Kahlschlag erzürnt die Anwohner

Kahlschlag auf dem Waldgrundstück an der Wietze Aue: In diesem Fall konnte ihn die Baumschutzsatzung nicht verhindern, weil die Bäume auf diesem Areal unter das Waldbewirtschaftungsgesetz fallen. Foto: Privat

Doch Baumfällarbeiten in Bissendorf-Wietze sind rechtlich abgesichert

Bissendorf-Wietze (awi). Die Volksseele kochte, beim ECHO und bei der Gemeinde liefen am Mittwoch und Donnerstag die Telefonleitungen heiß: „Umweltfrevel in Bissendorf-Wietze, Massenkahlschlag, schwerer Verstoß gegen die Baumschutzsatzung“. Die Meldungen der erregten Bürger überschlugen sich. Grund für die Aufregung war, dass ohne Vorankündigung bei der Gemeinde, bei den Anliegern, nicht einmal bei dem Mieter des Hauses auf dem betroffenen Grundstück an der Wietze-Aue eine Firma mit schwerem Gerät anrückte und großflächig Bäume fällte: Laub- ebenso wie Nadelbäume oder kleinere Gehölze. Die Baumkontrolleurin der Gemeinde stoppte die Arbeiten zunächst, um die Sachlage zu überprüfen, musste die Firma dann jedoch weiter die Arbeit machen lassen, die der Grundstücksbesitzer, eine nicht in der Wedemark wohnende Erbengemeinschaft, in Auftrag gegeben hatte, denn dieses – jetzt ehemalige – Waldgrundstück fällt nicht unter die für Bissendorf-Wietze geltende Baumschutzsatzung, sondern gilt als Waldgrundstück, auf das das Waldbewirtschaftungsgesetz anzuwenden ist.
Diese Auskunft bekam das ECHO auf Nachfrage von der Gemeinde, die sich ihrerseits beim Bezirksförster noch einmal schlau gemacht hatte. Der Grundstücksbesitzer kann über seine Waldfläche frei verfügen und „scharf durchforsten“, so Gemeinde-Pressesprecher Ewald Nagel nach Rücksprache mit dem zuständigen Fachbereich. Nicht in Ordnung ist aus Sicht der Gemeinde, dass zwar vor längerer Zeit die geplante Fällmaßnahme pauschal angekündigt worden sei, nicht jedoch mit konkretem Datum und Ausmaßen. „Da wir aus Erfahrung wissen, wie empfindlich die Bevölkerung auf solche umfangreichen Fällmaßnahmen reagiert, was ja auch nachvollziehbar ist, hätten wir die Faktenlage im Vorfeld mit einer Pressemitteilung verdeutlichen können“, so Pressesprecher Nagel. Zunächst hatte er mitgeteilt, der Grundstückseigentümer sei auf Basis des Waldgesetzes zwar berechtigt, das Holz zu ernten, sei aber zu Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet. „Das ist in diesem Fall aber tatsächlich nicht so, da es sich um Bewirtschaftung eines Waldgrundstücks und nicht um eine Rodung für eine andere Nachnutzung handelt“, so Nagel am Freitag, als das ECHO noch einmal konkret nach den Ausgleichmaßnahmen gefragt hatte. Diese werden dem Besitzer nur dann zur Auflage gemacht, wenn er das Grundstück beispielsweise nach der Rodung bebauen will. Das wäre aber auf diesem Grundstück zurzeit gar nicht zulässig. Dieses Grundstück solle nach Informationen der Gemeinde sich selbst überlassen bleiben, auch Neuanpflanzungen auf dem Grundstück seien nicht geplant. Hintergrund der vom Besitzer verfügten Fällungen sind nach Informationen des ECHO möglicherweise Beschwerden von Anliegern über von Zeit zu Zeit auf ihre Grundstücke herunterfallende Äste beziehungsweise Schattenwurf. Doch die Empörung, die am Mittwoch und Donnerstag spürbar unter den direkten und auch weiter entfernten Anliegern und Dorfbewohnern herrschte, legt den Schluss nahe, dass eine solch rigide Maßnahme, wie sie jetzt getroffen wurde, von niemandem beabsichtigt war. „Eigentlich hatten wir immer ein großes Vertrauen in die Baumschutzverordnung, die ja eigentlich das Ortsbild und den Charakter von Bissendorf Wietze schützen soll. Schließlich leben wir gerade deshalb hier, weil Bissendorf Wietze so viel Wald hat. Die Ruhe und Natur ist genau der Grund, warum unsere Familien sich hier niedergelassen haben“, sagt ein Anwohner, der ebenso wie andere jedoch ausdrücklich darum bittet, nicht namentlich genannt zu werden. Für die Anwohner entsteht der Eindruck, dass das Roden von Bäumen doch einfacher zu sein scheint als gedacht. Die Baumschutzverordnung sage klar, dass nur kranke Bäume, Bäume, die auf Häuser zu stürzen drohten, oder Bäume, die die Funktion von Solaranlagen beeinträchtigten, gefällt werden dürften.
Dass es zwischen den Grundstücken mit Waldbestand in der Waldsiedlung Unterschiede in der Einstufung gibt und die Baumschutzsatzung in manchen Fällen greift und in anderen nicht, dass scheint so nicht unbedingt bekannt gewesen zu sein. Und offenbar nicht nur den Anliegern. Dass die Baumkontrolleurin die Arbeiten „entsetzt und hektisch gestoppt habe“, so die Schilderung von Augenzeugen, spricht dafür, dass auch die Gemeinde mit einem solchen Fall nicht allzu häufig zu tun hat. „Das Entsetzen in der Nachbarschaft ist sehr groß. Oder eher die Wut, egal ob rechtens oder nicht“, so das Fazit eines Anwohners.