Klangexpeditionen beim Jazzkonzert

Max Hobohm (von links), Maischa Perdelwitz, Johannes Keller und Matthias Meyer beleben als Quartett MØA den WinterJazz in der Brelinger Mitte. Foto: B. Stache
 
„Die letzte Hoffnung“ mit Hauke Schlüter (von links), Jens Rathfelder, Michael Haupt und Jannik Stock spielen in der Tradition des Free Jazz. Foto: B. Stache

MØA und „Die letzte Hoffnung“ erfüllen Brelinger Mitte mit starkem Sound

Brelingen (st). Der Funke sprang schon bei der Begrüßung durch Dietrich von Mirbach über. Informativ und humorvoll zugleich stellte er am Sonnabend die beiden Bands MØA aus Hannover und „Die letzte Hoffnung“ aus Bremen einem erwartungsvollen Publikum im Clubraum der Brelinger Mitte vor. „MØA verspricht uns heute Abend ausgedehnte Klangexpeditionen. Expeditionen können uns ja helfen, Neues zu entdecken und das Bestehende zu relativieren. So geht es heute Abend vielleicht auch unseren Klanggewohnheiten“, kündigte Dietrich von Mirbach an. Er begrüßte zunächst die Jazzband MØA mit ihren Reiseleitern auf dieser musikalischen Expedition: Max Hobohm am Klavier, Sängerin Maischa Perdelwitz, Johannes Keller (Bass) und Schlagzeuger Matthias Meyer. Die Reise ins Land des Jazz eröffnete Matthias Meyer mit fast schon mystischen Klängen, in die seine Bandmitglieder bald mit einstimmten, allen voran Maischa Perdelwitz mit ihrer markanten Stimme. Die Eigenkomposition „Abstrakt/1024“ kommt wenig später mit einem sehr gefühlvollen, beinahe zärtlich anmutenden Beginn daher, um schließlich in einem fast schon rabiaten Ende auszuklingen. Max Hobohm hat dieses Stück dem Künstler Gerhard Richter gewidmet. Bei „Pavane pour une infante défunte“ von Maurice Ravel überträgt die Band die Melodie eins zu eins. „Wir entwickeln aus der Stimmung heraus eine Improvisation“, beschreibt Max Hobohm. Als Zugabe spielt MØA das Stück „Regen“ – für Sängerin Maischa Perdelwitz ein Naturereignis, das schlechte Gedanken fortspült. Das Quartett war mit einem Repertoire nach Brelingen gekommen, das einen großen melancholischen Anteil birgt. „Wir nehmen uns zugleich die Freiheit, in alle möglichen Richtungen abzudriften – rockig oder auch mal Free Jazz“, fasste Max Hobohm zusammen. Unter den Zuhörern waren auch Nicole Tödten und Florian Zwickler aus Walsrode. „Ich bin großer Jazzfan und war schon häufiger beim WinterJazz in Brelingen zu Gast. Die beiden Gruppen heute kennen wir noch nicht“, erklärte Florian Zwickler. Für den Leiter der städtischen Musikschule Langenhagen, Stefan Polzer, der in Resse wohnt, ist MØA keine unbekannte Jazzband. „Ich habe die Band schon häufiger in Hannover gehört und finde es extrem spannend, was die machen. Es ist fantastisch, was das Team der Brelinger Mitte hier auf die Beine stellt – das hat Format“, lobte er. „Ich bin vor Erwartung schon ganz unruhig.“ Mit diesen Worten kündigte Moderator Dietrich von Mirbach die zweite Band an, „Die letzte Hoffnung“. „Jazz ist auch Hoffnung. Hoffnung auf etwas Neues. Neue Ideen, neue Sounds“, formulierte er zur Vorstellung von Hauke Schlüter (Baritonsaxophon), Jens Rathfelder (Gitarre), Michael Haupt (Kontrabass) und Jannik Stock am Schlagzeug. „Wir spielen ein Konzert in der Tradition des Free Jazz mit klaren Kompositionen“, erklärte Hauke Schlüter. Zum Auftakt hatte „Die letzte Hoffnung“ einen Kanon mit einer sehr eingängigen Melodie gewählt. „Wir haben ihn ´Kommerzielle Verwertbarkeit` genannt, weil er so gut ins Ohr geht“ erläuterte Hauke Schlüter. Seine Band spielte mal düstere und dann wieder heitere Stücke. „Sie alle sollen Hoffnung ausstrahlen“, so der Baritonsaxophonist beim ersten Auftritt der Band in der Brelinger Mitte, die schon in Hannover, Hamburg und Lübeck gastierte. Für große Erheiterung sorgte Hauke Schlüter, als er sein Saxophon „flutete“ und gurgelnde Geräusche aus seinem Instrument zauberte. Er hatte zuvor einen großen Schluck Wasser eingefüllt. „Das alles ist hier nur möglich, weil es so viele engagierte Bürger in Brelingen gibt“, beschrieb die Wedemärker Kulturbeauftragte Angela von Mirbach die Szene. Die Gemeinde könne stolz darauf sein, mit dem WinterJazz so ein tolles Kulturereignis zu haben. Auch die besonderen Lichteffekte beim Konzert konnten sich sehen lassen!