In diesem Jahr als Spiel ohne Grenzen

Alt und Jung feiern seit vielen Jahren das Stoffelfest in der Christophoruskirchengemeinde gemeinsam. Archivfoto: A. Wiese

„Die Bezeichnung Stoffel ist eigentlich eine Auszeichnung“

Bissendorf-Wietze. Vielleicht schon das 40. Stoffelfest feiert die Christophoruskirche in Bissendorf-Wietze an diesem Wochenende. Vielleicht, weil das erste Stoffelfest sicher mit Pastor Martin Ruhfus in den siebziger Jahren gefeiert wurde. Nur ist die genaue Jahreszahl dazu in den Tiefen der Chronik verschwunden, bedauert Pastor Thomas Hirschberg. Das tue der guten Sache aber keinen Abbruch: Das Stoffelfest ist eine feste Größe im Gemeindeleben der Kirche an der Wietze, wie im dortigen Ortsteil. „Das zweite Wochenende nach den Sommerferien ist bei vielen Menschen fest im Kalender eingeschrieben!“, erzählt der Pas-tor. „Spiel, Spaß und Begegnung um unsere Kirche im Chris-tophorus-Kirchweg ziehen Jung und Alt an.“ Dabei zeigen die Aktiven immer wieder viel Phantasie und Einsatz: Je nach Jahr gibt es mitunter auch ein Leitmotiv. Mozart stand ebenso schon im Mittelpunkt wie Hans-Christian Andersen. Aber unanhängig davon: Spielaktionen und Gelegenheiten zum Klönen, der Flohmarkt und Gruppen, die sich vorstellen prägen das Stoffelfest. In diesem Jahr wird es zum Spiel ohne Grenzen: Geschicklichkeit, schnelles Auge und ruhige Hände sind bei den Spielstationen gefragt. Der Himmel wird sich in den Seifenblasen des Kindergartens spiegeln, freuen sich die Organisatoren.
Vorstellen wird sich die Tipp-Kick Initiative „UC Traktor Wedemark“, die ihren Traingsort in den Räumen der Kirche gefunden hat. Mit dabei sind auch der Eltern-Kind-Treff. Eine besondere Einladung gilt den Kindern, die auf einem Flohmarkt von Kindern für Kinder nicht mehr gebrauchte Spielzeuge, Bücher und andere Dinge anbieten können. Daneben gibt es auch wieder den Flohmarkt im Foyer, auf dem nützliche, inte-ressante und seltene Dinge angeboten werden. Nicht zuletzt lädt die Kaffeestube zum Verweilen ein, während auf dem Kirchplatz manch guter Tropfen im Angebot ist. Am Sonntag feiert die Gemeinde um 10.45 Uhr den Gottesdienst zum Stoffelfest, in dem die Konfirmandinnen und Konfirmanden des neuen Kurses begrüßt werden.
Im Anschluss an den Gottesdienst schließt das Stoffelfest beim Mittagessen im Gemeindezentrum.
Seit 45 Jahren prägt die Christophorus-Kirche das Wohngebiet an der Wietze mit. Aus der Intiative von Gemeindemitgliedern gewachsen ist sie eine feste Größe im Gemeindeleben. Dazu gehören zuerst die Gottesdienste: regelmäßig am ersten und am dritten Sonntag im Monat, oft mit einem besonderen Aspekt wie Tauferinnerung, silberne Konfirmation wie Konfirmation überhaupt, Frauensonntag, Bittgottesdienst für den Frieden, Erinnerung an Verstorbene. Ins Gemeindeleben gehören aber auch Angebote für Kinder und Senioren, die Feste wie das Stoffelfest im Sommer und auch der kreative Adventsnachmittag „spüren&gestalten“. In Zusammenarbeit mit dem Seniorenheim Waldgarten und der Jugendfeuerwehr Bissendorf feiert die Kirche den Martinstag im November. Und fast so lange wie zum Stoffelfest lädt die Kirche auch am Buß- und Bettag zu Impuls und Gespräch ein. In diesem Jahr wird Peter von Sassen die Antarktis in die Christophoruskirche bringen. Seit sieben Jahren ist auch Kino im Angebot: In den sieben Wochen vor Ostern öffnen sich die Türen zum Mittwochsfilm.
Die Christophoruskirche versteht sich als Kirche im Ort und vor Ort. Und sie bietet vele Möglichkeiten zum Mittun. Einmal im Monat trifft sich der Christophorusbeirat und berät und plant das Gemeindeleben. „Wir unterstützen das Gemeindeleben gerne auch über den unmittelbaren kirchlichen Rahmen hinaus“, sagt Pastor Thomas Hirschberg. „Im jüngsten Ortsteil der Wedemark stehen wir mit unseren Möglichkeiten gerne helfend zur Verfügung. So wird unser Gemeinderaum im September zum Wahllokal für die Bundestagswahl.“ Aber wie in anderen Bereichen auch, hängt die Zukunft der Kirche am Mittun und Mitwirken, auch an den Menschen, die sich durch ihre Mitgliedschaft engagieren. Zur Zeit sind es rund 1.000 Menschen, für die der Achteckbau Heimatkirche ist. „Und das, was wir tun und wofür wir da sind, ist ein gutes Argument dazu, mit dabei zu sein“, sagt Thomas Hirschberg.
„Ich musste auch erst einmal nachfragen“, gibt der Geistliche zu. Als er an der Kirche im Wietze-Gebiet anfing, war ihm der Begriff „Stoffel“ noch eher im landläufigen Sinn bekannt: Als einer, der sich im Leben nicht ganz so geschickt anstellt. Aber vollkommen verkehrt, zumal sich die Ehrenamtlichen hier mit großen Geschick einbringen. „Stoffel ist die Koseform von Christophorus, dem Namensgebener der Kirche.“, so Hirschberg weiter.
Die Geschichte von Christophorus erzählt, dass er groß und stark war und lange nach einem gesucht hat, der größer und stärker wäre als er: aber weder der König noch der Teufel konnten ihn für sich gewinnen. Auf seiner letzten Reisestation wurde er zum Träger durch einen Fluss. Als eines Tages ein Kind am Ufer steht und hinüber möchte, denkt er zuerst: Ein so kleines Kind, das wird leicht. Aber auf dem Weg zum anderen Ufer wird es immer schwerer – und zeigt sich ihm am Ende als Christus: Du hast mich und die ganze Welt getragen. Du bist der Christusträger, eben Christophorus. „So gesehen, ist Stoffel eigentlich eine Auszeichnung“, findet Pastor Thomas Hirschberg.