Kommt Bewegung in Sachen SuedLink?

Mit ihren Transparenten zogen die Wedemärker durch die hannoversche Innenstadt und machten auf die Diskussion um den SuedLink aufmerksam.

Bürgermeister und Politiker beziehen Stellung zu jüngsten Entwicklungen

Brelingen/Wedemark. Noch am vergangenen Wochenende nahmen rund 40 Aktivisten der Bürgerinitiative Brelinger Berg an einer Demonstration gegen die Sued-Link-Stromtrasse in Hannovers Innenstadt teil. Insgesamt waren gut 400 Protestler dem Aufruf des Bündnisses von Bürgerinitiativen in Niedersachsen für eine menschen- und umweltverträgliche Energieversorgung gefolgt und machten in der Landeshauptstadt ihrem Unmut gegen die Stromautobahn mit ihren 70 bis 80 Meter hohen Masten Luft. Angeführt wurde der Protestzug von 16 Traktoren, die rund um den Hauptbahnhof für große Aufmerksamkeit sorgten und den Innenstadtverkehr vorübergehend zum Erliegen brachten. Auf der abschließenden Kundgebung am alten ZOB machten sich die Redner unter anderem für den Einsatz von Erdverkabelung stark, um die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes in erträglichen Grenzen zu halten. Nun scheint das Thema Erdverkabelung auf Regierungsebene angekommen zu sein, freuen sich die Sprecher der Bürgerinitiative.
Bei einem Spitzentreffen der Regierungskoalition wurde beschlossen, dass bei den Planungen der Suedlink-Stromtrasse der Erdverkabelung zukünftig Vorrang gegenüber der Freileitung eingeräumt werden solle. Damit scheine sich ein Strategiewechsel abzuzeichnen, der nicht zuletzt auf das Engagement zahlreicher Bürgerinitiativen gegen die Stromautobahn mit ihren Megamasten zurückgeführt werden könne. Die Bürgerinitiative Brelinger Berg begrüßt die jüngste Entwicklung, warnt aber zugleich auch vor verfrühter Euphorie, da die Beschlüsse erst noch in die Planungen einfließen müssen. adurch muss aus Sicht der Bürgerinitiative mit massiven Verzögerungen bei der Umsetzung des Suedlink-Projekts gerechnet werden. Noch ist die Stromtrasse Suedlink ALT_091 quer durch die Wedemark, gegen die sich der Protest der Bürgerinitiative Brelinger Berg schwerpunktmäßig richtet, nicht vom Tisch. Informationen zum Thema findet man unter: www.bi-brelinger-berg.de.
Bürgermeister Helge Zychlinski erklärte, nach der Präferierung von Erdkabeln müsse nun entweder sehr stark umgeplant oder noch einmal ganz von vorne begonnen werden. „Im Zuge des Verfahrens sehen wir gute Chancen, dass die Trassenvariante ALT_91 entfällt“, ließ der Bürgermeister über Gemeinde-Pressesprecher Hinrich Burmeister ausrichten.
CDU-Bundestagsabgeordneter Hendrik Hoppenstedt berichtete in einer Presseerklärung, dass auf dem Energiegipfel beschlossen worden sei, dass Erdkabel bei neuen Gleichstromtrassen in der Bundesfachplanung Vorrang erhalten sollten. „Das ist der Durchbruch für mehr Erdverkabelung auch beim SuedLink. Die Bemühungen dafür haben sich gelohnt“, freut sich Hoppenstedt. „Ich bin ziemlich sicher, dass gerade auch der Ballungsraum Hannover erdverkabelt wird, sollte die Trasse dort künftig wirklich verlaufen.“ Die Erdverkabelung von Gleichstromleitungen werde zu mehr Akzeptanz führen. Dadurch könnten Projekte schneller realisiert werden, so der Abgeordnete. Es wäre wünschenswert gewesen, gibt er zu bedenken, wenn der Gesetzentwurf von Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel (SPD) die Erdverkabelung von Gleichstromleitungen von Anfang an großzügiger ermöglicht hätte, so die Ansicht Hoppenstedts. „Ein frühzeitiges Signal für mehr Erdverkabelung hätte den betroffenen Bürgern und Bürgerinitiativen viele Sorgen genommen“, ist der Burgwedeler CDU-Bundespolitiker überzeugt. Zu klären sei nun, ob der Vorrang der Erdverkabelung dazu führe, dass die gesamte Planung für den SuedLink wieder bei Null anfangen müsse. „Im Interesse der Bezahlbarkeit von Strom und der Energiewende sollte der SuedLink zügig fertiggestellt werden“, erklärte Hoppenstedt.
„Ich freue mich sehr darüber, dass sich die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD darauf verständigt haben, dass die Erdverkabelung bei neuen Gleichstromtrassen zukünftig Vorrang vor der Freileitung erhalten wird“, so die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks in einem ersten Statement. Die SPD-Landesgruppe Niedersachen/Bremen hatte sich bereits im Mai klar zum Thema SuedLink und zur Erdverkabelung positioniert: „So haben wir als niedersächsische SPD-Abgeordnete nicht nur gefordert, verstärkt Erdkabel zu verlegen, sondern haben uns auf allen politischen Ebenen dafür eingesetzt, dass der Erdverkabelung Vorrang vor der Freileitung eingeräumt wird. Dieser Forderung sind nun auch die Parteivorsitzenden der Koalitionsfraktionen gefolgt. Mit den Bürgerinitiativen haben wir den notwendigen Druck erzeugt, der nun im Herbst hoffentlich zu einem guten Gesetz führt“, so Marks Partei- und Bundestagskollege Matthias Miersch.
„Die von TenneT in den vergangenen Tagen geäußerte Kritik am Erdkabelkonzept für Stromtrassen weisen wir erneut deutlich zurück. Zeitverzögerungen entstehen – wenn überhaupt – durch die ursprünglich unprofessionelle Herangehensweise von TenneT. TenneT hat bislang immer die Offenheit der Planungen betont, so dass planerisch die neue gesetzliche Vorgabe integrierbar sein sollte. Die Erdverkabelung führt zu deutlich mehr Akzeptanz und wird zu einem schnelleren Ausbau beitragen“, so Miersch und Marks abschließend.