KinderHabenRechte-Preis 2019

Die Abordnung des Kinderpflegeheims bei der Preisübergabe am Freitag im GOP in Hannover. Foto: Privat

Das Kinder-Pflegeheim Mellendorf wird ausgezeichnet und erhält 4.000 Euro

Mellendorf (awi). Das Kinder-Pflegeheim Mellendorf hat sich beim elften Landeswettbewerb des Deutschen Kinderschutzbundes „Kinder haben Rechte“ unter der Schirmherrschaft der Niedersächsischen Sozialministerin Carola Reimann beworben und am Freitag in Hannover aus den Händen der Ministerin den KinderHabenRechte-Preis 2019 erhalten.
Für das Kinder-Pflegeheim wurden Kinderrechte formuliert, mit denen die Bewohner und ihre Rechte in die besondere Aufmerksamkeit der Bemühungen der Einrichtung gestellt wurden. Diese Kinderrechte werden vom Kinderpflegeheim als laufende Verpflichtung angesehen, an der sich die Einrichtung messen und weiterentwickeln will. Im Kinder-Pflegeheim Mellendorf leben Kinder mit sehr starken Beeinträchtigungen, die eines besonderen Schutzes bedürfen. Das Konzept hat die Jury überzeugt, so dass dem Kinderpflegeheim nun der begehrte Preis im GOP verliehen wurde. Unter dem Motto „Überall sicher sein!“ wurden in diesem Jahr pädagogische Einrichtungen, Organisationen und Vereine gesucht, die Kinder und Jugendliche in ihrem Bildungs- und Betreuungsalltag sowie in ihrer Freizeit begleiten und konzeptionelle Maßnahmen zur Prävention von Gewalt und Missbrauch treffen, damit sie ein möglichst „sicherer Ort“ sind.
„Mit dem KinderHabenRechtePreis wollen wir die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit von Kinderschutz und Kinderrechten sensibilisieren. Kinder brauchen sichere Strukturen. Deshalb haben wir in diesem Jahr vor allem Einrichtungen, Vereine und Organisationen gesucht, die Maßnahmen zur Prävention von Gewalt, Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung entwickeln“, betonte Carola Reimann. Der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Niedersachsen, Johannes Schmidt hob hervor: „Die Beteiligung von Kindern und Beschwerdemöglichkeiten ohne Hürden gerade in der Jugendhilfe und im Verein beugt Gewalt vor, denn wer seine Rechte kennt, kann sie auch einfordern. Wir haben hier super Beispiele für einen aktiven Kinderschutz.“ Carola Reimann, Niedersächsische Sozialministerin und Schirmherrin des KinderHaben-RechtePreises, hat die mit insgesamt 9.000 Euro dotierte Auszeichnung an Vertreter der drei Preisträger überreicht. Mit angereist waren natürlich auch die Kinder und Jugendlichen, denen bei der Preisverleihung im Hannoverschen GOP ein buntes Rahmenprogramm mit vielen artistischen Showeinlagen geboten wurde. Zweiter Preisträger ist das Christophorus-Werk Lingen.
Das Kinder-Pflegeheim Mellendorf ist seit 1952 eine familiär geführte Einrichtung der Eingliederungshilfe, die sich auf die Betreuung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit schweren Mehrfachbehinderungen spezialisiert hat. Die Förderung von Vorschulkindern in Kleingruppen, die Wahrnehmung der Schulpflicht oder die Teilhabe am Arbeitsleben im Rahmen der Tagesförderstätte, gehören ebenso zur Lebensweltgestaltung, wie eine abwechslungsreiche Freizeit. Das Konzept bestehend aus den Grundpfeilern Pädagogik und Pflege wird durch Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie von externen Therapeuten ergänzt. 24 Kinder und Jugendliche sowie zwölf Erwachsene haben hier ein Zuhause. Dazu die Jury: „Wir zeichnen zwei pädagogische Einrichtungen aus, die in ihrer Struktur und Größe sehr unterschiedlich sind und die dennoch eines gemeinsam haben: Sie haben die ersten Schritte auf dem Weg gemacht, mit einem zeitgemäßen Verständnis von Kinderschutz ihre Einrichtung zu einem „sicheren Ort“ zu machen. In beiden Häusern leben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Was macht für sie ein fundierter Schutz aus?
Mit dem Bundeskinderschutzgesetz (2012) hat der Gesetzgeber den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen deutlich hervorgehoben. Dabei bilden die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und die offensive Vermittlung der Kinderrechte ausdrücklich den Kern für eine gewaltfreie Erziehung. Auch ein transparentes Beschwerdemanagement gehört dazu. Und genau hier ist angesetzt worden: Den Kindern und Jugendlichen wurden Räume geschaffen, um sich mit ihren Rechten auseinanderzusetzen.“
Denn es sei grundlegend zu wissen, Rechte zu haben und nicht vom ,guten Willen‘ Erwachsener abhängig zu sein. Und was könne ein junger Mensch tun, wenn ein Recht verletzt wird? Die gemeinsame Ausarbeitung eines transparenten Beschwerdemanagements hätten sich beide Einrichtungen zur Aufgabe gemacht. Wichtig war der Jury, dass hier nicht nur Erwachsene Standards und Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gesetzt haben. Vielmehr werde an einer Kultur der Beteiligung, der Aufmerksamkeit und des Vertrauens gearbeitet. Einen Sonderpreis gab es für den MTV Ramelsloh unter dem Motto „Kinder- und Jugendrechte im Sportverein“.