Kampf um den Stellvertreterposten

Hellendorfs Ortsbürgermeister Carsten Wandke (CDU) gratuliert seiner neuen Stellvertreterin Ute Ruddat (SPD) zur Wahl. Rechts die neu verpflichtete Angela Georgi, die als Nachrückerin für Nadine Becker auf der SPD-Liste in den Ortsrat eingezogen ist. Foto: A. Wiese

Ute Ruddat setzt sich im Ortsrat Hellendorf gegen Martin Schönhoff durch

Hellendorf (awi). Infolge des Mandatsverzichts von Nadine Becker (SPD) im Ortsrat Hellendorf stand in der Sitzung am Mittwochabend nicht nur die Verpflichtung von Nachrückerin Angela Georgi, die 2016 parteilos auf der SPD-Liste kandidiert hatte, auf der Tagesordnung, sondern musste auch ein neuer Stellvertreter für Ortsbürgermeister Carsten Wandke (CDU) gewählt werden.
Bereits nach der letzten Kommunalwahl hatte Martin Schönhoff vom Bündnis C diesen Posten auf Grund seiner persönlichen Stimmenzahl für sich beansprucht, hatte sich aber in dem Fünfergremium, in dem außer ihm zwei CDU- und zwei SPD-Vertreter saßen nicht durchsetzen können. Am Mittwoch erklärte Schönhoff erneut seine Kandidatur, nachdem zuvor Ute Ruddat von der SPD ihren Hut in den Ring geworfen hatte. Er habe vier Mal so viele persönliche Stimmen wie Ruddat, sei sehr engagiert im Ort und arbeite als selbstständiger Landwirt, so dass er auch flexibel in seiner Zeiteinteilung sei, so Schönhoffs Argumentation. Sie habe bereits Erfahrung mit dem Amt der stellvertretenden Ortsbürgermeisterin aus früheren Amtsperioden unter Hartmut Pflüger hielt Ute Ruddat dagegen.Vor zweieinhalb Jahren habe sie aus Zeitgründen nicht für das Amt kandidiert, aber jetzt stehe ihr die Zeit dafür wieder zur Verfügung und die Stellvertretung des Ortsbürgermeisters habe ihr früher viel Spaß gemacht. In geheimer Wahl entfielen auf Ute Ruddat vier, auf Martin Schönhoff eine Stimme. Der Bündnis-C-Vertreter gratulierte seiner Kontrahentin und versicherte, das demokratische Ergebnis zu aktzeptieren. Dennoch meldete sich Schönhoff am Schluss der Sitzung in Ermangelung des Punktes Verschiedenes, der laut Ortsratsbetreuer Christian Rudatus auf der Tagesordnung von Sitzungen dieses Gremiums nicht auftauchen darf, unter dem Punkt Anfragen noch einmal zu Wort. Positiv sei sicherlich, dass sich zwei Kandidaten für das Amt zur Wahl gestellt hätten. Doch aus seiner Perspektive werde mit dem Wahlergebnis der Bürgerwille missachtet, da er das deutlich bessere persönliche Stimmergebnis vorweisen könne. Ortsratspolitik, so Schönhoff, werde doch für den Bürger und nicht für eine Partei gemacht. Unter Hartmut Pflüger und Heiner Peterburs habe der Ortsrat immer darauf geguckt, was die Bürger wollten. Bei seiner Kandidatur vor zwei Jahren habe man die Wahl der SPD-Vertreterin damit begründet, dass die SPD mit zwei Parteimitgliedern im Ortsrat sitze, er jedoch Einzelkämpfer sei. Das Argument gelte aus seiner Sicht nicht mehr, da Georgi der SPD nicht angehöre. Dies ließen seine Ortsratskollegen jedoch nicht gelten. Carsten Wandke und Felix Adamczuk von der CDU hielten dagegen, dass die SPD-Liste insgesamt mehr Stimmen auf sich vereine als Schönhoff alleine und die Parteilosigkeit von Georgi daher keine Rolle spiele. Trösten konnte sich Schönhoff mit dem spontanen Applaus der Zuhörer für seine Redebeiträge, die ihm signalisierten, dass sie in diesem Punkt auf seiner Seite standen. Schönhoffs Vorwurf an die beiden Ortsratsmitglieder der CDU: Sie missachteten den Bürgerwillen und ließen sich nur von taktischen Erwägungen leiten. Das fördere die Politikverdrossenheit beim Bürger. Offensichtlich sitze der Ortsrats-CDU die „GroKo“ auf Gemeinderatsebene im Nacken. „Ihr habt euch kurzfristig einen Posten gerettet, aber langfristig wird euch das nicht gut tun“, prognostizierte Martin Schönhoff seinen früheren Parteifreunden. Dies sei unfair gegen Ute Ruddat, die immerhin Erfahrungen im Amt der Stellvertreterin mitbringe, hielt Felix Adamczujk dagegen und erinnerte an die „politischen Verstimmungen“ zwischen Schönhoff und der CDU nach dessen Austritt. Im Gespräch mit dem ECHO nach der Sitzung betonte Adamczuk, dass es keinerlei Ansage „von oben“ zum Wahlverhalten der beiden CDU-Ortsratsmitglieder gegeben habe. Vielmehr sei bis kurz vor Sitzungsbeginn die Kandidatenlage gar nicht bekannt gewesen.
Der Ortsrat Hellendorf besprach am Mittwochabend noch seine Seniorenüberraschungsfahrt am 4. Juli, für die aus Ortsratsmitteln 700 Euro bereitgestellt werden. Der zweite große Schluck aus der Ortsratsmittelpulle fließt in die Seniorenweihnachtsfeier. Für deren Ausrichtung wird sich am 4. September ein Festausschuss treffen. Insgesamt stehen dem Ortsrat 2.277 Euro zur Verfügung. Als Sachthema stand der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Sportanlage Hellendorf auf der Tagesordnung. Dafür ist jetzt die Bürgeranhörung gelaufen. Beim Abstand der Grenzbebauung hat man sich auf einen Kompromiss von fünf Metern für die Hauptgebäude geeinigt.