„Ich, meine WG und die CIA“

René van Roll lieferte eine fantastische Vorstellung. Foto: A. Wiese

René van Roll sang für Menschen mit Handicap und Normalos

Brelingen (awi). Ob der Satz „Diejenigen, die am häufigsten über sich selbst lachen können, werden am ehesten ernst genommen“ ein Dogma ist, darüber lässt sich streiten. Aber auf René van Roll, den Musikkabarettisten im Rollstuhl, trifft er auf jeden Fall zu. Sie nahmen ihn ernst, die Besucher der Veranstaltung am Samstagabend in der Brelinger Mitte.
Und weil sie ihn ernst nahmen, lachten sie mit ihm und nicht über ihn, als er sich selbst und seine Behinderung mit seinem neuen Programm „Ich, meine WG und die CIA“ auf die Schippe nahm und sein Publikum damit auch gleichzeitig zum Nachdenken zwang: Darf der Rollstuhlfahrer sich in die sportliche Sylvia aus seiner WG verlieben und wütend mit dem Baseballschläger ihre Zimmereinrichtung ruinieren, als er herausfindet, dass sie einen Freund hat? Der Zuhörer ist hin und her gerissen zwischen ehrlichem Mitleid und dem Besserwisserischen „Das hätte dir doch klar sein müssen!“ Hätte es? Und wenn, hätten sich die Gefühle von der Ratio beeinflussen lassen? All das schießt einem durch den Kopf, während René van Roll nur mit der Kraft seiner Arme in geradezu halsbrecherischem Tempo auf der Bühne herumwirbelt, Klavier spielt, singt und schreit und dabei mit jedem Ton klar macht: „Menschen mit Handicap sind ganz besondere Menschen.“ Der Arbeitskreis für die Integration von Menschen mit Behinderungen in der Wedemark hatte zusammen mit der Gemeinde und dem Kulturverein Brelinger Mitte eingeladen. Michael Wilken vom Arbeitskreis begrüßte die Besucher in der Brelinger Mitte mit einem Rückblick. „René van Rolls erster Auftritt als Musikkabarettist fand im April 2008 mit dem Bühnenprogramm ,Der will nur spielen – Musikkabarett von Menschen und anderen Behinderungen‘ statt“, so Wilken. Diese Formulierung treffe den Nagel auf den Kopf und beschreibe auch die Ziele des Arbeitskreises: Es gehe nicht nur um barrierefreie Einrichtungen, sondern darum, die Barrieren in den Köpfen zu überwinden, so dass eine Behinderung letztlich irrelevant für das Miteinander in der Gemeinde werde. Und dazu gehöre auch die Fähigkeit, gelegentlich mal hemmungslos über sich selber lachen zu können!