Jäkels feiern Montag Diamant-Hochzeit

Der Schützenverein hat im Leben von Heinz und Frieda Jäkel einen wichtigen Stellenwert. Foto: A. Wiese

Der Schützenverein spielt im Leben von Heinz und Frieda Jäkel eine große Rolle

Berkhof (awi). Am nächsten Montag feiern Heinz (84) und Frieda (81) Jäkel aus Berkhof das ganz besondere Fest der Diamantenen Hochzeit. Dann ist es auf den Tag genau 60 Jahre her, dass der im Hermsorf in Schlesien gebürtige Schlosser und seine in Gilten geborene und in Berkhof aufgewachsene Frau vor den Standesbeamten in Elze traten. Einen Tag später fand die kirchliche Hochzeit statt. Die Braut trug dabei ein Kleid aus cremefarbener Fallschirmseide, denn Stoff war in der Nachkriegszeit 1951 schwierig zu beschaffen. Doch eine Modistin aus Berkhof, die in Hannover als Schneiderin arbeitete, zauberte ein ganz wunderbares Brautkleid aus dem ehemaligen Fallschirm. Darin schritt die stolze Braut in die Kirche. Hochzeitsauto war sogar ein Mercedes und fast 60 Gäste aus dem Dorf feierten mit.
Der diamantene Hochzeitstag ist dem offiziellen Teil vorbehalten: Der Bürgermeister beziehungsweise einer seiner Stellvertreter haben sich angesagt, der Pastor wird kommen. Der Vorsitzende vom Schützenverein, der eine große Rolle im Leben von Heinz und Frieda Jäkel spielt, ist ohnehin im Haus, denn Norbert Jäkel ist der älteste Sohn des Jubelpaares, das es wahrlich nicht immer leicht gehabt hat im Leben. Bei Kriegsbeginn floh Heinz Jäkel aus seiner Heimat Schlesien. Der Schlosser meldete sich hier zum Arbeitsdienst und zur Marine, kam aber nicht mehr zum Kriegseinsatz, sondern geriet in Dänemark in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung wurde Heinz Jäkel als Arbeitskraft an Bauern in Bennemühlen, Oegenbostel und Plumhof als Arbeitskraft vermittelt. So traf er seine zukünftige Frau. Frieda Jäkels Vater war Pächter eines Bauernhofes in Berkhof und hatte den Heinz schnell als Schwiegersohn ins Auge gefasst. „Ich wollte so schnell nicht heiraten, aber mein Vater sagte immer, es würde Zeit, dass der Heinz vom Bauern in Plumhof wegkäme und einen richtigen Job bekäme“, erinnert sich die alte Dame, die damals auf dem gepachteten Hof der Eltern mitarbeitete. Zum ersten Mal gesehen haben sich Heinz und Frieda übrigens beim Schützenfest in Elze 1948 beim Tanzen. „Aber bis er mich dann gefragt hat, hats noch ein bisschen gedauert“, schmunzelt sie. Seit Ende 1950 waren sie fest zusammen, im Oktober 1951 wurd dann geheiratet. Heinz Jäkel arbeitete zunächst bei Firmen in Hannover als Schlosser, ab 1957 bis zu seinem Ruhestand 1987 im Wasserwerk in Elze. Die kleine Familie vergrößerte sich rasch: Sohn Norbert wurde 1952, Sohn Detleff 1957 geboren. Die Familie lebt noch heute in dem Häuschen, dass Frieda Jäkels Vater damals für sie in der Siedlung Auf dem Raden gekauft hatte. Für die Söhne wurde um- und angebaut. Aber die Großfamilie lebt mit den Schwiergertöchtern ganz harmonisch eng nebeneinander. „So sind wir es gewohnt“, berichtet Frieda Jäkel. Erst hatten sie ihre Eltern damals zu sich genommen, später auch Heinz Eltern, als diese Schlesien verlassen durften, für einige Jahre, bis diese zu Verwandten nach Helmstedt zogen. Frieda Jäkel versorgte die Großfamilie aus dem großen Garten und der kleinen Landwirtschaft hinter dem Haus. „Ich hab immer nur gearbeitet“, sagt sie, aber es habe ihr Spaß gemacht. Mit dem Nutzgarten habe sie dann aber auf Drängen ihrer Schwiegertochter irgendwann aufgehört. Zwei Enkel und zwei Urenkel hat das Diamantene Hochzeitspaar, das nach wie vor im Schützenverein Berkhof aktiv ist und auch beim letzten Schützenfest in vorderster Reihe dabei war, hatte doch immerhin die Damenabteilung 40-jähriges Bestehen,
zu deren Gründungsmitgliedern
Frieda Jäkel gehört. Sie hatte zu diesem Anlass lauter kleine Röschen gehäkelt. Heinz Jäkel war gleich nach der Hochzeit dem Schützenverein beigetreten und selbst zweimal Schützenkönig. Für die SPD saß er übrigens auch eine Weile
im Berkhofer Gemeinderat. Aber der Schützenverein blieb das Wichtigste. „Es war ja auch nichts anderes los im Dorf, bei den Schützen war immer was los“, schmunzelt Frieda Jäkel und so färbte die Schützenbegeisterung natürlich auch auf die beiden Söhne ab. Norbert ist bereits seit Jahren Vereinsvorsitzender, Detleff war letztes Jahr Schützenkönig. Die Eltern freut das sichtlich. Sie genießen es, die Söhne in der Nähe zu haben, freuen sich über Unterstützung, wenn es nötig ist, leben aber ansonsten noch ganz selbstständig in ihrem Haus Auf dem Raden. Früher sind sie gereist, nach Spanien, Ungarn und England, heute genießen sie ihr Häuschen. Heinz Jäkel legt gern überall Hand an, wo er gebraucht wird. Eine Unpässlichkeit letzte Woche schüttelte er schnell ab, am Diamantenen Hochzeitstag will er zu Hause sein. Und fragt man seine Frau nach dem Rezept für so eine lange glücklich Ehe, wird sie energisch: „Die jungen Leute von heute müssen auch
mal lernen runterzuschlucken und nicht immer gleich auseinanderlaufen. Und wenn es gar nicht anders geht, reinigt ein Gewitter auch mal die Luft!“