Jäger senden einen Appell aus

Björn Wilstermann (links) und Jagdrechtsexperte Felix Adamczuk vom Hegering Wedemark beim Kontrollieren einer Kanzel. Foto: Adamczuk

„Vandalismus in unseren Wäldern, ein Fehlschuss“

Wedemark (awi). Der Hegering Wedemark, beziehungsweise die Jäger, die ihm angehören, ärgern sich bereits seit geraumer Zeit über Beschädigungen an ihren jagdlichen Einrichtungen in den Wäldern der Wedemark. Jagdrechtsexperte Felix Adamczuk und sein Jagdkollege Björn Wilstermann haben sich jetzt entschlossen, mit einem Appell an die Öffentlichkeit zu gehen – und dabei nicht zu verschweigen, dass es sich bei den Vorfällen keineswegs um Kavaliersdelikte handelt.
„Wer kennt es als Jäger nicht, dass man in der Vollmondphase zu seinem Hochsitz oder zu seinem Ansitzwagen kommt, schwer bepackt mit allem, was für eine Nacht im Wald nötig ist. Doch was ist das? Die Tür zur Kanzel steht bereits offen! Nach dem ersten prüfenden Blick mit der Taschenlampe fällt auf, hier wurde eine undefinierbare Flüssigkeit in der Kanzel großflächig ausgebracht. Was könnte es sein? Vielleicht Salatöl, oder doch etwas anderes? Etwa ein Brandbeschleuniger, der dazu führen soll, dass beim Einschalten der Kanzelheizung sich Jäger und Kanzel in Rauch auflösen?“ So schildert es Jäger Björn Wilstermann auf der Homepage des Hegering und beteuert: „Dieser Vorfall entspringt nicht der Fantasie, sondern ist so in unserer Gemeinde in einem Revier bereits mehrfach vorgekommen. Und es ist nur ein Fall von vielen.“ Der Diebstahl von Wildkameras und die Zerstörung von jagdlichen Einrichtungen kämen mittlerweile regelmäßig in den Revieren des Hegerings Wedemark vor. Der monetäre Schaden steige schnell und summiere sich auf mehrere tausend Euro im Jahr. Werde durch den Vandalismus noch jemand verletzt, seien schnell auch Familie und Beruf betroffen. Oft machten sich die Täter keine Gedanken, welche Konsequenzen sich für sie selbst aus ihrer Tat ergeben könnten. Denn solche Beschädigungen jagdlicher Einrichtungen seien kein „Kavaliersdelikt“, weiß Rechtsanwalt, Fachanwalt für Agrarrecht und Jagdrechtsexperte Felix Adamczuk aus der Wedemark. Neben der reinen Sachbeschädigung, welche bereits mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden könne, müssten gegebenenfalls auch schwerwiegendere Delikte geprüft werden. Dies gelte insbesondere dann, wenn durch die Beschädigungshandlungen weit schlimmere Tatfolgen gewollt oder zu mindes-wtens billigend in Kauf genommen würden, erklärt Adamczuk. Fällt beispielsweise ein angesägter Hochsitz um, während der Jäger ihn besteigt oder er sich auf ihm befindet und wird der Jäger dabei getötet oder verletzt, kann es im schlimmsten Fall zu einer Strafbarkeit wegen Mordes, zumindest aber wegen Körperverletzung kommen.
Nicht zu vergessen sei, dass aber auch in weniger gravierenden Fällen eine Behinderung der Jagd vorliege, die wenn sie absichtlich erfolge, eine Ordnungswidrigkeit darstelle. Rechtsanwalt Dr. Adamczuk rät daher, im Revier auftretende Fälle auf jeden Fall polizeilich zur Anzeige zu bringen. Nur wenn alle Fälle bei der Polizei aufliefen, sei es möglich, Tatmuster zu erstellen, was die Chancen steigere, der Täter habhaft zu werden. „Bleibt uns abschließend nur der Apell, sich trotz einer anderen Meinung oder Ansicht zur Jagd, gesetzeskonform zu verhalten. Denn Justitia macht keine Unterschiede, ob nun starke Ideale zu dem Gesetzesbruch geführt haben oder einfach nur blinde Zerstörungswut. Eines bleibt jedoch festzuhalten. Wir Jäger durchlaufen eine längere Ausbildung und verstehen unser Handwerk“, betonen Björn Wilstermann und Felix Adamczuk im Namen ihrer Jagdkollegen im Hegering Wedemark.