Im Pflegebereich fehlt das Fachpersonal

Editha Lorberg und Marion Müller-Huth im Gespräch mit Ruth Pilarski aus Gailhof, die jeden Tag zur Tagespflege nach Bissendorf kommt, und Christa Wien. Foto: A. Wiese

CDU-Landtagsabgeordnete Editha Lorberg besuchte Tagespflege Wien

Bissendorf (awi). Im Pflegebereich fehlt das Fachpersonal. Das war die Kernaussage, die die CDU-Landtagsabgeordnete Editha Lorberg bei ihrem Besuch in der Tagespflege Wien am Montag mit auf den Weg bekam. Christa Wien nutzte den von der Frauen Union Wedemark organisierten Besuch der Abgeordneten, um sich Luft zu verschaffen: „Ich habe meinen ambulanten Pflegedienst schließen müssen, weil ich kein Personal mehr bekommen habe. In Hannover ist es noch einfach, examinierte Pflegekräfte zu bekommen als hier auf dem Land. Ich dachte immer, das Wichtigste sei, Qualität zu bieten, aber ganz offensichtlich reicht das nicht aus." Auch eine andere Position vertrat Christa Wien klar: „Ich bin gegen Geldleistungen. Auch wenn Pflegegeld gezahlt wird, wird die Pflege reduziert." Das Geld sei für den Pflegebedürftigen gedacht. Da komme es aber nicht an. Die Inhaberin der Tagespflege beklagt zudem die „extremen bürokratischen Auflagen", die vom Gesetzgeber vorgeschrieben würden. Die Pflegekräfte seien ständig nur mit Dokumentieren beschäftigt, Zeit, die sie eigentlich dringend für die Pflege selbst bräuchten. „So wird das System bald zusammenbrechen", prophezeite Wien Editha Lorberg und ihren Begleiterinnen Marion Müller-Huth, Susanne Kopp, Karen Drews und Marion Brüggemann-Behnke. Von politischer Willkür könne keine Rede sein, hielt die CDU-Landtagsabgeordnete dagegen. Die Probleme, vor denen man jetzt stehe, seien dem gesellschaftlichen Wandel geschadet. Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass die Frauen die Älteren in der Familie betreuten. Heute arbeiteten die Frauen selbst. Die anfallenden Kosten für die Pflege von außen könne der Staat über die Pflegeversicherung nicht abdecken. „Wir müssen unsere Älteren so lange wie möglich fit halten und begrüßen, dass die Zeitspanne des Alterns immer länger wird", stellte Lorberg fest. Stationäre Pflege dürfe möglichst erst dann greifen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Dazu bedürfe es aber dringend einer anderen Ausbildung und Qualifikation der Pflegekräfte. Es gebe schwarze Schafe, die gern Geld nähmen, aber nicht vernünftig pflegten. Dennoch sehe sie die Situation nicht so dramatisch wie Christa Wien, erklärte Lorberg. Die Gesellschaft entwickele sich in die Richtung, mehr Verantwortung aus dem häuslichen Bereich an Einrichtungen abzugeben. Viele Menschen scheuten den Kontakt mit Älteren, weil sie es von Zuhause her nicht mehr kennen würden. Und so bleibe trotz vieler gut gemeinter Aktionen eine Distanz bestehen. Auf diese gesellschaftliche Entwicklung könne die Politik keinen Einfluss nehmen. Was die Bereitschaft zur Ausbildung im Pflegebereich betreffe, habe die Landesregierung bereits reagiert, indem sie das Schulgeld für die Altenpflegeschule erlassen habe. „Das Problem ist, man muss zu diesem Beruf berufen sein, sonst halten Sie das nicht aus“, brachte es Christa Wien auf den Punkt. Einig waren sich die Besucherinnen darin, dass die Bezahlung im Pflegeberuf auf jeden Fall besser sein müsste, um den Beruf attraktiver zu machen.
Anschließend nutzte Editha Lorberg die Gelegenheit, sich mit den Teilnehmern an der Tagespflege zu unterhalten.