Klimaschutz stand natürlich im Fokus

Interessierte konnten die Podiumsdiskussion auch von zuhause aus am Bildschirm als Lifestream verfolgen. Foto: A. Wiese

Podiumsdiskussion von Fridays4Future sehr interessant und informativ

Bissendorf (awi). „Wir sind die letzte Generation, die die Klimakrise noch abwenden kann. Schauen wir, wie“, leitete Moderatorin Antje Pobloth, unterstützt von Comoderatorin Claudia Schwegmann, die Podiumsdiskussion ein, zu der Fridays und Parents for Future amMittwochabend Vertreter der Parteien ins Bürgerhaus eingeladen hatten. Frei nach dem Motto: „Wir haben noch eine Wahl.“ Auf dem Podium: Walter Zychlinski (SPD), Susanne Brakelmann (CDU), Norbert Bakenhus (Grüne), Erik van der Vorm (FDP), Maggie Garland (Wählergemeinschaft Pro Wedemark), Jörg Woldenga (Wählergemeinschaft Resse) und Martin Schönhoff (Bündnis C).Jeder hatte eine Minute Zeitfür ein Eingangsstatement als Antwort auf die Frage „Wir sind fünf Jahre weiter in 2026, Sie sind gewählt worden, waren an der Macht. Was haben Sie erreicht zur Bekämpfung der Klimakrise?“
Walter Zychlinski: „Der Weltklimarat hat uns Beschleunigung auferlegt, wir müssen auf C02 wirksame Maßnahmen achten, die Emobilität und den Ausbau regenerativer Energie vorantreiben. Sprinti ist eine feste Größe, der Masterplan für Radverkehrsplanung umgesetzt.“
Susanne Brakelmann: „Ich weiß nicht, was ich erreicht haben werde, das ist ja teilweise fremdbestimmt. Wir arbeiten an Radverkehrskonzept, wie kann die Gemeinde Verbesserungen bestimmen, kommunale Bauten energetische überprüfen, alte Ausgleichsflächen anders bewirtschaften? Wir wollen Windkraft und Photovoltaik und 2026 ein Neubaugebiet ohne Gasleitungen.“
Norbert Bakenhus: „Fast die Hälfte des Weges ist zurückgelegt zur klimaneutralen Wedemark, wir haben regenerative Energie, Soldarparks, Hausbesitzer wissen, wie sie gefördert werden, Wärmepumpennachrüstung und der Radverkehr ist deutlich sicherer und angenehmer. Es gibt eine Pendler-App für Fahrgemeinschaften und wir sind vielleicht stolz, das mit einem breitem Bündnis der Vernünftigen und Verantwortungsvollen gemeinsam mit den Bürgern erreicht zu haben!“
Erik van der Vorm: „Ich möchte keinem Hoffnung machen. Herr Bakenhus hat das schön geschildert, aber ich bin sehr skeptisch, ob das in fünf Jahren zu schaffen ist. Beratung der Häuslebauer durch dieGemeinde machen wir schon sehr lange durch die Gemeindewerke, da müssen wir weitermachen. Wir brauchen PV-Anlagen, die Strom aus Sonne filtern, nicht in Baugebieten, sondern an der Autobahn und anderen Straßen, beziehungsweise der Bahn, wo schon Belastung ist. Wir von der FDP werden gleich im neuen Rat diesbezüglich einen Antrag einbringen.“
Maggie Garland: „Ein Schiff, das überfüllt ist, wird sinken. Wir müssen jetzt direkt handeln, Photovoltaik total ausgbauen, vor allem auch als Parkplatzüberdachung und auf den Dächern der Industrieanlagen. Wir haben seit 2019 einen Klimarückstand in der Region, den müssen wir aufholen.“
Jörg Woldenga: „Macht ist für uns nicht das Entscheidende. Wir wollen nicht gegen- oder miteinander streiten sondern füreinander, und das Vorgetragene miteinander erreichen und in finanziell machbare Formen gießen. Wir müssen die Vernässung der Moore beschleunigen und das Thema der alten Müllkippen in den Dörfern in Angriff nehmen.“
Martin Schönhoff: „Der Klimaschutzgedanke ist in der Kommunalpolitik angekommen und spielt bei allen Entscheidungen eine Rolle, mit Flächen wird behutsamer umgegangen, der Fahrradverkehr gefördert. Und vor allem: 2026 fahre ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof Mellendorf und bekomme einen Fahrradständer!“
Fragen aus dem Publikum
Dann erteilte Moderatorin Antje Pobloth den jungen Menschen im Publikum das Wort.
„Seit drei Jahren gibt es eine starke Klimabewegung, zahlreiche Jugendliche engagieren sich dabei. Welche Bedeutung hat für Sie Fridays for Future?“, wollte Martin Hagemeyer von Norbert Bakenhus, Jörg Woldenga und Erik van der Vorm wissen.
Bakenhus: „Fridays for Future hat dazu geführt, dass ich in die Grüne Partei eingetreten bin. Ich habe sie schon immer gewählt, war aber nicht aktiv. Ich habe zwei Kinder, die Tochter ist mit Fridays for Future in Berührung gekommen und hat uns vor Augen geführt, wie untätig wir waren. Dieser Tritt in denHintern hat uns gut getan, und auch der Grünen Partei. Wir haben die Dringlichkeit und den Zeitmangel erkannt, sind richtig angezündet worden.“
Erik van der Vorm: „Wir müssen den jungen Leuten Rederecht in den Ausschüssen geben!“
Moderatorin Antje Pobloth stellte die Frage in den Raum: „Wie können wir den Ausbau regenerativer Energien in der Wdemark stark fördern?“
