ICE-Trasse durch die Wedemark

Die Bürgerinitiative Brelinger Berg hat ihr Logo aktualisiert und nennt sich jetzt Bergrettung 3.0.

Bürgerinitiative Brelinger Berg listet Raumwiderstände auf

Brelingen (awi). Die Bürgerinitiative Brelinger Berg ist eine Gruppe engagierter Wedemärker Bürger, die sich schwerpunktmäßig dem Erhalt des Natur- und Naherholungsraums Brelinger Berg verschrieben hat. Vor einigen Jahren haben sich die Aktivisten, die sich als überparteiliche Initiative sehen, erfolgreich gegen eine Ausweitung des Kiesabbaus am Brelinger Berg und gegen die Suedlink-Stromtrasse quer durch die Wedemark engagiert. Jetzt wenden sie sich gegen die Planung der Bahn, eine ICE-Trasse durch die Wedemark zu bauen und haben Liste der sogenannten Raumwiderstände aufgestellt.Die geplante ICE-Strecke über den Brelinger Berg, durch das Bissendorfer Moor und damit durch die Hannoversche Moorgeest widerspreche dem Bündelungsgebot als Planungskriterium. Die Gemeinde Wedemark würde durch diesen ICE-Trassenverlauf, zusätzlich zur bestehenden Bahntrasse sowie der Autobahn 7, zum dritten Mal in Nord-Süd-Richtung zerschnitten. Eine massive Beeinträchtigung des Natur-, Kultur- und Verkehrsraumes Wedemark mit erheblichem Landschaftsverbrauch wäre die Folge, warnen die Hauptakteure Wolfgang Baustian, Georg Pfeiffer, Jochen Riediger und Norbert Juhnke von der Bürgerinitiative. Das stehe in direktem Widerspruch zu einer ökologisch begründeten Verkehrswende, die die Bürgerinitiative ausdrücklich nicht ablehnt. Der ermittelte ICE-Trassenkorridor durch die Wedemark sei jedoch ungeeignet und zu verwerfen.
Zahlreiche erhebliche Raumwiderstände stehen dem geplanten Trassenkorridor im Gebiet der Gemeinde Wedemark entgegen:
• Der Brelinger Berg stellt als natur- und kulturhistorisch bedeutsame eiszeitliche Landschaft (Endmoräne) die höchste Erhebung im nördlichen Teil der Region Hannover dar. Eine ICE-Trasse durch dieses Gebiet würde den Naturraum Brelinger Berg mit seinem ausgedehnten Waldgebiet nachhaltig schädigen.
• Der Brelinger Berg ist ein Vorranggebiet für ruhige Erholung gem. Regionalem Raumordnungsprogramm (RROP) der Region Hannover und hat aktuell eine sehr hohe Bedeutung für die Naherholung im Norden des Ballungsraumes Hannover: Wandern/Spazierengehen, unter anderem auf dem geologischen Lehrpfad, Freizeitreiten, Mountainbiken etc. sind beliebte Aktivitäten zu Freizeit, Erholung und Umweltpädagogik.
• Der geplante ICE-Trassenkorridor zerschneidet das Landschaftsschutzgebiet Brelinger Berge (H9).
• Im Rahmen des EU-Programms zur Förderung im ländlichen Raum Niedersachsen/Bremen „PROFIL 2007-2013“ wurden im Brelinger Berg in erheblichem Umfang Maßnahmen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung und zur Entwicklung naturnaher Laubwaldbestände (Unterpflanzung) durchgeführt. Durch die für eine ICE-Trasse erforderlichen Rodungen würde das vom Land Niedersachsen initiierte und von der EU finanzierte Projekt ad absurdum geführt.
Weiterhin würden Rodungen im Trassenbereich eine Waldumwandlung nach § 8 NWaldLG auslösen, für die umfangreiche Ersatzaufforstungen erforderlich wären. Dafür geeignete (landwirtschaftliche) Flächen stehen wegen Flächenknappheit nicht zur Verfügung.
• Teilflächen des Brelinger Berges – insbesondere im Bereich des Totbruches – weisen eine besondere avifaunistische Bedeutung auf: Wachtelkönig und Uhu als Brutvögel, Kranichtrupps als Rastvögel und Weißstorch als regelmäßiger Nahrungsgast.
• Die „Rieselmoorwiese“ mit Orchideenvorkommen (ND-H 177) ist als flächiges Naturdenkmal ausgewiesen.
• Die „Nasswiese“ (ND-H 078) ist als Naturdenkmal ausgewiesen.
