„Jetzt ist aber endgültig Schluss“

Am Montag vor Weihnachten hat sich Liselotte Benecke jetzt ein für alle Mal von ihren Kursteilnehmern im evangelischen Gemeindehaus in Mellendorf verabschiedet. Ab sofort turnt sie nur noch alleine zuhause. Foto: Lübke

Liselotte Benecke hört mit den Gymnastik- und Yogakursen nun wirklich auf

Mellendorf (awi). 60 Jahre lang hat Liselotte Benecke Gymnastikkurse in Mellendorf gegeben, fast die ganze Zeit unter dem Dach des Deutschen Roten Kreuzes. Als sie vor einigen Jahren schweren Herzens verkündete, sich jetzt aufs „Altenteil“ zurückziehen und mehr Zeit für das Reisen zu haben, haben viele ihrer Teilnehmer, die seit vielen Jahren ihre Kurse in Rücken- und Stuhlgymnastik im evangelischen Gemeindehaus in Mellendorf besuchten, nicht glauben können, dass es ihr wirklich ernst ist. Zwar wurde Lilo, wie sie von den meisten liebevoll genannt wird, mit allen ihr zustehenden Ehren verabschiedet, aber die Skeptiker sollten Recht behalten. Sie hat nur ein paar Wochen durchgehalten, dann gab sie dem Betteln ihrer ehemaligen Kursteilnehmer nach und fing wieder an mit den Kursen. Zwar nur noch an einem Tag in der Woche, nämlich am Montag, aber sie fing halt doch wieder an. Ein bisschen Stuhlgymnastik, ein bisschen Yoga. Ihr Mann Günther verdrehte die Augen, begrub seine Träume von den spontanen Wochenendtripps mit Verlängerungen bis Montag, und fuhr wieder mit. Schließlich hatte er ja auch etwas davon: Durch seine regelmäßige Teilnahme blieb er fit. So fit wie seine Frau, die im März ihren 86. Geburtstag feiert. Und so wie die Katze das Mausen nicht lässt, wird Lilo Benecke die Finger nicht von der Gymnastik lassen. Das gibt sie auch offen zu. Aber in Zukunft eben nur noch für sich selbst. Morgens gleich nach dem Aufstehen auf dem Boden vor ihrem Bett, danach, wenn das Wetter es erlaubt, im Garten, kombiniert mit Atemübungen und zum Schluss „hängst sie sich noch auf“: Mit den Kniekehlen über der Stange unter ihrer Treppe, ein tägliches Ritual seit Jahrzehnten, auf das sie schwört. Und Gymnastik alleine reicht nicht aus: Lilo Benecke und ihr Mann wandern und radeln und im Sommer gehen sie täglich schwimmen, erst im Spaßbad, und sobald die Wassertemperaturen das zulassen, im Meitzer Kiessee. Und der Rest des Geheimrezeptes für so viel Fitness im hohen Alter? „Gesunde Ernährung und viel lachen“, schmunzelt l.ilo Benecke. Zu den Erlebnissen, die sie in ihrem langen Leben am
meisten beindruckt haben, zählt die Einladung des ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck in dessem letzten Amtsjahr zum Bürgerfest in den Park von Schloss Bellevue in Berlin. Auch diese Einladung hat sie sich mit ihrem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement verdient – und in vollen Zügen genossen: „Ich hatte ein Kleid in den Deutschlandfarben an und alle haben gedacht, ich bin etwas ganz Besonderes und mich gegrüßt“, amüsiert sich Lilo Benecke. Ist sie ja auch, in ihrer Fröhlichkeit und Unbefangenheit. Eigentlich will man ihr auch jetzt nicht glauben, dass sie aufhören will, doch ein Satz macht nachdenklich: „Ich habe keine Lust mehr!“. Solche Worte ist man von Liselotte Benecke nicht gewöhnt. Da ist jetzt wohl doch der richtige Zeitpunkt gekommen, loszulassen und den Kursen Adé zu sagen.