Initiative macht gegen „Höllenfeld“ mobil

Heute noch grüne Wiese, morgen Großparkplatz und übermorgen Hallenstandort? Die Pläne der Firma Sennheiser beunruhigen die Anlieger. Foto: A. Wiese

Im Ortsrat gibt es Informationen zum Sachstand – Sennheiser hat Teilnahme zugesagt

Wennebostel (awi). Kleines Dorf, große Aufregung: Die Erweiterungspläne der Firma Sennheiser, die auf dem bisherigen Parkplatz ein Innovationscampus bauen und auf der bisherigen grünen Wiese 420 Parkplätze anlegen will, beunruhigen die Bürger aus dem angrenzenden Neubaugebiet. Das wurde bereits in der letzten Ortsratssitzung Ende November klar. Bürgermeister Tjark Bartels bemüht sich persönlich um Vermittlung und hat nach eigenen Aussagen auch bereits einiges erreicht. In der Ortsratssitzung am nächsten Donnerstag, 24. Januar, um 20 Uhr im Gasthaus Bludau wird Andreas Sennheiser nun persönlich über die Pläne des Unternehmens berichten.
Die „Bürgerinitiative Höllenfeld“ habe sich am 19. Dezember aufgrund folgender Ereignisse gegründet, berichtet Sprecherin Silke Klausmannsmöller:
• Baupläne der Firma Sennheiser
• Änderung des Flächennutzungsplan Nr. 16/09, wonach derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen westlich des Wennebosteler Kirchwegs in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden sollen
• Für dieses Gebiet wurde bereits ein Bebauungsplan entworfen, der Bebauungsplan Nr. 16/11. Diese veränderten Pläne schaffen nach Darstellung der Bürgerinitiative die Möglichkeit 80 Prozent des Höllenfeld-Süd mit bis zu 18 Meter hohen Hallen zu bebauen. Die Öffentlichkeit solle möglichst ausgeschlossen werden, befürchtet die Bürgerinitiative und kündigte Widerstand an. Auf Nachfrage nahm Bürgermeister Tjark Bartels Stellung zu den Aussagen der Bürgerinitiative Höllenfeld zur Bauleitplanung Wennebosteler Kirchweg, Westseite. Am 8. Januar sei ein intensives Gespräch mit der Bürgerinitiative geführt worden, nachdem deren Sprecher Bartels Angebot zu einem Gespräch im Dezember abgelehnt hatten. Dieses Gespräch beinhaltete etliche Vereinbarungen und Punkte, die bereits nach Möglichkeit im nächsten Verwaltungsentwurf berücksichtigt werden sollen. Es sei geplant, noch im Januar mit der Firma Sennheiser über die gemeinsamen Anregungen zu sprechen, und Sennheiser wolle dem Wunsch der Anlieger nachkommen und die geplante Bebauung so detailliert wie möglich darstellen. Die Gemeinde hat sowohl ein hohes Interesse der Firma Sennheiser eine gute Entwicklung, als auch den Bürgern ein gutes Wohnumfeld zu ermöglichen, betonte Bürgermeister Tjark Bartels und stellte fest: „Ich betrachte es als meine Aufgabe, diese Inte-ressen zu moderieren und der Politik im Verlauf der Beratungen Lösungsvorschläge zu unterbreiten.“ Bartels stellt in Bezug auf die Information der Bürgerinitiative an die Presse allerdings auch fest, dass dabei von allen Seiten auf Polemik verzichtet werden sollte. Auch Forderungen nach einem Verzicht auf die gewerbliche Entwicklung seien nicht hilfreich und weder rechtlich durchsetzbar noch im Rathaus oder großen Teilen der Politik konsensfähig.
Im Gespräch am 8. Januar seien hauptsächlich sehr nachvollziehbare Sorgen geäußert worden, bei denen der Bürgermeister gerne die Lösungsfindung unterstützen möchte. Ebenso sei, nach Einschätzung von Bartels, die Firma Sennheiser an einem guten Kontakt mit der Nachbarschaft interessiert und habe signalisiert, auch über rechtliche Verpflichtungen hinaus handeln zu wollen. Ende des Monats werde es neue Erkenntnisse und Planungsstände geben, über die dann berichtet werden könne.
Die Sprecher der Bürgerinitiative hatten in ihrer Presseinformation gemutmaßt, „dass die Gemeinde gewisse Informationen absichtlich wenig transparent gestaltet, so dass die Bürger durch diese Verschleierungstaktik aus öffentlichen Anliegen herausgehalten werden.“ Spannungsfelder ergäben sich dadurch, dass erst vor fünf Jahren direkt benachbart auf zwei Seiten neue Wohngebiete ausgewiesen worden sind, die mittlerweile zum größten Teil mit Einfamilienhäusern bebaut wurden. Es gebe bisher keine ausreichende Verkehrsinfrastruktur. Bei Ausweisen des Wohngebietes Höllenfeld Nord seien im Südteil weitere Wohngebiete geplant gewesen und Pläne dazu von der Projektentwicklung KH Müller GmBH vorgelegt worden. Die Planungen der Gemeinde seien wenig ergebnissoffen und gingen weit über die für die geplante Expansion Sennheisers notwendige Planung hinaus. In der bisher veröffentlichten Planung sei zunächst der maximal mögliche gewerbliche Ausbau vorgesehen, ohne auf Gutachten zu warten (Versickerung und Emissionsschutz). Den Mitarbeitern von Sennheiser sei das Expansionsprojekt jedoch vorgestellt worden, bevor der Entwurf des Flächennutzungsplans veröffentlicht wurde. Im Eilverfahren würden Flächennutzungsplan und Bebauungsplan gleichzeitig geändert, kritisiert die Bürgerinitiative. Sennheiser wolle im Sommer 2013 mit dem Bau des Innovationszentrums beginnen. Baupläne seiennicht veröffentlicht, so dass sich die Bürger bisher keinerlei Vorstellungen von den Veränderungen des Ortsbildes machen könnten.Nach Auskünften der Vorbesitzerin der bisher landwirtschaftlichen Ländereien (Kirche) sei laut Bürgerinitiative diese durch die Gemeinde genötigt worden, ihr Land zu verkaufen. In der ersten Veröffentlichung des Bebauungsplans sei eine Zufahrt über eine Anliegerstraße Tempo 30-Straße ohne Bürgersteig mitten durch zwei Wohngebiete geplant (Wennebosteler Kirchweg). Auch die komplette Entwässerung der Fläche müsse über den tieferliegenden Wennebosteler Kirchweg erfolgen. Das ganze Gebiet habe Versickerungsschwierigkeiten durch einen problematisch hohen Grundwasserspiegel. Das Gewerbeaufsichtsamt habe in einer E-Mail am 30. November 2012 an die Gemeinde Wedemark diesbezüglich Bedenken deutlich gemacht.