Kompromiss zu Schuleinzugsbereich

Klaus Schroth, Elternvertreter aus Gailhof, appellierte im auf Grund der Pandemie-Auflagen reduzierten Rat vergeblich an die Mitglieder, den Schuleinzugsbereich für die Grundschule Hellendorf, nicht zu ändern. Foto: A. Wiese

Gailhofer Grundschüler werden erst mal nur 2020 in Mellendorf eingeschult

Mellendorf (awi). Mit fünf Gegenstimmen hat der Rat am Montagabend beschlossen, dass sechs Gailhofer Erstklässler in diesem Jahr nicht in der Grundschule Hellendorf, der Gailhof seit 20 Jahren durch einen Schulbezirk zugeordnet ist, eingeschult werden, sondern in der Grundschule Mellendorf. Eltern und die Hellendorfer Schulleitung hatten sich dagegen ausgesprochen, Elternvertreter baten auch im Rat am Montag noch einmal darum, die Entscheidung auszusetzen beziehungsweise nicht so zu beschließen, fanden aber kein Gehör. Der Beschluss, gegen den im durch Pairing-Abkommen reduzierten Rat die Vertreter von FDP/Bündnis C, WWR, WGW und AfD stimmten, war schon ein Kompromiss. Ursprünglich hatte die Große Koalition aus CDU und SPD den Schulbezirk dauerhaft ändern wollen, ruderte nun zurück und beschränkte die Entscheidung auf dieses Jahr.
Hintergrund ist, dass an der Grundschule Hellendorf ein zweiter Jahrgang zweizügig geführt werden müsse, wofür nach Ansicht der Verwaltung die räumlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Ein Jahrgang ist bereits zweizügig, dafür hatte die Gemeinde einen Klassenraum angebaut. Bis dieser fertig war, wurde die zusätzliche Klasse im von den Eltern hergerichteten Werkraum unterrichtet. Schulleiterin Ina Gerken hatte auch diesmal versichert, eine Lösung hinzubekommen. Verwaltung und CDU/SPD sowie Grüne sahen das jedoch anders. Da die Schülerzahlen gerade für die kleinen Grundschulen jedoch schwer voraussehbar sind, einigte man sich darauf, die Zahlen für das nächste Jahr erst einmal abzuwarten. Der Verwaltungsausschuss hatte bezüglich der Schulbezirksänderung für Gailhof bereits im April einen Notfallbeschluss gefasst, der von den Eltern scharf kritisiert worden war. Nach einer kontroversen Diskussion im Bildungsausschuss hatte sich die Große Koalition dann zu dem Kompromiss für dieses Jahr bewegen lassen. Eine Mutter und Elternvertreter Klaus Schroth hatten die wichtigsten Argumente der Gailhofer Eltern im Rahmen der Einwohnerfragestunde im Rat noch einmal angesprochen, wie gesagt, ohne den gewünschten Erfolg. Schroth bezeichnete den Kompromiss nach der Sitzung jedoch als einen Teilerfolg. Der Hellendorfer Ratsherr Martin Schönhoff hatte noch einmal darauf hingewiesen, dass das Thema die Bürger sehr berühre. Gailhof und Hellendorf seien seit vielen Jahren eine gewachsene Gemeinschaft mti positiven Effekten. Die Kooperation habe sich bewährt. Als sich die Situation vor zwei Jahren bereits einmal zugespitzt habe, habe man mit vereinten Kräften und gutem Willen auch eine Lösung gefunden. Schönhoff kritisierte, dass die Eltern diesmal gar nicht mit einbezogen, sondern vom Notfallbeschluss des Verwaltungsausschusses im April überrascht worden waren.
Elternvertreter Klaus Schroth führte gegenüber dem ECHO aus, die Eltern bedauerten sehr, dass es nicht gelungen sei, Transparenz in die Beschlüsse der Gemeindeverwaltung, explizit des Schulträgers zu bringen und eine Beteiligung der Betroffenen in diesem Verfahren vorsätzlich unterbunden worden sei. „Im Zuge der Einführung der Ganztagsschule in Hellendorf, wurde vor zwei Jahren ein Klassenraumanbau in der Grundschule am Steinkreis begonnen und damit auch die Möglichkeit geschaffen, erstmalig die Grundschule zweizügig aufzustellen um weiterhin allen interessierten Hellendorfer und Gailhofer Kindern die Beschulung im Anschluss an die Zeit im Hellendorfer Kindergarten Spatzennest zu ermöglichen“, erinnerte Schroth. Die Schulplanung beginne für Eltern nicht mit dem Schuleintritt ihrer Kinder, sondern in der Regel mit der Auswahl des Kindergartens in Schulnähe.
