seifenmanufaktur ist, noch, dass es eine solche in der Wedemark gibt. Die Firmengründerin und Seifensiederin Catherin Nitsche erzählte uns, dass sie hauptsächlich im Internet ihre Seifen verkauft. Auf die Idee Seife selbst herzustellen und zu verkaufen, kam sie vor Jahren, weil ihr Sohn eine Al-lergie gegen industriell hergestellte Seifen hat und jedes Mal beim Duschen husten musste. Irgendwann nahm er dann eine selbstgemachte Seife und er musste nicht mehr husten. Also probierte sie es selber.
Die Nachfrage aus dem Bekanntenkreis bestärkte sie darin, aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Lucas und sein Freund hatten anfangs so ihre Schwierigkeiten mit dem peinlich genauen Abwiegen und Dosieren der verschiedenen Zutaten für eine Seife. Aber spätestens, als es dann ans Marmorieren ging, waren sie mit Feuereifer dabei. Jetzt müssen die Seifen mindestens sechs Wochen trocknen, bevor sie in die Welt hinaus geschickt werden. Außer Hand- und Gesichtsseife stellt Catherin Nitsche vor allem Rasierseife her. Rasierseife aus Wennebostel ist zum Beispiel ein hochgelobter Renner im „Online-Rasierforum“.
Unseren letzten Termin an diesem Zukunftstag absolvierten wir im Rathaus. Bei der Gemeindeverwaltung Wedemark waren an diesem 14. April elf Jungs und ein Mädchen vom Gymnasium, der Realschule und der IGS aus den Klassen fünf bis acht. Sie wurden von den Auszubildenen im ersten Lehrjahr Thorild von Bothmer und Sonja Pardey herumgeführt und über den Schulneubau, Aufgaben der Mitarbeiter und die
verschiedenen Arbeitsfelder informiert. Außerdem gab es eine Power Point-Präsentation über die Gemeinde.
Ich selber fand diesen Tag sehr interessant und informativ, auch wenn ich ihn mir eigentlich ganz anders vorgestellt hatte. Aber es hat mir gefallen und es war eine sehr gute Möglichkeit, sich den Job mal anzugucken. Mir ist auch aufgefallen, dass viele Schüler
keine Frauenberufe genommen haben und dass viele Schülerinnen keine typischen Männerberufe gemacht haben. Zwar gab es auch viele, die einen untypischen Beruf ausprobiert haben, aber meist war dies kein Job, den die Schüler auch in der Zukunft machen würden oder sie sind nur mit den Eltern mitgegangen. Auch die Firmen und Unternehmen sind mir sehr positiv aufgefallen. Obwohl wir bei den meis-ten Firmen unangekündigt aufgetaucht sind, hat uns jeder freundlich und offen begrüßt und unterstützt.