Kommt SuedLink 091 übern Berg?

Im Informationsgespräch mit Bürgerinnen und Bürgern: Harald Platte (stehend v. l.), Jens Lindenburger, Klaus Mencke und Helge Zychlinski. Foto: B. Stache
 
Klaus Mencke (hinten) moderierte die Informationsveranstaltung zu SuedLink in der Brelinger Mitte. Foto: B. Stache

Brelinger Mitte informiert über Höchstspannungsleitung

Brelingen (st). Der Variantenentwurf SuedLink 091 des Stromnetzbetreibers TenneT mit seiner Trassenführung der Höchstspannungsleitung über den Brelinger Berg ruft zunehmend Bürgerinnen und Bürger auf den Plan. Am Mittwochabend trafen sich zirka 70 Interessierte zu einer Informationsveranstaltung des Kulturvereins Brelinger Mitte. Vereinsmitglied Klaus Mencke eröffnete den Abend als Moderator mit dem Verlesen des Abstimmungsergebnisses des Deutschen Bundestages zum Atomausstieg, der am 30. Juni 2011 mit 513 Ja-Stimmen, 79 Nein und acht Enthaltungen beschlossen wurde. „Im März 2011 haben wir Fukushima erlebt. Das hat eine Kette von Reaktionen in Gang gesetzt, unter anderem diesen Ausstiegsbeschluss“, rief Mencke in Erinnerung. Die daraus resultierende Energiewende mit anderen Produktionsformen für Strom und dessen Transport führten zu der heutigen Veranstaltung, machte der Moderator unter dem Thema „Energiewende und Netzausbau“ deutlich. „Es geht heute Abend darum, ein Verfahren verstehen zu können. Wer wann was entscheidet und beschließt und wann wir als Bürger die Möglichkeit haben Einsprüche zu erheben, das soll heute Abend klar werden.“ Von großer Sachlichkeit und inhaltlicher Tiefe zeugten die beiden anschließenden Vorträge von Jens Lindenburger und Harald Platte. Lindenburger behandelte das Thema „Von der Planung zur Genehmigung“. Er lieferte detaillierte Erläuterungen zum Netzentwicklungsplanverfahren. Äußerst sachlich und informativ beleuchtete der Vortragende auch die Arbeitsweise von TenneT und der Bundesnetzagentur, die in Sachen SuedLink das letzte Wort hat. Lindenburger zeigte den aufmerksamen Zuhörern die verschiedenen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung in dem gesamten Verfahren auf. Er verwies auf die Internetseiten von TenneT und der Bundesnetzagentur, die eine erhebliche Informationstiefe böten. Harald Platte trug zu „Bewertungskriterien und Umweltauswirkungen“ sowie „Forderungen aus umweltfachlicher Sicht“ vor. Er erläuterte die Entscheidungskriterien zur Korridor- und Trassenwahl für SuedLink unter den Aspekten Flächennutzung, technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Kosten und Umweltkriterien. Die von TenneT geplante Höchstspannungsleitung halte einen Mindestabstand zu Siedlungsgebieten von 400 Metern im sogenannten Innenbereich und 200 Metern im Außenbereich. Platte zeigte unter anderem die Umweltauswirkungen von Freileitungen, die als Regelbauweise gelten, und zitierte den Paragrafen 1 des Bundesnaturschutzgesetzes, der die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege erläutert. Natur und Landschaft sind danach als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich zu schützen. „Erdkabel können aufgrund der Rechtslage nur bei unvermeidlichen Siedlungsannäherungen unterhalb der 400, beziehungsweise 200 Meter, beantragt werden“, so Platte, der die beiden neuralgischen Punkte bei der Trassenvariante 091 in der Wedemark deutlich hervorhob – Brelinger Berg und Hannoversche Moorgeest. Das Erdkabel könne eine Raumbreite von bis zu zirka 40 Metern beanspruchen. Dies entspricht der Trassenbreite einer sechsspurigen Autobahn, beispielsweise der A7 bei Gailhof, erklärte Harald Platte. Abschließend formulierte er folgende Forderungen: „1. Zur Korridorwahl ist eine nachvollziehbare Auswahl und Begründung der objektiv am besten geeigneten Planungsvariante erforderlich. 2. Die entscheidungserheblichen Bewertungskriterien und ihre Wichtung sind abschnittsbezogen offen zu legen. 3. Berücksichtigung besonderer lokaler und regionaler Werte und Funktionen, zum Beispiel die herausragende Bedeutung des Brelinger Berges als Naherholungsgebiet und der Umbau zu naturnahem Laubwald mit EU-Fördermitteln“. Mit Blick auf die Hannoversche Moorgeest hieß es, dass der Konflikt des Kabelgrabens und seiner Dränagewirkung mit den Zielen des Moorschutzprojektes, der Wasserhaltung im Moorkörper, bislang offensichtlich nicht erkannt und gewürdigt worden sei. „Die Korridorbewertung ist an dieser Stelle entsprechend zu überarbeiten“, lautet eine weitere Forderung. „Die Trassenvariante 091 ist ein Frontalangriff auf die Gemeinde Wedemark“, erklärte Bürgermeister Helge Zychlinski in seiner Stellungnahme am Abend in der Brelinger Mitte. Sie zerschneide das Gemeindegebiet komplett in der Mitte. „Sie nimmt uns das, was uns extrem wichtig ist, unser Landschaftsbild“, machte Zychlinski deutlich. Er erläuterte die Maßnahmen, die derzeit von der Gemeinde ergriffen würden, um „091“ zu verhindern: Resolution des Rates, fachliche Stellungnahme für das Beteiligungsverfahren, Einholung eines Rechtsrats zu dem Verfahren und Vernetzung mit anderen Kommunen. Die Wedemärker sollten alle an einem Strang ziehen und damit ein starkes Signal an die Bundesnetzagentur senden, wünschte sich der Bürgermeister. Er warb zugleich um rege Beteiligung an der SuedLink-igzk Infoveranstaltung am Donnerstag, 22. Januar, im Forum des Schulzentrums Mellendorf. Ab 17 Uhr wird TenneT über Trassen und Verfahren informieren und um 18 Uhr beginnt eine Podiumsdiskussion mit Bürgermeister Helge Zychlinski, dem SuedLink-Projektleiter Dr. Christoph Thiel, Karl-Heinz Müller (Bürger für Resse), Dr. Solveigh Janssen von der Region Hannover sowie einem Fachanwalt für Öffentliches Recht. Nach angeregter Diskussion und dem offiziellen Ende am Mittwochabend in der Brelinger Mitte folgten noch viele Einzelgespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern.