Kinderfreundliche Wohlfühlgemeinde?

Auch Verwaltungstätigkeiten für die Feuerwehr sind mit einem Kind im Hintergrund nicht ohne Weiteres zu bewältigen, wirbt Hartmut Buer um Verständnis. Foto: Privat

Feuerwehrmann fordert Notgruppenplatz für Kinder von Ehrenamtlichen

Wedemark (awi). „Hätten wir Plätze gehabt, hätten wir die Kinder von unseren ehrenamtlich tätigen freiwilligen Feuerwehrleuten in den KiTa-Notgruppen berücksichtigt. Aber wir hatte diese Plätze nicht. Wir waren schon so nicht in der Lage, allen Angehörigen systemrelevater Berufsgruppen Notgruppen-Plätze für ihre Kinder zur Verfügung zu stellen.
Wenn ein Arbeitgeber „Homeoffice möglich“ angekreuzt hat, hat der- oder diejenigen keinen Platz bekommen können, weil wir in allen kommunalen Einrichtungen hoffnungslos ausgebucht waren.“ So lautet die Antwort von Pressesprecher Ewald Nagel auf die Anfrage des ECHO bei der Gemeinde bezüglich eines Themas, das Hartmut Bauer, langjähriger Aktiver bei der Freiwilligen Feuerwehr Bissendorf zur Diskussion gestellt hat. Nun wird das Thema Notgruppenbetreuung in der Kita – wenn keine neue Corona-Welle kommt – ab Montag zwar der Vergangenheit angehören, aber Bauer ging es hier um eine Grundsatzentscheidung.
„Ich bin seit nunmehr 34 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr in Niedersachen tätig. Als Träger ist unsere „Wohlfühl-“ und „kinderfreundliche“ Gemeinde Wedemark für uns als Feuerwehr zuständig. Wie sehr sie unsere Tätigkeit schätzt, hören wir bei jeder Jahresdienstversammlung und können es auch in der Zeitung lesen. Nun ist der Zeitpunkt, in dem wir unseren Träger brauchen, nämlich für einen Notfallplatz in der Kita – explizit in meinem Einzelfall und jetzt zeigen sich die wahren Errungenschaften eines Trägers, der nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten agiert. Sein Hauptberuf im Vertrieb für Softwareprodukte gilt nicht als systemrelevant.
Auf seine Anfrage, ob das nicht aber für seine Tätigkeit bei der freiwilligen Feuerwehr gelten müsse, wie es in anderen Bundesländern anerkannt sei, erhielt Bauer per E-Mail als Antwort von der Gemeinde am 27. April unter anderem die Aussage: „Weiterhin fällt Ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr nicht in die Gruppe der systemrelevanten Berufsgruppen.“ Er habe dieses dann aus generellem Interesse über das Kultusministerium prüfen und bewerten lassen, mit dem Ergebnis, dass die freiwillige Feuerwehr wohl doch systemrelavant sei, so Bauer gegenüber dem ECHO. Die Gemeinde äußere sich hierzu nicht. „Mich ärgert noch nicht einmal, dass wir keinen Notfallplatz haben, sondern eher die Aussage die ehrenamtliche Tätigkeit der freiwilligen Feuerwehr ist nicht systemrelevant“, sagt Bauer, der unter anderem in der Brandschutzerziehung tätig ist und auch einen hohen Verwaltungsaufwand aufgrund seiner internen Tätigkeiten bei der Feuerwehr zu bewältigen hat.
Die Gemeinde betont ausdrücklich, dass die Anerkennung der Systemrelevanz der Freiwilligen Feuerwehr für sie unstrittig sei. Die Vergabe der Notbetreuungsplätze habe die Gemeinde jedoch nach den vorgegebenen Regeln der Landesverordnung durchgeführt. Deshalb sei nur die hauptberufliche Arbeit und die Definition der Systemrelevanz aus der Verordnung als Grundlage genommen worden. Die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier: „So sehr wir das Ehrenamt und insbesondere unsere Feuerwehr schätzen, konnten wir an dieser Stelle nichts machen. Die Vorgaben waren klar: Gemäß der Vorgaben des Kultusministeriums sollten die Kinder aus Familien in den systemrelevanten Berufsgruppen in den Bestandseinrichtungen untergebracht werden, es sollte keine Durchmischung der Gruppen geben und die Kinder sollten nicht in anderen Räumen untergebracht werden. Das hat unseren Handlungsspielraum nicht nur extrem eingeengt, sondern uns an die Grenzen des Machbaren geführt. Selbst wenn wir den Kreis der Notbetreuungs-Berechtigten um die aktiven Mitglieder unserer Feuerwehren erweitert hätten, an der Landesverordnung vorbei, wäre das Problem nicht gelöst.“
Die Nachfragesei jetzt schon größer als die Möglichkeiten, die der Gemeinde unter den Vorgaben des Landes geblieben seien. Bereits so habe die Gemeinde Eltern aus den relevanten Berufsgruppen ablehnen müssen, weil nicht genug Plätze realisiert werden konnten.
Hartmut Bauer hatte zwischendurch einen Platz für seinen Sohn für neun Tage. Ihm danach zu erklären, warum er jetzt wiede rnichtmehr in die Kita dürfe, sei schwer genug gewesen. Die Familie hat die Situation wie viele andere durch Homeoffice und andere Unterstützung meistern können, doch er habe das Bedürfnis gehabt, hier einmal grundsätzlich Klarheit zu schaffen, begründet Buer seinen Vorstoß.