Kinder leiden unter dem Streik

Kinder und Eltern forderten vor der Henstorf-Kita ein sofortiges Ende des Streiks.

Eltern demonstrierten jetzt ihrerseits gegen den Kita-Streik

Bissendorf (awi). Wenn zwei sich streiten, leiden die Dritten, steht auf dem Transparent, dass Kinder und Eltern am Sonnabendmorgen vor der Henstorf-Kita hochhielten. Die Dritten, die leiden, das sind die Kinder. Die zwei, die sich streiten, sind die Erzieher beziehungsweise die Gewerkschaften auf der einen Seite und die Arbeitgeber, nämlich die Kommunen, auf der anderen Seite. "Es reicht", forderten die Eltern mit ihrer Aktion am Wochenende die streitenden Parteien auf, sich endlich zu einigen. Notgruppen hin oder her - die Kinder können nicht verstehen, warum sie nicht in den Kindergarten dürfen, beziehungsweise mit fremden Kindern teilweise in fremden Räumen betreut werden. Die Gemeinde achtet darauf, zumindest vertraute Bezugspersonen anzubieten, aber den Kindern reiche das nicht, betont Maren-Andra Koch. Die selbstständige Zahnärztin schafft nur mit großen Anstrengungen die Betreuung ihrer beidenTöchter zu gewährleisten und sie weiß, dass die mit den Notlösungen nicht glücklich sind. "Dabei bin ich als Selbstständige mit meiner Mutter als Backup noch gut dran", sagt sie. Andere Eltern müssten ihren Jahresurlaub opfern, die Kinder mit ins Büro nehmen oder sogar auf unbezahlten Urlaub ausweichen. Andere arbeiten zurzeit nachts, wenn die Kinder im Bett sind. So berichtet es jedenfalls eine Mutter, die sich gerade erst mit einem Paketservice selbstständig gemacht hat. Ein paar Tage kann man auf diese Weise überbrücken, aber nicht ein paar Wochen. Und ein Ende des Streik scheint nicht absehbar. Die Eltern der Henstorf-Kita hatten ihre Hoffnung auf einen Informationsabend mit der Gemeinde Wedemark gesetzt, doch der wurde kurzfristig wieder abgesagt. "Terminschwierigkeiten des Bürgermeisters und Fachbereichsleiters", habe die Begründung gelautet, bedauert Maren-Andra Koch. Aber sie und ihre Mitstreiter geben die Hoffnung nicht auf, mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen. "Das Problem mit den Notgruppenvereinbarungen ist doch, dass die Erzieher gar nicht arbeiten können beziehungsweise dürfen, selbst wenn sie wollen. Die Vereinbarung mit der Gewerkschaft ver.di besagt, dass die Erzieher sich ihrer Einrichtung nicht einmal nähern dürfen. "Wer nicht streiken möchte, kann bei der Gemeinde Staub wischen, aber den Kindergarten betreten oder gar die Kinder betreuen, darf der oder sie nicht", trifft diese kinderunfreundliche Vereinbarung auf Unverständnis bei den Eltern. Und nicht nur die Krippen- und Kita-Kinder sind betroffen, auch Hortkinder stehen vor verschlossener Tür. "Jetzt reichts", meinen die deshalb ebenso wie ihre Eltern, die eigentlich Verständnis für die Forderungen der Erzieher und Gewerkschaften haben beziehungsweise hatten, deren Geduld aber jetzt am Ende ist.