Im Stadtpark plastikfrei Gassi gehen

Die neuen Hundekotbeutelspender im Stadtpark, noch unbeschriftet.
 
Viele rätseln bereits: Was wird das?

In Langenhagen startet Pilotprojekt Hundekotbeutel aus Papier

Langenhagen (awi/r). Eigentlich sollte die Kommunikation für das neue Langenhagener Pilotprojekt "Hundekotbeutel aus Papier" erst am 25. Oktober starten. Doch tatsächlich kommt es auch bei öffentlichen Vorhaben mal vor, dass Dinge schneller gehen als geplant. Denn die neuen grauen Kästen für die Papierkotbeutel sind im Stadtpark schon aufgestellt, wenn auch noch nicht bestückt. Und schon bei Facebook eine interessante Diskussion um die grauen Kästen im Gange und die Stadt muss schneller reagieren als geplant. Um schnell Klärung zu schaffen und damit die Langenhagener nicht zu lange rätseln, startete Anika Stegmaier von der Freiwilligenagentur in den vergangenen Tagen eine Aktion auf Facebook, gab kleine Hinweise und verwies auf die Artikel in den Printmedien.
Mehrweg statt Einweg, Obst- und Gemüsenetze statt Plastikbeutel, Stofftasche statt Plastiktüte – es gibt viele Möglichkeiten, auf Plastik zu verzichten. Auch bei Hundekotbeuteln gibt es eine nachhaltige Alternative. Im Stadtpark startet ein Pilotprojekt für Hundekotbeutel aus Papier.
In Zusammenarbeit mit dem Startup-Unternehmer Christian Salzmann aus Hannover und seinem Projekt „ThePooPick“ bietet die Stadt Langenhagen eine hundertprozentige ökologische Alternative zum bekannten Plastikbeutel. Alle Hundebesitzer sind aufgerufen, diese plastikfreie und nachhaltige Möglichkeit zu testen. Zwei Hundekotbeutelspender stehen dafür ab 25. Oktober im Stadtpark bereit. Einfach einen Poopick „ziehen“, zusammenfalten und ohne Berührung des Hundekots Gassi gehen. Am Ende kommt der Poopick wie die Plastiktüten in die Restmülltonne. Hundekot sollte immer regulär entsorgt und verbrannt werden. Dies liegt unter anderem an der potentiellen Keimbelastung. „Aufgrund der reinen Biomasse, aus welcher der PooPick besteht, findet die Verbrennung jedoch klimaneutral statt“, so Christian Salzmann. „D.h. wer mit dem PooPick Gassi geht, leistet seinen Beitrag in diesem Bereich zu den allgemeinen Klimaschutzzielen“.
„Es braucht etwas Übung und ist auch bei den ersten Malen ungewohnt, sagt Hundebesitzerin Michaela Reinhardt, aber mittlerweile bin ich ein richtiger Poopick-Fan“. Michaela Reinhardt testete wie andere ausgewählte Hundebesitzer vorab die Poopicks. Der Stadt Langenhagen ist es wichtig, eine umweltfreundliche Alternative zu den bisherigen Plastiktüten den Bürgern schmackhaft zu machen. Bei den Poopicks werden ausschließlich vorhandene Ressourcen genutzt, diese weichen nicht durch und sind frei von Plastik und Erdöl.
In Deutschland gibt über 10 Millionen Hunde, welche im Schnitt zweimal pro Tag "groß" müssen. In Langenhagen sind derzeit 2.926 Hunde registriert. Für die bisherige Entsorgung des Hundekots werden pro Tag deutschlandweit ca. 15 Mio. Plastiktüten verwendet. Der PooPick wird in Deutschland gefertigt und in einer sozialen Einrichtung gefaltet. Im Gegensatz zu Bio-Plastik werden weder Lebensmittel noch Erdöl bei der Herstellung verwendet. Der Hundekotbeutel besteht zu 70% aus Recycling Papier und zu 30% aus Möbelresten. Mit dem PooPick unterstützt die Stadt Langenhagen Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer mit einer ökologischen Möglichkeit um plastikfrei Gassi zu gehen.
Hundebesitzer sind per Strafe verpflichtet, Hundekot aufzunehmen und zu entsorgen (denn Hundekot kann Parasiten oder Krankheitserreger enthalten, die nicht nur für Hunde, sondern auch für Erwachsende und Kinder gesundheitsschädlich sind). Selbst wenn dies ordnungsgemäß jedoch per Plastiktüte erledigt wird, ist dies leider nicht gut für die Umwelt.
Für eine Plastiktüte werden bis zu 50ml Erdöl und ein Chemiegemisch verwendet. Nicht nur, dass eine begrenzte Ressource (Erdöl) mit hohem Aufwand der Erde entzogen wird, sondern durch die Verbrennung von Erdöl wird ein fossiler Energieträger verbrannt. So wird eine große Menge an CO2 freigesetzt, was den Treibhauseffekt ankurbelt und zur Erderwärmung beiträgt. Seit einigen Jahren gibt es die sogenannte Bio-Plastiktüte. Diese enthält einen Anteil annachwachsenden Rohstoffen und somit weniger Erdöl. Ein erster guter Ansatz, aber wenn
man genauer hinschaut, dann ist dies auch nur eine Plastiktüte light.
Denn die nachwachsenden Rohstoffe, welche meist aus Mais oder Zuckerrüben kommen, haben oftmals nur einen sehr geringen Anteil an der gesamten Tüte.
Abgesehen davon, dass diese nachwachsenden Rohstoffe Ackerfläche belegen, d.h. hier
kein Essen angebaut werden kann und große Mengen Wasser zur Bewirtschaftung benötigt
werden, bedeutet es eben auch, dass der Rest der Tüte trotzdem aus Erdöl und Chemie
bestehen kann.
Die Lösung: Der PooPick ist komplett plastikfrei und nachhaltig. Der PooPick besteht vollständig aus Papier, davon 70 Prozent Recycling-Papier und die restlichen 30 Prozent sind aus den Resten der Möbelindustrie. Das ist sehr gut für die Ökobilanz. Für den PooPick muss auch kein Baum gefällt werden, da der PooPick als reine Biomasse klimaneutral verbrannt wird. Der PooPick wird in Deutschland produziert und von Menschen mit Behinderung
per Hand gefaltet und versendet. Somit unterstützt jeder Erwerb, jede Nutzung des PooPicks nicht nur die Natur und die Zukunft, sondern auch Menschen mit Behinderung bei der Inklusion in die Arbeitswelt.
Bereits bei der Verpackung wurde ganzheitlich gedacht, so dient der Wandspender, welcher 25 PooPicks enthält, bereits als Versandkarton. Unnötige Füllmaterialien oder zusätzliches Versandmaterial konnten so auch eingespart werden. Weiterhin besteht der marginale Anteil des Klebers aus Kartoffelstärke, weshalb der PooPick auch ein veganes Produkt ist.