Jochen Rödiger geht in den Ruhestand

Schulleiterin Swantje Klapper übergab Jochen Rödiger am Mittwoch die Entlassungsurkunde in den Ruhestand. Foto: A. Wiese

Es bleibt eine Lücke: Gymnasium Mellendorf verliert mehr als einen engagierten Lehrer

Mellendorf (awi). Der Applaus der Kollegen wollte nicht enden und Jochen Rödiger selbst presste ein wenig mehr als sonst die Lippen zusammen: Leicht fiel ihm der Abschied vom Gymnasium Mellendorf sichtlich nicht, aber wer ihn kennt, weiß, dass der Deutsch- und Politiklehrer kein Mann der großen Gefühle ist. Ruhe und Besonnenheit, das war seine Stärke in jeder Lebenslage, und das macht ihn für das Schulleitungsteam des Gymnasiums so unentbehrlich und schwer ersetzbar. Vor elf Jahren kam Rödiger von der Leibnizschule in Hannover nach Mellendorf. „Ihm war an seiner alten Schule langweilig geworden“, sagte Schulleiterin Swantje Klapper in ihrer Abschiedsrede. Langeweile plagte das scheidende Mitglied der Schulleitung am Gymnasium Mellendorf ganz bestimmt nicht und ist schon gar nicht der Grund dafür, dass der 64-Jährige sich jetzt zu diesem entscheidenden Schritt entschlossen hat. Vielmehr habe seine Frau Kerstin den Kampf gegen die Kollegen vom Gymnasium gewonnen, formulierte es Swantje Klapper. Zweimal habe man Jochen Rödiger noch ein halbes Jahr Verlängerung abringen können. Jetzt wolle sich das Ratsmitglied in Burgwedel nur noch als Hobby mit seinem Steckenpferd Politik befassen, nicht mehr als Schulfach. Leicht sei der Einstieg für Rödiger vor elf Jahren nicht gewesen, erinnerte Klapper, zumal er zunächst noch fünf Stunden an seine alte Schule abgeordnet war. So richtig kam Rödiger, als sich im Frühjahr 2003 die politischen Verhältnisse landesweit änderten und am Gymnasium Mellendorf „1.000 Sachen auf einmal passierten“. Reform über Reform folgte, von der Auflösung der Orientierungsstufe bis zur neuen Oberstufe, dem Zentralabitur und der Schulinspektion. Von Rödigers Maxime: „Wir setzen das um und machen das beste draus“, habe das Gymnasium enorm profitiert, bescheinigte die Schulleiterin ihrem scheidenden Kollegen. Auch die schwierigen räumlichen Verhältnisse mit vielen Umzügen hätten Rödiger nicht aus der Ruhe bringen können. „Er hat das Beste für die Schule versucht, und uns auf den Weg gebracht,
pädagogisch zu arbeiten und zu denken“, sagte Klapper bei der Verabschiedung am Mittwoch. Doppelstunden- und Mittelstufenmodell, Schulprogramm und Seis-Umfragen – alles am Gymnasium in den letzten zehn Jahren sei auf Initiative von Jochen Rödiger entstanden und mit Hilfe der Kollegen umgesetzt worden. Die Fachgruppenleiter, Eltern- und Schülervertreter und auch die Fördervereinsvorsitzende Karen Drews schlossen sich diesen Worten an, erwähnten Rödigers Verdienste für die Juniorwahl, Jugend debattiert und das Jugendparlament. Es gab Blumen und Präsente für den „sanften Riesen“, der Reformen so eingeleitet habe, dass man sich nicht überfahren, sondern mitgenommen gefühlt habe, bescheinigten die Kollegen. Die Zusammenarbeit sei von Ruhe und Gelassenheit geprägt gewesen, sagte Karen Drews, die Schulelternratsvorsitzende lobte, dass Rödiger stets darauf geachtet habe, dass die Arbeit an der Schule für Eltern transparent und nachvollziehbar sei. Und für den Schulträger konnte sich Jörg Clausing den lobenden Worten seiner Vorredner auch nur anschließen. Außerdem gelobte Clausing, die Mensa nie wieder „Mac Mensa“ zu taufen. Rödiger selbst ging kurz auf seinen beruflichen Werdegang vom Hölty-Gymnasium in Wuns-torf über das Leibniz-Gymnasium bis zum Gymnasium Mellendorf ein, machte einen kurzen Exkurs in seine Zeit als Austauschlehrer in Magdeburg, die nicht so verlaufen sei, wie er sich das vorgestellt habe und stellte fest: „30 Jahre an einer Schule geht gar nicht, zwei Schulen sollte man schon haben.“ Die letzte Zeit habe spannende Veränderungen gebracht. IGS und Gymnasium, das sei das Zwei-Säulen-System der Zukunft. Das frühe Aufstehen werde er genauso wenig vermissen wie die Oberstufenklausuren, versicherte Rödiger, jedoch die eine oder andere Unterrichtsstunde, das Kollegium und die Schulleitungsrunde. Er habe es immer mit dem Leitsatz von Berthold Brecht gehalten: „Lehrer, sag nicht so oft, dass du Recht hast, lass es die Schüler selbst erkennen!“