Keine Angst vorm „Bauernschreck"

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (v. r.) wird vom Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Vereins Wedemark, Andreas Schröder, begrüßt. Foto: B. Stache
 
Landwirtschaftsminister Christian Meyer (rechts) steht bei seiner Rede auch im Focus der Fernsehkameras. Foto: B. Stache

Landwirtschaftsminister Meyer beim Landwirtschaftlichen Verein Wedemark

Wennebostel (st). Als agrarpolitischer Sprecher der niedersächsischen Grünenfraktion war er im Dezember eingeladen worden, als neuer Niedersächsischer Landwirtschaftsminister nahm Christian Meyer (Grüne) am Mittwochabend im Gasthaus Bludau an der Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Wedemark teil. Dessen Vorsitzender Andreas Schröder begrüßte in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saal neben dem Minister auch die mehr als 120 Gäste sowie zwei Fernsehteams, vom NDR-Hallo Niedersachsen und der Deutschen Welle aus Berlin. Nachdem die geschäftsmäßige Tagesordnung abgehandelt war, das letztjährige Protokoll genehmigt, der Kassenbericht 2012 verlesen und der Kassenprüfer den einwandfreien Zustand der Kasse festgestellt hatte, nahmen die Mitglieder die Entlastung von Vorstand und Kassenwart an. Als neuer Kassenprüfer konnte Cord-Hinrich Backhaus gewonnen werden. Anschließend sprach der Minister als Gastredner zunächst über die aktuellen Lebensmittelskandale: „Zum Schutz der bäuerlichen Landwirtschaft ist es wichtig, sich von den ´Schwarzen Schafen´ zu distanzieren“, lies er seine Zuhörer wissen und fügte an: „Ich hoffe, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zum Erfolg führen, die Veröffentlichung eine abschreckende Wirkung erzielt und klar wird, dass sich alle an Gesetze halten müssen.“ Weitere Themen waren eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln, Streichen von Subventionen für Großbetriebe und Erhöhung der Agrarumweltmaßnahmen. Ziel sei es, die Landwirtschaft nachhaltiger und qualitativ besser zu machen. „Wir wollen viele eigenständige, selbständige Familienbetriebe haben und wir wollen Agrarland Nummer eins bleiben“, erklärte der Landwirtschaftsminister. Zur Gentechnik sagte er, dass es derzeit in Niedersachsen keinen Anbau von Genpflanzen gebe. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung solle „heruntergefahren werden“, so Christian Meyer. Zur Überleitung auf die folgende Diskussion erklärte er: „Über allem steht der Dialog. Es hat sich, glaube ich, während meiner Rede niemand erschrocken, dass das Bild vom Grünen als Bauernschreck nicht so ganz zutrifft.“ Es folgte eine über 75-minütige offene Diskussion, an der sich zwölf Fragesteller beteiligten. Hierbei äußerte sich der Minister unter anderem zu EU-Fördermitteln, der Massentierhaltung, dem Agrarhaushalt, Wasserschutz und ökologischem Landbau: „Konventionelle und ökologische Landwirtschaft soll sich mehr an Qualität und Wertschöpfung orientieren, als bisher. Die Zukunft Niedersachsens liegt in der Qualitätslandwirtschaft.“ Weitere Themen waren die Bewirtschaftung in Wasser- und Landschaftsschutzgebieten, Anbau von Leguminosen, Import von Sojaschrot, die Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln sowie faire Löhne für Landwirte und Perspektiven für den landwirtschaftlichen Nachwuchs. Mit dem Slogan „Landwirtschaft und Verbraucher gemeinsam, wird das Ziel des Ministeriums sein“, verabschiedete sich Minister Meyer unter großem Applaus. Für Vollerwerbslandwirt Cord Henneicke aus Rodenbostel und Mitglied des Vorstandes im Landwirtschaftlichen Verein Wedemark war der Abend mit dem Landwirtschaftsminister ein voller Erfolg: „Ich bin sehr beeindruckt über sein Fachwissen. Er weiß, was wo stattfindet und er weiß, wie das da draußen funktioniert. Kein Praktiker konnte ihm heute Abend widersprechen, er weiß genau wovon er redet.“ Gastgeber Andreas Schröder zeigte sich erfreut, dass der Minister trotz der Lebensmittelskandale den Termin wahrgenommen hatte und lobte dessen Dialogbereitschaft: „Das macht Mut für die Zukunft.“ Zum Abschluss gab er Minister Meyer noch einen Präsentkorb sowie einen abgewandelten Bibelspruch mit auf den Weg: „An ihren Taten sollt ihr sie messen.“