• Die „Magerwiese in Brelingen“ (ND-H 179) ist als Naturdenkmal ausgewiesen.
• Die Naturschutzgebiete der Hannoverschen Moorgeest gehören als FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) zum europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000. Betroffen sind die FFH-Gebiete DE 3423-331 „Helstorfer, Otternhagener und Schwarzes Moor“ und DE 3424-301 „Bissendorfer Moor“. Eine Beeinträchtigung der Erhaltungsziele ist naturschutzrechtlich (§ 33 BNatSchG) zwingend zu vermeiden.
• Derzeit werden EU-Fördermittel („LIFE+“) in einer Größenordnung von 10 Mio. € in das Projektgebiet Hannoversche Moorgeest zur Erhaltung und Entwicklung der Moorlebensräume investiert. Ein ICE-Trassenkorridor zwischen den hydrologisch und als Biotopverbund in Verbindung stehenden Mooren ist mit den Erhaltungs- und Projektzielen unvereinbar.
• Teilflächen der Hannoverschen Moorgeest zählen zu den „für Brutvögel wertvollen Bereichen“ in Niedersachsen mit landesweiter, regionaler oder lokaler Bedeutung.
• Die Moorflächen gehören zur Gebietskulisse des Niedersächsischen Moorschutzprogramms.
• Der Landschaftraum „Große Heide“ zwischen Negenborn, Brelingen, Wiechendorf und Resse stellt derzeit einen von größeren Infrastruktureinrichtungen freien, unzerschnittenen Raum dar. Eine Ausweisung als LSG – zusätzlich zum bestehenden LSG H36 Jürsenbach – ist beabsichtigt.
• Die „Große Heide“ stellt einen wichtigen Rast- und Nahrungsraum von Zugvögeln und Nahrungsgästen wie Kranichen dar, der direkt durchschnitten würde (Stellungnahme des NABUs, Regionalverband Hannover vom 15.12.2014).
• Teilflächen des Gebietes zählen zu den „für Brutvögel wertvollen Bereichen“ in Niedersachsen mit landesweiter, regionaler oder lokaler Bedeutung.
• Der Jürsenbach, der gequert werden müsste, ist Teil des Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystems.
• Es existieren zahlreiche Lebensräume seltener Tierarten in der Wedemark: Weißstorchbrutpaare in Brelingen (Eichendamm) und Negenborn (Am Jürsenende), Kranichbrutpaare im Helstorfer Moor, im Schwarzen Moor, im Otternhagener Moor (sogar Lebensraum im Winter), Uhubrutpaar im Brelinger Berg, Schwarzstorch, Fischadler und mehr (Stellungnahme des NABUs, Regionalverband Hannover vom 15.12.2014).
• Betroffen sind außer den LSG H009 Brelinger Berge und H036 Jürsenbach in der Wedemark auch die Landschaftsschutzgebiete H063 Ellernbruch und H55 Blankes Moor.
• Es sind zahlreiche gesetzlich geschützte Biotope (§ 30 BNatSchG) im Bereich des ICE-Trassenkorridors vorhanden.
Die Bürgerinitiative richtet sich mit ihrem Protest ausdrücklich nicht generell gegen eine ökologisch begründete Verkehrswende, sondern sie fordert, dass die Planung des ICE-Trassenverlaufs verantwortungsvoll und mit Augenmaß durchgeführt wird. Nach Überzeugung der Aktivisten bedeutet dies, dass mögliche ICE-Trassenverläufe so sozial- und umweltverträglich wie möglich geplant werden und alle Varianten nach denselben, für alle transparenten und nachvollziehbaren Planungskriterien geprüft und bewertet werden müssen. Einen weiteren Landschaftsverbrauch gilt es auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. „Bestandsstreckenausbau ja, Neubau durch die Wedemark nein!“ muss nach Ansicht der Bürgerinitiative Brelinger Berg der Planungsgrundsatz lauten. Die Bürgerinitiative ruft die Wedemärker, denen Naturerhalt, Landschaftsbild und Naherholungswert wichtig sind, auf, sich am Widerstand gegen eine ICE-Trasse durch die Wedemark zu beteiligen. Weitere Infos gibt es auf der Homepage der Bürgerinitiative: www.bi-brelinger-berg.de / Kontakt: info@bi-brelinger-berg.de.