Indianerhilfe: Wenn Bildung leben rettet

Mit Infoveranstaltungen am 15. Juni in Brelingen und am 16. Juni in Bissendorf wollen sie auf die Missstände in Paraguay aufmerksam machen: Pfarrer Stefan Hesse (von links) sowie Roland Dannert, Georg Müller und Gerold Buhl vom Indianerhilfeverein. Foto: S. Birkner

Informationstreffen am 15. und 16. Juni in Brelingen und Bissendorf

Mellendorf (sb). Wenn Lehrer ihren Schülern hierzulande einbläuen, Bildung sei lebenswichtig, ist das im Grunde nicht mehr als eine gut gemeinte Übertreibung. Für indianische Kinder in Paraguay hat Bildung hingegen einen im wahrsten Sinne des Wortes exis-
tenziellen Stellenwert. Seit Jahrzehnten kämpft der Indianerhilfeverein dafür, neben Ernährung und Gesundheit besonders die Bildung sozial benachteiligter Stämme zu verbessern. Mit zwei Informationsveranstaltungen in der Wedemark möchten die Ehrenamtlichen nun auf die Missstände in Paraguay aufmerksam machen. Dazu sind Termine am Freitag, 15. Juni, um 19 Uhr in der Brelinger Mitte und am Sonnabend, 16. Juni, um 16 Uhr im Bissendorfer Bürgerhaus geplant. Die diskriminierten Ureinwohner Paraguays können sich in der Not nicht auf den einspringenden Sozialstaat verlassen. Fehlt ihnen aufgrund defizitärer Bildung grundlegendes Wissen zu Ackerbau, Vieh- und Schweinezucht, gelingt ihnen meist nicht einmal die Sicherstellung der Nahrungsversorgung. Ihre eigenen Lebensgrundlagen und die ihrer Familie sind deshalb häufig bedroht. Eine vor zwölf Jahren gegründete Landwirtschaftsschule wirkt dem zumindest notdürftig entgegen. Dort wird neben der praktischen Agrarausbildung auch ein Schwerpunkt auf theoretisches Wissen gesetzt. Obwohl die Schule ihren 60 Schülern zumindest die grundlegendsten Fähigkeiten vermitteln soll, fehlt es dort immer noch am Nötigsten. In Zusammenarbeit mit der Wedemärker St. Maria Immaculata-Kirchengemeinde hofft der Indianerhilfeverein deshalb, mit den Infoveranstaltungen ein neues Bewusstsein für die Missstände in dem südamerikanischen Land zu schaffen. Die unzureichende Ausstattung der Schule umfasst spartanische Lehrmittel und baufällige Gebäude“, berichtet Roland Danner. Er ist Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation und betont, dass die mangelhafte Ausstattung nicht den größten Mangel darstelle. „Ebenso wenig wie die Nahrungsmittelversorgung ist die Bezahlung des Anfahrtswegs und damit der Verbleib im Internat gewährleistet“, berichtet er. Mit dem Projekt „Hungrig auf Bildung“ sucht der Indianerhilfeverein nun also Spender, die den Kindern mittels Patenschaften den Abschluss ihrer Schulausbildung ermöglichen. Das Spendengeld soll dabei gezielt an die bedürftigsten unter ihnen weitergeleitet werden. Pfarrer Stefan Hesse verweist auf den geselligen Charakter der Infotreffen. „Wenn wir dabei Unterstützer finden, wäre das natürlich toll. In erster Linie möchten wir aber auf die Lebensverhältnisse in Paraguay hinweisen und sie den Menschen hierzulande zugänglichen machen“, meint er. Bei der lebendigen Situationsdarstellung mit aktuellen Fotos aus Südamerika wird auch ein Helfer zugegen sein, der die Patenschaft vor Ort im paraguyanischen Dschungel unterstützt. Schon der Betrag von 25 Euro, der auch von mehreren Spendern übernommen werden kann, reicht übrigens aus, um einem Schüler einen Monatsaufenthalt im Internat zu ermöglichen. „Direktere Hilfe zur Selbsthilfe kann kaum geleistet werden“, fasst Danner die Bedeutung des Projekts zusammen.