Info-Abend zum geplanten Bürgerwindpark

Helge Zychlinski (links) begrüßt die fast 100 Zuhörer beim Info-Abend im Bürgerhaus Bissendorf. Foto: B. Stache
 
Fritz Schröter (v. l. am Tisch sitzend), Heinrich Meyer, Dr. Ralf Kumpe, Dr. Carl Dohme, Georg Kohne jun., Heinz-Werner Reichenbach, Joachim Rose, Marcus Biermann und Helge Zychlinski am Rednerpult. Foto: B. Stache

Zychlinski: „Wir wollen die Wertschöpfung in der Wedemark halten“

Bissendorf (st). Helge Zychlinski hatte es am Mittwochabend im Bürgerhaus Bissendorf deutlich ausgesprochen: „Ein ganz wichtiges Ziel ist es, dass die Wertschöpfung aus der Windkraft hier in der Wedemark und in unserer Region verbleibt.“ Als Vorsitzender des Vereins Arbeitsgemeinschaft Windkraft Wedemark konnte Zychlinski fast 100 Zuhörer zur gut zweistündigen Info-Veranstaltung „Neue Perspektiven für die Windkraft in der Wedemark – der Weg zum Bürgerwindpark“ begrüßen. In Anwesenheit der weiteren Vorstandsmitglieder des Vereins, Fritz Schröter, Heinrich Meyer, Dr. Ralf Kumpe, Georg Kohne jun., Heinz-Werner Reichenbach, Joachim Rose, sowie Dr. Carl Dohme (beratender Jurist) stellte Zychlinski die Arbeitsgemeinschaft Windkraft Wedemark vor. Zugleich begrüßte er die beiden Gastredner Marcus Biermann vom Vorstand der NaturEnergie Region Hannover eG und Heinz-Werner Reichenbach, Geschäftsführer der WedeWind GmbH & Co. KG. Zychlinski trug zur Entwicklung der Windenergiegewinnung in der Wedemark vor: „In der Region Hannover dürfen – mit ganz wenigen Ausnahmen – nur dort Windräder entstehen, wo sie im sogenannten Regionalen Raumordnungsprogramm, das in etwa alle zehn Jahre aufgelegt wird, durch Vorranggebiete ausgewiesen sind.“ Auf der Grundlage des derzeitigen Raumordnungsprogramms 2005 ist ein Standort für Windkrafträder in der Wedemark festgeschrieben: zwischen Elze und Meitze stehen zwölf Anlagen, eine 13te ist genehmigt, erklärte Zychlinski. Da in der Wedemark keine weiteren Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen seien, werde es bis zum Inkrafttreten des neuen Regionalen Raumordnungsprogramms 2015 keine neuen Gebiete für Windräder geben, erklärte er: „Dies wird aller Voraussicht nach erst im Frühjahr 2016 beschlossen werden.“ Bis dahin wolle er sich mit seinem Verein dafür einsetzen, dass in der Wedemark an verträglichen Standorten das ein oder andere Vorranggebiet entstehen kann“. Um die Kräfte zu bündeln, solle ein Investment getätigt werden, das in der Wedemark realisiert wird „und nicht gesteuert wird von einem Unternehmen sonst irgendwo in Deutschland oder der Welt“. Zychlinski machte sich während der Veranstaltung immer wieder für die Wedemark stark: „Wir wollen die Regionalität betonen. Uns geht es darum, dass da, wo Belastung ist, dann auch der Profit an dieser Stelle bleibt.“ Marcus Biermann aus Eilvese stellte anschließend das Neustädter Genossenschaftsmodell vor, das sich dem Thema erneuerbare Energien widmet. Biermann hatte dazu im Jahr 2008 eine Genossenschaft mit heute mehr als 160 Mitgliedern gegründet. Die NaturEnergie Region Hannover eG betreibt mittlerweile 13 Photovoltaikanlagen, zwei Nahwärmenetze und begleitet aktiv das Bürgerwindpark-Projekt Eilvese. Es folgte der Bericht von Heinz-Werner Reichenbach über die Erfahrungen mit dem ersten Bürgerpark in der Wedemark, die WedeWind GmbH & Co. KG, die 1997 gegründet wurde. Er wies in seinem Vortrag auf den nachlassenden Wind seit den 90er Jahren hin. Hierdurch sei die prognostizierte Rendite von acht Prozent nach Steuern nicht zu erzielen. Derzeit erwartet Reichenbach eine Rendite nach 20 Jahren von 5 Prozent: „Aber auch da muss man ein Fragezeichen machen, denn wir wissen nicht, wie sich der Wind in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die aktuelle Entwicklung sieht nicht so gut aus.“ In der folgenden Fragestunde standen Zychlinski und die Gastredner den Bürgerinnen und Bürgern bereitwillig Rede und Antwort. Thematisiert wurden unter anderem die Gefährdung von Vögeln durch die Rotoren der Windräder, das gesicherte Einspeisen von Strom in entsprechende Netze, das Nutzen von Erfahrungen anderer, beispielsweise vom Bürgerwindpark-Projekt Eilvese, sowie technische Details zukünftiger Windkraftanlagen in der Wedemark. Frank Dollmann von enercity/Stadtwerke Hannover, die Mitglied im Verein Arbeitsgemeinschaft Windkraft Wedemark sind, wies als Zuhörer auf die teilweise fehlerhaften Prognosen für Windkrafterträge in der Vergangenheit hin. „Durch die neuen Anlagen mit einer Höhe von bis zu 200 Metern lassen sich heute bessere Ergebnisse erzielen“, erklärte er. Zum Abschluss des Info-Abends übergaben zahlreiche Teilnehmer dem Veranstalter ihre schriftliche Interessensbekundung zur Windkraft in der Wedemark und Gründung einer Energiegenossenschaft.