Walter Zychlinsi: „Solarenergie, auf den Gewerbehallen, aber auch auf privaten Dächern. Da warten viele auf Förderung, wollen auch Agrisolar, da müssen wir sehr aufpassen. Es geht um landwirtschaftliche Nutzfläche, die sollte geschützt werden. Ist der Schutzwert nicht gegeben, könnten dort Schafe weiden.“
Martin Schönhoff: Unser Fokus ist auch Solartechnik. Es ist positiv, dass es keine deutliche Gegenwehr gibt und weitgehend akzeptiertwird. Aber als Landwirt blutet mir ein bisschen das Herz, auch wenn der Boden in Meitze keine hohe Ertragskraft hat. Bei Windenergie hab meine Probleme, wenn es heißt, im Wald neben der Autobahn geht es. Ich bin erstaunt, wie sorglos man an diesen Wald rangeht. Es gibt genug Flächen in der Wedemark, wo es hieß, nur ein Windrad sei möglich. Dem müsste man nachgehen.
Maggie Garland: Mir fehlt das über den Tellerrand gucken. Es gibt wahnsinnige Entwicklungen, gibtTurbinen, die kann man an Laternenpfosten machen, gibt flügellose Windräder.Es ist wichtig, neue Wege zu finden und um die Ecke zu denken. Wir brauchen Elektroladesäulen für E-Autos und müssen die Menschen von dieser Technologie überzeugen.“
„Es gibt immer mehr Wohn- und Gewerbegebiete: Was tun Sie gegen die zusätzliche Belastung durch Staub und Verkehr“, wollte ein Zuschauer wissen.
Susanne Brakelmann: Der Verkehr ist das größte Problem in der Wedemark, es gibt keine einfache Lösung, der Individualverkehr ist zu stark in der Flächengemeinde. Sprinti und Rad sind in Ordnung, aber reicht nicht. E-Autos werden nur langsam mehr. Für die Wedemark ist das eine große Aufgabe, die sie nicht alleine bewerkstelligen kann. Man kann den Verkehr verlangsamen, aber man steht insgesamt ziemlich machtlos da. Uns werden nur Steine in den Weg gelegt, auch die Polizei sagt dann nur, da sind ja keine Unfälle, warum das Tempo reduzieren? Der Umleitungsverkehr von der Autobahn muss hier durch, es gibt keine schnelle Lösung, nur tausende von kleinen Schritten.
Norbert Bakenhus: Wir dürfen Neubaugebiete nur ausweisen, wo Nahverkehr vorhanden ist, dürfen nicht noch mehr Individualverkehr anziehen. Also bauen nicht draußen auf der grünen Wiese, sondern da, wo schon ein S-Bahn-Anschluss ist. Wir unterstützen Sprinti, Lastenfahrräderstationen in den Wohngebieten und appellieren, das Auto öfter stehen zu lassen. Bei Familien müssen wir das Bewusstsein stärken, dass sie keine zwei Autos brauchen. Was mit der Ausweisung des Industriegebiets in Gailhof passiert ist, darf nicht noch mal passieren. Wir müssen viel mehr prüfen vor der Ausweisung. Tempo 30 innerorts ist sowieso Teil des Wahlprogramm der Grünen, und wir wollen mehr Spielstraßen und eine App schaffen für Mitfahrer in der Wedemark, das muss man nicht neu erfinden, das gibt es alles schon. Wir werden Fahrgemeinschaften zur ganz selbstverständlichen Sache machen.
Walter Zychlinski zum Modellprojekt Tempo 30: „Wir sind ganz gut aufgestellt, die meisten Straßen haben das, es gibt viele Spielstraßen. In Elze läuft das gut. Es gab ein Projekt vom Land, auch Durchfahrtstraßen einzubeziehen, das wurde blockiert vom Wirtschaftsminister der CDU.
Moderatorin Anje Pobloth forderte die Zuschauer zu einer Abstimmung zumModellprojekt Tempo 30 auf Durchgangsstraßen innerortsauf. 26 waren dafür, zwölf dagegen.
Erik van der Vorm: „Wior reden über Energieeinsparungen, was hat Tempo 30 mit Energieensparung zu tun? Gar nichts. Sie kriegen den Individualverkehr nicht weg. seit 40 Jahren soll der Güterverkehr auf die Schiene, aber er liegt nach wie vor auf der Straße. Energie einsparen schaffen wir nicht mit Tempo 30, die Leute müssen rein- und rausfahren können in die Pendlergemeinde
Zum Thema Ressourcenknappheit:
Martin Schönhoff: „Ein Landwirt lernt in der Ausbildung: Land ist nicht vermehrbar, kann nur eine Nutzung dafür geben, Gewerbe ja, aber keine riesigen Logistikflächen, da Zuwachs an der gleichen Stelle. Wir leben über unsere Verhältnisse. Wünsche mir Tendenz zurück zur Regionalität, weniger globales Denken.
Susanne Brakelmann: „Die Nutzung einer Fläche kann ganz unterschiedlich erfolgen. Man muss was besseres machen als vorher und was Besseres als auf der versiegelten Fläche.“
Norbert Bakenhus: „Einsparen können und müssen wir bei Wärmegewinn, wie heizen wir Wohnungen und Häuser, Riesenanteil an CO2-Ausstoßen, wir können das nicht erzwingen, aber kommunizieren. Wärmepumpe statt Gasheizung, Effizienzsteigerung und staatliche Förderung, das ist die Zukunft. Wir haben eineKlimaschutzmanagerin in der Gemeinde, aber viele Fakten sind den Leuten hier nicht bekannt!“