Katholische Kirche im offenen Dialog

Dr. Christian Hennecke (links) sprach im katholischen Gemeindehaus Mellendorf über das Thema „Ekklesiologie – Über die Kirche“. Foto: B. Stache
 
Propst Martin Tenge (links) leitete die Diskussionsrunde mit Dr. Christian Hennecke. Foto: B. Stache

Regens Dr. Christian Hennecke steht Rede und Antwort

Mellendorf (st). Propst Martin Tenge, Dechant der katholischen Kirche in der Region Hannover, konnte am Sonntagmittag im Gemeindehaus Mellendorf fast 30 Gäste zu einem ersten Vortrag in der Reihe „Kirche im Dialog“ begrüßen. Tenge, der zugleich als Pfarrverwalter der Kirchengemeinden St. Maria Immaculata in Mellendorf und Heilig Geist in Schwarmstedt fungiert, stellte den Teilnehmern aus beiden Gemeinden den Gastredner Dr. Christian Hennecke vor. Der Regens (Leiter) des Priesterseminars Hildesheim und Leiter des Fachbereichs Missionarische Seelsorge im Bistum Hildesheim referierte über das Thema „Ekklesiologie – Über die Kirche“. Dr. Hennecke machte von Beginn an mit Hinweis auf das Evangelium deutlich, „dass es beim Thema Kirche um das Reich Gottes geht. Das ist die Botschaft, die wir zu verkünden haben.“ Kirche gebe es nicht ihrer selbst willen, sondern alles habe nur den einen Sinn: „Wie können wir die Gegenwart Christi den Menschen so nahebringen, dass sie auch spüren, was wir erfahren haben: dass Christus nahe ist, dass er da ist.“ Der Vortragende sprach die geänderten Strukturen innerhalb der katholischen Kirche an: „Strukturen ergeben in sich keinen Sinn, Strukturen ohne Inhalt sind Horror. Eine Kirche, die nur Struktur hat, aber kein Leben in sich birgt, ist einfach nur leer.“ Die früher für richtig geglaubte Hierarchie in der katholischen Kirche, wonach vom Papst über den Bischof und Pfarrer bis zu den Gemeindegliedern „von oben nach unten durchregiert wird“, wurde mit dem 2. Vatikanischen Konzil vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 zu einer umgedrehten Pyramide auf den Kopf gestellt: „Alles, was es an Amt in der Kirche gibt, hat nur ein Ziel: den getauften Menschen in ihrem Bestreben zu dienen, aus der Taufe heraus Christ zu sein“, formulierte Dr. Hennecke. Er sprach auch die Bedeutung der Ortskirchen an sowie den derzeitigen Priestermangel, der unter anderem dazu geführt hat, dass die Gemeinden in Mellendorf und Schwarmstedt keinen eigenen Pfarrer mehr haben und lieferte diesbezüglich praktische Tipps. Wünscht sich beispielsweise eine Gemeinde einen Sozialarbeiter für die Jugendarbeit, so sei das Geld für dessen Bezahlung aus eigenen Reihen aufzubringen, sagte Dr. Hennecke mit Verweis auf entsprechende Praktiken in amerikanischen Kirchengemeinden. In der folgenden Fragestunde übernahm Propst Tenge die Diskussionsleitung. Den Gemeindegliedern lagen beispielsweise Fragen zur weiteren Organisation des Gemeindelebens – ohne eigenen Pfarrer – am Herzen. „Die Basis braucht nicht den Papst, um Christ sein zu können. Die Basis ist durch die Taufe Christ und hat damit Gestaltungsmöglichkeit, Verantwortung und Lebendigkeit“, hieß es mit Blick auf die umgedrehte Pyramide. Der zweite Vortrag in der Reihe „Kirche im Dialog“ findet am Mittwoch, 18. September, um 19 Uhr im Schwarmstädter Gemeindehaus Heilig Geist, Alter Heuweg 12, statt. Manuela Weinhardt-Franz, Gleichstellungsbeauftragte des Bistums Hildesheim sowie Monika von Palubicki, Vorsitzende der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum Hildesheim, werden über das Thema „Frau in der Kirche“ sprechen.