Kriegsenkel – Trauma in zweiter Generation

Fredy Krause (von links), Anette Winkelmüller, Olaf Mussmann, Heike Pfingsten-Kleefeld und Rolf Zick bei der Podiumsdiskussion im Mehrgenerationenhaus.

Sehr gut besuchte Podiumsdiskussion im MGH Mellendorf

Mellendorf. Das Thema schien vielen unter den Nägeln zu brennen. Die Podiumsdiskussion kürzlich im Mehrgenerationenhaus Mellendorf war sehr gut besucht. Die Menschen kamen, um sich damit auseinanderzusetzen, wie ein Krieg nicht nur die betroffene Generation beeinflusst, sondern auch die nachfolgenden.
Fredy Krause, Jahrgang 1959 und selbst Kriegsenkel, lud dazu als Organisator des Abends drei Generationen ein, welche etwas über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichteten: Rolf Zick, Jahrgang 1921, berichtete von seinen Erfahrungen aus dem Krieg und warum er danach über seine Erlebnisse geschwiegen hat. Anette Winkelmüller, Jahrgang 1937, sprach über ihre Kindheit im Krieg und darüber, welche Werte und Weltanschauungen sie auf Grund ihrer Erlebnisse an ihre Kinder weiter gegeben hat. Als ärztliche Psychotherapeutin konnte sie auch fundiert erklären, was ein Trauma eigentlich ist und was es für die Betroffenen bedeutet. Schließlich vertrat Heike Pfingsten-Kleefeld, Jahrgang 1961, die Generation der Kriegsenkel. „Ich habe eines Tages im Garagenhof aufgeräumt und dachte so bei mir, ich sollte den Kinderwagen nicht wegwerfen, falls wir mal fliehen müssen“. Der Gedanke erschien ihr damals absurd. Erst später stieß sie auf den Begriff Kriegsenkel und stellte fest, dass sie mit solchen Gedanken nicht alleine ist. „Es hat mich beruhigt, dass es so viele Menschen gibt, denen es genau so geht wie mir.“
Olaf Mußmann führte mit sehr viel Gelassenheit durch den Abend und zeigte sich sehr erfreut über das große Interesse. Nach gut einer Stunde gab er den Zuschauern Gelegenheit, selbst ihre Ansichten darzulegen und Fragen zu stellen, was rege genutzt wurde. Wahrscheinlich hätte es noch mehr Redebedarf gegeben, aber einmal muss jede Veranstaltung auch zu Ende gehen. Fredy Krause bedankte sich herzlich bei den drei Rednern und dem Moderator und sprach in seinem Schlusswort die Hoffnung aus, das mit mehr gegenseitigem Verständnis und Mitgefühl das Band zwischen den Generationen auch zukünftig erhalten bleiben möge, wo gerade bei schwierigen Themen gemeinsames Reden oft heilsam ist und Familien aneinander näher zusammenbringt.
Diese Veranstaltung zeigt auch, dass Ehrenamt nicht immer mit einer dauerhaften Tätigkeit in einem Verein einhergeht. Viele Veranstaltungen dieser Art wären ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen nicht möglich. Aufgrund der großen Nachfrage nach der Veranstaltung erscheint eine Fortsetzung der Reihe zu diesem Thema derzeit nicht ausgeschlossen.