Kaninchenzüchter Jadischke Europameister

Jens Jadischke mit seinem Viererkader rheinischer Schecken, die den Europameistertitel errungen haben. Fotos: A. Wiese
 
Wenige Wochen alt sind diese Babys der Rasse Rheinische Schecken. Schon früh muss man sich mit ihnen beschäftigen.

Schönes Weihnachtsgeschenk: Rheinische Schecken sind nicht zu schlagen

Brelingen (awi). Das war ein schönes Weihnachtsgeschenk: Erster und zweiter Platz bei der Europameisterschaft in Leipzig für je ein Viererlot Rheinische Schecken des Brelinger Kaninchenzüchters Jens Jadischke. Geschenk ist allerdings nicht wirklich der richtige Begriff. Denn hinter dem Gewinn eines solchen Titels steckt jahrelange harte Arbeit.
Die Leidenschaft zur Kaninchenzucht liegt bei ihm in der Familie. Er selbst begann 1982 mit dem Hobby. Die Rasse Rheinische Schecken züchtet Jadischke allerdings erst seit 1985. Es ist der hohe Schwierigkeitsgrad gerade bei dieser Rasse, der ihn reizt. Was er macht, macht er richtig. Seit 20 Jahren ist er Vorsitzender des Schecken- und Holländerclubs in Hannover, bei den Schauen tritt der gebürtige Brelinger für den Club F 173 in Neustadt an. Neben den Rheinischen Schecken züchtet er als Zweitrasse Deutschen Riesenschecken schwarzweiß. Seine Erfolge sprechen für sich: Er ist 25-facher Landesmeister und achtfacher deutscher Meister, davon sechs mal hintereinander in Folge. Deutsche Meisterschaften werden alle zwei Jahre ausgetragen. Europameister war er das letzte Mal 1992 in Holland. Bei den Titelkämpfen in Leipzig war Jadischke mit zwölf Tieren, das entspricht drei Kollektionen, die er individuell zusammenstellen kann. Es muss allerdings beiderlei Geschlecht vertreten sein. In Leipzig war Jadischke nicht nur als Aussteller, sondern auch als Preisrichter dabei, natürlich nicht in seiner eigenen Klasse. Dass auch ein Profi immer wieder überrascht werden kann, zeigt das Ergebnis in Leipzig: „Meine definitiv beste Kollektion ist nur zweiter geworden. Die aus meiner Sicht zweitbeste haben die Richter auf den ersten Platz gesetzt“, berichtet der Züchter. Europameister sind jetzt zwei Rammler und zwei Häsinnen, drei davon aus 2012, einer aus 2011. Bedingung für die Teilnahme an der Meisterschaft ist, dass alle Tiere aus eigener Zucht und nicht älter als sechs Jahre sind. Die dritte Kollektion des Brelingers hat übrigens immer noch den sechsten Platz erreicht. Bewertungskriterien in dem 100-Punkte-System sind sieben Positionen: Größe und Gewicht, Körperform, Fellhaar, Kopfzeichnung, Rumpfzeichnung, Farbe und Gesundheit.
„Man muss ein vernünftiges Zuchtbuch führen und das A und O ist die Auswahl der Elterntiere“, erklärt Jens Jadischke. 30 Häsinnen und zehn Rammler sind zur Zeit sein Zuchtpool bei den Rheinischen Schecken. Jede Häsin sollte möglichst zweimal im Jahr
werfen. Der Tipp vom Experten: „Frisches Blut sollte man nur reinholen, wenn man es nicht braucht.“ Aha. Hört sich zwar für den Laien im ersten Moment unlogisch an, aber einem 20-fachen Clubmeister sollte man schon Glauben schenken. Jadischke liebt das Experimentieren. Erfahrung macht ganz viel aus, aber ein Quentchen Glück muss auch dabei sein. Jens Jadischke hat einfach das richtige Händchen. Seit Jahren gehen Rheinische Schecken aus Brelingen in die Welt. Gerade hat er wieder vier Zuchttiere nach Kroatien verkauft, sieben weitere nach Frankreich. Auch aus Schweden und Italien kommen Züchter nach Brelingen. An jeden verkauft Jadischke allerdings nicht. Und sowieso nur die Tiere, die er verkaufen möchte und nicht die, die die anderen Züchter am liebsten hätten. Dabei ist ihm natürlich klar, dass keiner kommt, „um Mist zu kaufen“, aber andererseits wird kein passionierter Züchter seine besten Tiere abgeben. Eineinhalb Stunden am Tag beschäftigt er sich mindestens mit seinen Tieren. Insbesondere wenn Paarungs- oder Wurfzeit ist, müssen sie ganz genau beobachtet werden. Denn auch eine Geburt geht nicht immer glatt. Bei so vielen Tieren gibt es immer auch Negativerlebnisse, weiß Jadischke von seinem Hobby zu berichten, das übrigens auch recht kostenintensiv ist: Zwei Tonnen Futter braucht er jeden Monat, dazu 150 Ballen Heu im Jahr, die Tiere müssen alle tätowiert und durchgeimpft werden. Für den Transport zu den Ausstellungen benötigt der Züchter nicht nur spezielle Transportkisten, sondern auch einen T 5 mit ausgebauten Bänken. Und auch das Ausstellen kostet Startgebühren, und das nicht zu knapp: allein für Leipzig 350 Euro. Vier bis fünf Ausstellungen bestückt Jadischke pro Jahr. Manchmal haben andere Züchter gar keine Lust mehr, ihre Tiere gegen seine antreten zu lassen. Das ist die Kehrseite des Erfolgs. Mit 180 Punkten Vorsprung in der Champion Edition ist Jens Jadischke führender Züchter von Rheinischen Schecken in Deutschland. Für diese Rangierung werden die Ergebnisse der letzten zehn Jahre berücksichtigt, rund 100 Züchter der Rasse gibt es in Deutschland.
Jens Jadischke kennt jedes einzelne seiner Tiere genau, hat ab und zu auch mal ein Lieblingstier darunter, aber zu sentimental wird er nie. Das passt nicht zu einem Profi-Kaninchenzüchter. „Nicht das Lieblingstier ist das Wichtigste für dieses Hobby, sondern die Liebe zum Tier“, sagt er und fügt außerdem noch etwas ganz Entscheidendes hinzu: „Die Arbeit ist nicht zu verachten, aber sie muss Spaß machen. Sonst ist man bei diesem Hobby verkehrt.“