Krolls feiern heute diamantene Hochzeit

Spielen noch immer gerne eine Partie Malefiz: Hans-Joachim und Christa Kroll in ihrem gemütlichen Häuschen in Bennemühlen. Fotos: A. Wiese
 
Ihre beiden Enkel sind ihr ganzer Stolz: Regelmäßig kommt der nach Köln „ausgewanderte“ ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Sven Sobanski (links) nach Hause nach Bennemühlen zu seiner Familie. Von seinem Cousin René (rechts) haben seine Großeltern noch ein wenig mehr.

Ihr ganzes Leben lang haben die Eheleute aus Bennemühlen sehr viel gearbeitet

Bennemühlen (awi). Heute vor genau 60 Jahren haben sich Christa und Hans- Joachim Kroll aus Bennemühlen das Ja-Wort gegeben. Als sie gemeinsam das Hochzeitsbild betrachten, werden Erinnerungen wach. „Weißt du noch, dein weißes Kleid war schwarz gesprenkelt von dem Dreck, den die Pferde vor der Kutsche auf dem Weg zur Kirche in Brelingen hochwarfen“, schmunzelt der 84-Jährige. Seine 82-jährige Frau wird wehmütig, als sie die Schwarz-Weiß-Fotografie betrachtet: „Mein Bruder und seine Frau erleben diesen Tag nun nicht mehr.“ Eine Doppelhochzeit wurde nämlich damals in Bennemühlen gefeiert, mit rund 30 Gästen. Soviele werden es heute nicht sein, wenn sich Verwandte und gute Bekannte im doch recht kleinen Kreis zum Mittagessen in der „Witwe Bolte“ treffen. Die Familie, die immer sehr eng zusammengehalten hat, hat den Tod der Tochter Christel im vergangenen Jahr noch nicht verwunden.
Mit der Tochter, Schwiegersohn Wolfgang und Enkel Sven haben Hans-Joachim und Christa Kroll immer unter einem Dach gewohnt, unter dem Dach des Hauses, das sie in den 70er Jahren mit eigenen Händen gebaut haben. Die zweite Tochter Gabriele wohnt mit ihrer Familie gleich nebenan. „Familie“ – das ist das Wichtigste im Leben von Christa Kroll. Daran lässt sie keinen Zweifel. Dafür hat sie solange sie denken kann sehr hart gearbeitet, im Haushalt, im Garten und in der Landwirtschaft. Christa Kroll stammt aus Bennemühlen, das mittlerweile aber auch ihrem in den Kriegswirren aus Ostpreußen geflohenen Mann zur vertrauten Heimat geworden ist. „Ich bin in Langenau im Kreis Rosenberg geboren“, erzählt er. Als Sohn eines Viehhändlers wuchs er auf dem Land auf, floh mit der Mutter im Februar 1945 mit Pferd und Wagen und kam nach Soltau. In der Heide machte er erst eine Land-
arbeiterlehre, später noch eine
zweite landwirtschaftliche Ausbildung. 1953 führte ihn eine Anstellung auf das Gut von Bothmer in Bennemühlen. Hier traf er seine Christa, die in Bennemühlen aufgewachsen und zur Schule gegangen war und als Haus- und Landmädchen gearbeitet hatte. Kurz war sie zwischendurch mal in Wagenfeld bei Diepholz, kam dann zurück aufs Gut, wo sich das junge Paar kennenlernte. „Wir waren uns schnell einig, haben schon 1954 geheiratet. Schließlich war unsere Tochter unterwegs“, verraten sie. Die Hochzeit wurde bei den Eltern auf der Diele gefeiert, doch dann verließ das frischgebackene Paar Bennemühlen zunächst, lebte in Bassel bei Soltau und kam 1959 wieder zurück nach Bennemühlen. „Ich hatte Heimweh“, gesteht Christa Kroll. Ihr Mann verdiente als Lastwagenfahrer den Lebensunterhalt für die Familie. Als sein Vater starb, holte das Ehepaar seine Mutter zu sich und legte mit dem Erbteil den Grundstock für das eigene Häuschen, das das Ehepaar fast ausschließlich in Eigenleistung errichtete. „Wir waren damals fast die ersten, die in der Straße An der Mergelkuhle bauten“, erinnern sie sich. Das Haus wurde zum „Mehrgenerationenhaus“: Erst lebten Krolls hier mit ihrer Mutter und den zwei Kindern, später blieb Tochter Christel mit ihrem Mann und ihrem Sohn bei den Eltern. Hans-Joachim Kroll fuhr lange Lkw, arbeitete die letzten Jahre vor seiner Pensionierung aber im Lager. 1987 musste er nach einem Herzinfarkt und einer Bypassoperation kürzer treten. „Wenn wir auch keine großen Sprünge machen konnten, wir sind immer gerne gereist“, erzählen beide: mit dem Käfer in den Schwarzwald zum Zelten, zu diversen Zielen in Deutschland und den Nachbarländern wie Österreich. Auch seine frühere Heimat im heutigen Polen hat Hans-Joachim Kroll einmal besucht. Er hat sich ganz der Feuerwehr verschrieben, war dort 36 Jahre Schrift- und Kassenwart sowie 22 Jahre als Maschinist tätig. Gemeinsam haben beiden gekegelt und leidenschaftlich gern zu sammen Malefiz gespielt. Sein Hobby waren Laubsägearbeiten wie Schwibbögen und Fensterbilder, ihres Handarbeiten und Kreuzworträtsel. Bei der Hausarbeit unterstützt Hans-Joachim Kroll seine Frau: Er saugt Staub und schält auch Kartoffeln und macht noch viel im Garten, sie kocht, Schwiegersohn Wolfgang kümmert sich jeden Morgen ums Frühstück. Tochter Gabriele unterstützt die Eltern tatkräftig im Haushalt. So hat jeder in der Familie seine Aufgabe. Und eins ist beiden ganz wichtig: „Wir gehen seit 60 Jahren jeden Abend gemeinsam schlafen!“