„Ich bin immer noch verschossen“

Der stellvertretende Bürgermeister Helge Zychlinski gratulierte Luise und Hans Hillmann aus Berkhof am Donnerstag zur diamantenen Hochzeit und überreichte einen Bildband mit Fotos aus der Wedemark. Foto: A. Wiese

Luise und Hans Hillmann feierten diamantene Hochzeit

Berkhof (awi). „Ich bin immer noch verschossen in meine Frau. Ich kann es nicht besser haben“, sagt der 87-jährige Hans Hillmann und schaut seine ein Jahr jüngere Frau dabei liebevoll an. Das rüstige Ehepaar aus dem Krügerweg in Berkhof feierte am Donnerstag das Fest der diamantenen Hochzeit und begrüßte am Vormittag zahlreiche Gratulanten, unter anderem der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Wedemark, Helge Zychlinski, Pastor Joachim Schnell und Vertreter anderer Vereine und Institutionen aus dem Ort.
Die weitgereistesten Gäste jedoch waren die in Ägypten lebende Tochter und die beiden Enkelkinder. Der Sohn hatte aus Lindwedel nicht eine ganz so weite Anreise. Dass die Tochter mit ihrer Familie in Ägypten lebt, hat für Hans Hillmann eine ganz besondere Bedeutung: In diesem Land war er selbst während des Krieges in englischer Gefangenschaft. „Dort habe ich das Teekochen gelernt“, schmunzelt er. Geboren wurde der Sohn eines Briefträgers in Geiglitz in Hinterpommern. Aufgewachsen ist er in Berlin. Im 17. Lebensjahr wurde der gelernte Schriftsetzer zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, wurde dann Soldat. „Neun Monate Russ-land, dreimal verwundet, in Italien in Gefangenschaft gekommen, bis 1948 – man hat mich meiner Jugend beraubt, sagt Hans Hillmann ernst. Als einer der letzten im September 1948 entlassen, schlug sich Hillmann nach Plumhof durch, wo, wie er wusste, seine Eltern bei einem Bauern untergekommen waren. Und hier, im kleinen Plumhof, traf er seine zukünftige Frau. An den Moment, wo er sie zum ersten Mal gesehen hat, kann sich der rüstige Senior mit dem verschmitzten Lächeln noch ganz genau erinnern: „Ich war zum Bauern Behrmann im Dorf geschickt worden, um einen Kürbis zu bezahlen. Als ich in die gute Stube kam, saß meine zukünftige Madam am Ofen, kein Wort hat sie gesagt, aber mir hat sie gleich gefallen.“
Luise Hillmann ist bei Grünfeld in der Ukraine als Tochter eines Landarbeiters geboren. Ihr Vater wurde 1938 verschleppt, sie kam mit ihrer Mutter und vier Geschwis-tern 1942 mit einem Flüchtlingstreck zunächst ins Warthegau in Polen, besuchte dort eine Landwirtschaftsschule und wurde im Oktober 1944 nach Hannover geschickt. Beim Bauern Behrmann in Plumhof bekam die Schülerin dann eine Lehrstelle und blieb dort, weil die Kriegswirren eine Rückkehr zu ihrer Familie unmöglich machten. Dreieinhalb Jahre später kam auch Hans Hillmann nach Plumhof und es gab jene „schicksalhafte Begegnung“. Hans Hillmann fand jetzt immer wieder einen Grund, beim Bauern Behrmann vorbeizuschauen und als seine Eltern dort in der Küche Sirup kochen durften, erbot sich Luise, den Kessel sauberzumachen. „Das hat mich endgültig für sie eingenommen“, schmunzelt er. Anfang 1951 wurde Verlobung gefeiert, am 13. Oktober 1951 wurde standesamtlich geheiratet. „Sonst hätten wir keine Wohnung zugewiesen bekommen. So erhielten wir zwei Zimmer beim Bauern Behrmann. Und zur Hochzeit hat er für uns ein Schwein geschlachtet“, erinnern sich die Jubilare. Kirchlich geheiratet wurde dann im Januar in der Elzer Kapelle. Der Sohn wurde 1951 geboren, zwei Jahre später zog das junge Paar nach Oegenbostel – hier wurde 1962 auch die Tochter geboren – und lebte dort, bis sie 1970 das Haus im Krügerweg in Berkhof kauften, auf das sie eisern gespart hatten. Hans Hillmann arbeitete in Hannover als Schriftsetzer, wechselte später zu Madsack und war dort Korrektor, bis er mit 63 Jahren in den Ruhestand ging. Haus und Garten, die sie heute noch ganz allein versorgen, sind der Lebensinhalt von Hans und Luise Hillmann. Und beide lesen auch sehr gerne. Ein bisschen gereist sind sie, an die Ostsee und nach Südtirol, aber am schönsten war es immer zuhause. Hans Hillmann war in Oegenbos-tel mal eine Periode im Gemein-
derat: „Per Akklamation, Parteien hatten wir in Oegenbostel nicht.“ In Berkhof ist er förderndes Mitglied in der Feuerwehr. Seiner Frau hilft er im Haus, wo er kann: „Ich sehe nicht ein, warum meine Frau alles alleine machen soll!“ Diese Einstellung hat ganz bestimmt auch das Ihre zum Gelingen dieser langjährigen Ehe beigetragen, aber gesteht auch mit einem Augenzwinkern: „Auf ihre sanfte Art hat sie das Sagen, wir gleichen uns vom Temperament her aus. Und ich hab ihr vom ersten Tag an gesagt, was ich verdiene. Das tut doch heute auch keiner mehr!“