Im Winter herrscht (fast) Flugverbot

Walter Dumann züchtet seit 60 Jahren erfolgreich Brieftauben. Foto: B. Stache

Brieftaubenzüchter Walter Dumann gibt Einblicke

Oegenbostel (st). Man nennt sie auch „Rennpferde des kleinen Mannes“ und meint Brieftauben, die heute überwiegend für Flugwettbewerbe gehalten und gezüchtet werden. Der 75-jährige Walter Dumann aus Oegenbostel ist seit 60 Jahren ein erfolgreicher, häufig prämierter Brieftaubenzüchter und Vorsitzender des 1966 gegründeten Vereins „Reisetaube Elze“. In seinem Taubenschlag hält Walter Dumann etwa 80 Tauben zu Zuchtzwecken und für Wettbewerbe, je zur Hälfte männliche und weibliche Tiere. Früher dienten die Brieftauben der Nachrichtenübermittlung. Sie waren vor der Erfindung des Telegraphen praktisch die einzige Möglichkeit, Texte und vor allem militärische Informationen schneller zu übermitteln als durch einen Reiter. Heute haben Brieftaubenzüchter wie Walter Dumann ganz anderes mit ihren Tieren im Sinn: Eine gute Zucht und Erfolge bei Flugwettbewerben stehen im Vordergrund ihrer täglichen Arbeit im Taubenschlag. Die Züchter schließen sich in Brieftaubenzuchtvereinen zusammen, welche wiederum Reisevereinigungen bilden, die den eigentlichen Wettbewerb durchführen. Dachorganisation des Brieftaubensports in Deutschland ist der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e. V. mit Sitz in Essen. Um Botschaften zu transportieren, muss eine Brieftaube von ihrem Heimatschlag an den geplanten „Auflassort“ gebracht werden. Bei den heutigen Wettbewerben transportiert ein Speziallastwagen die Tauben zu einem etwa 100 bis 1000 Kilometer vom Heimatort entfernten „Auflassplatz“, von wo sie ihren Heimflug antreten, wenn die Witterungsverhältnisse dies erlauben. Die Ankunftszeiten der einzelnen Tiere im heimatlichen Taubenschlag werden elektronisch erfasst. Nach dem Wettflug kommen die Daten zur Auswertung und Erstellung der Ergebnisliste in ein Rechenzentrum. Die Identifikation der einzelnen Taube geschieht hierbei mittels eines geschlossenen Nummernringes, der ihr für gewöhnlich in der zweiten Lebenswoche am rechten Fuß aufgezogen wird und dort ein Leben lang verbleibt. Die Farben der Ringe wechseln jedes Jahr. Verirrte Brieftauben können so mit Hilfe dieser Fußringnummer sogar „online“ gemeldet werden. In der Regel tragen Brieftauben zusätzlich auch am linken Fuß einen elektronischen Ring mit der Telefonnummer des Eigentümers. Was aber veranlasst die Brieftauben des passionierten Züchters aus Oegenbostel zum schnellen Flug von 1000 bis 1800 m/Min. und Rückkehr in den heimischen Taubenschlag – mitunter über viele hunderte Kilometer? Es ist die Sehnsucht der Tiere nach ihrem zu Hause! In der Ferne ausgesetzt kennen sie dann nur noch ein Ziel: den heimatlichen Schlag. Und dort erwartet sie Walter Dumann sehnsüchtig. „Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wenn die erste Taube von einem Wettbewerb zurückkommt“, erklärt der erfahrene Taubenzüchter, der nie sicher sagen kann, welche seiner aufgelassenen Brieftauben als erste im heimischen Schlag ankommt.