Hier würden in den drei Jahren vor der Schule soziale Kontakte zwischen Kindern und Eltern aufgebaut und hier entwickelten sich die ersten Freundschaften und Beziehungen für das spätere Schulleben. Eben diese Beziehungen seien es, die sechsjährigen Kindern das Vertrauen und die Stabilität geben würden, den „Umzug“ von Kindergarten in die Schule sicher zu bewältigen.
Wenn wir nun einmal den Verlauf der Entscheidung des Schulträgers betrachten, völlig unerwartet und ohne jegliche Beteiligung der Betroffenen den Schulbezirk zu ändern, wird deutlich, dass nicht nur Fristen missachtet wurden, sondern die Corona-Krise als Argument für eine „Notentscheidung“ herangezogen wurde“, so die Kritik von Elternvertreter Schroth. Die Schülerzahlen für das aktuelle Schuljahr seien dem Schulträger bereits im November 2019 durch die Schulleitung der Grundschule Hellendorf bekannt gemacht worden und dennoch habe es bis April 2020 gedauert, sich dieser Thematik seitens des Schulträgers anzunehmen. Dieser habe dann unter dem 16.04.2020 – ohne jegliche Beteiligung eines Fachausschusses – in einem Eilbeschluss nach § 89 NKomVG beantragt, bereits am 20.4.2020 zu beschließen, den Schulbezirk Hellendorf/Gailhof zu ändern. Dieser Beschluss habe sowohl bei den betroffenen Eltern und ihren Kindern als auch bei der Schulleitung der Grundschule, bei Eltern- und Lehrervertretern Unverständnis ausgelöst. In der Sitzung des Bildungsausschusses am 9. Juni sei deutlich geworden, wie sehr dieser Beschluss alle Betroffenen belaste. Sowohl Carsten Wandtke als Ortbürgermeister von Hellendorf, Ira Gehrken als Schulleiterin der Grundschule, Mario Stumpf als Vertreter des Gemeindeelternrates und Peter Lönnecke als Leiter des DRK-Kindertagesstätte hätten sich für die Fortführung der gemeinsamen Betreuung von Gailhofer und Hellendorfer Kindern in KiTa und Schule ausgesprochen und wie auch andere Mandatsträger auf die über mehr als 40 Jahre gewachsenen Strukturen zwischen den beiden Wedemärker Ortsteilen verwiesen. Ira Gehrken erklärte zudem, die zweizügige Beschulung in Hellendorf im laufenden Jahr anbieten und umsetzen zu können, nicht zuletzt aufgrund des nunmehr fertiggestellten Anbaus eines fünften Klassenraumes.
Dennoch habe sich die Große Koalition geschlossen gegen eine Verlegung der Entscheidung und die Beteiligung der Eltern ausgesprochen. Insbesondere nach den Investitionen in den neuen Klassenraum und dem klaren Bekenntnis der Schulleitung zur Zweizügigkeit erscheine diese Entscheidung nicht nachtvollziehbar, so Elternvertreter Schroth. Die Zuweisung der Gailhofer Kinder nach Mellendorf werde nicht zwangsläufig deren Einschulung in dieser Grundschule zur Folge haben, weil die Grundschule Mellendorf noch kein Ganztagsschulangebot biete, so der Hinweis von Schroth. Somit würden Eltern, die sich an diesem landespolitisch gewolltem Konzept orientiert hätten, nunmehr entweder in Elze, Brelingen oder Bissendorf einschulen müssen. Es bleibe mehr als ein schaler Beigeschmack, bedauerte er: Nach wie vor gelinge es der Verwaltung nicht, eine strukturierte und transparente Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten und Grundschulen zu erstellen, um auf diesem Wege, die seit Jahren regelmäßig auftretenden Härtefälle auf ein absolut unvermeidbares Minimum zu beschränken. „Noch weniger aber finden wir in dieser Gemeinde den Weg in einen zeitnahen und offenen Dialog mit den Betroffenen, um mit größtmöglicher Transparenz und Bürgerbeteiligung aufkommenden Härten bereits in der Entstehung zu begegnen“, bedauerte der Elternvertreter. Vor neun Monaten hätten durchaus Spielräume in den Entscheidungen um die Schulbezirke gemeinsam mit verantwortlich handelnden Eltern erarbeitet und begründet werden können, „heute hingegen blicken wir auf Kinder, die bereits durch Corona monatelang ihrer sozialen Kontakte beraubt werden, um sich dann sozusagen nahtlos in einer ihnen völlig fremden Schulumgebung ohne ein bekanntes Gesicht einfinden zu müssen“.