„Künstler brauchen auch Einnahmen“

„Das ist doch zum An-die-Decke-Gehen“: Malbildhauer Ulrich Saloga hat es als freischaffender Künstler ohnehin nicht leicht. Doch jetzt in Corona-Zeiten kämpft er wie viele andere Gewerbetreibende um die nackte Existenz.
 
Von wegen „Das geht auf keine Kuhhaut“! Malbildhauer Ulrich Saloga hat das Gegenteil bewiesen. Er hat mehrere seiner farbenfrohen Bilder auf echte Kuhhäute gemalt.Fotos: A. Wiese

Malbildhauer beteiligt sich am „local support“ – bisher ohne spürbare Resonanz

Mellendorf (awi). Eigentlich hätte Malbildhauer Ulrich Saloga aus Bissendorf-Wietze mit Atelier am Industrieweg in Mellendorf in den letzten Wochen seit Ostern eine Ausstellung mit dem Titel „Wege“ in der St.-Michaelis-Kirche in Bissendorf gehabt. Eigentlich. Wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre. „Dieses Wort ist leider Teil meines Lebens geworden“, sagt der sonst so lebensfrohe Künstler deutlich niedergeschlagen im Gespräch mit dem ECHO.
Nicht, dass er die Krankheit hätte, nein, jedoch ist es seit dem Ausbruch der Pandemie und dem Lockdown in seinem Atelier im Obergeschoss des Hinterbaus der Möbeltischlerei Horst sehr still geworden.
Ausstellung verschoben
„Ich habe eine Ausstellung in Celle eröffnet, die jetzt leider ruht. Die Ausstellung in der evangelischen Kirche ist in den Herbst verschoben. So verirrt sich jetzt niemand mehr in mein Atelier, obwohl ich fast täglich geöffnet habe“, sagt Ulrich Saloga traurig. Er beteiligt sich an der Aktion der Gemeinde, support local. „Doch jedermann denkt, es geht nur um die Geschäftsleute. Doch es gibt auch Künstler hier vor Ort, die überleben möchten. Ich stehe in Kontakt mit Wirtschaftsförderin Antonia Hingler, habe Plakate und Karten mit Sonnenblumen-Samen der gemeinsamen Aktion der Gewerbevereine und der Gmeiende im Atelier, doch es hilft mir nicht.“ Künstler brauchen nicht nur Dank und Anerkennung und das Eingestehen, wie wichtig Kunst in der Gesellschaft ist, gibt Ulrich Saloga zu bedenken, sondern auch reale Einnahmen.
Wenn man mit dem Gedanken spiele, seine Wände neu zu gestalten, geben es nicht nur Möbelhäuser oder überregionale Galerien, sondern auch professionell und lokal arbeitende Künstler vor Ort, die ihre Werke meist preiswerter anbieten können und auch gerne auf spezielle Wünsche eingehen. „Und was viele gerade im gewerblichen bereich oft nicht bedenken: Kunst kann man von der Steuer absetzen“, erinnert der Malbildhauer, der als professioneller Künstler auch Auftragsarbeiten erledigt. „Ein Künstler berät, erstellt ein Konzept oder baut zum Beispiel Leinwände nach Maß für das Selbergestalten“, berichtet Saloga und mahnt: „Die Unterstützung der Gewerbetreibenden vor Ort sollte auch den Kreativbereich einschließen.“ Denn finanzielle staatliche Hile sichere das Überleben der Künstler nicht, Käufe aber schon. Ulrich Salogas Quintessenz: „Besucher sind erwünscht, Käufer sind noch besser.“
„Die Kunst hat mich gerettet“
Die Auswahl bei dem 62-jährigen Autodidakten ist groß. „Die Kunst hat mich gerettet, das möchte ich weitergeben“, savt ervon sich selber. Mit 48 Jahren habe eran einem beruflichen Wendepunkt gestanden. Damals habe ihm der Zufall einen Pinsel in die Hand gegeben. Und das Malen ermöglichte ihm, wieder nach vorne zu schauen. In seinem für jeden offenen Atelier in der Industriestraße sprüht er vor Begeisterung für dieKunst, die ihn so jung hält. „Ich bin fanatisch, experimentell und bruache keine Anleitung. Ist die Idee da, dann muss ich das machen“, schildert Saloga. „Das“ sind abstrakte Werke in Öl und Acryl, vom normalen viereckigen Bild über Sonderformate, Bilder ohne rechten Winkel, dreidimensionale Werke, beweglich, auf Lederhaut gemalt, bis hin zu Skulpturen aus Pappmaché, Objekten aus Keilrahmen sowie Bilder für den Außenbereich. So wollte er sich auch in der Bissendorfer Kiche präsentieren und einen Teil des Verkaufserlöses wie von allen seinen Werken an den gemeinnützigen Verein EinDollarBrille spenden. Über den war auf Grund eines Zeitungsbereichtes gestolpert und ist seitdem von der Idee total fasziniert: Mehr als 150 Millionen Menschen weltweit bräuchten eine Brille, können sich aber keine leisten. Kinder können nicht lernen, Erwachsene nicht arbeiten und für ihre Familien sorgen. Der dadurch bedingte Einkommensverlust dieser Menschen leigt bei rund 120 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der Verein EinDollarBrille möchte das ändern. Die EinDollarBrille wird auf einer einfache Biegemaschine vor Ort hergestellt für Materialkosten von rund einem US-Dollar.
Hilfe für Verein EinDollarBrille
Der Brillenrahmen besteht aus flexiblem Federstahldraht. Er ist sehr leicht, aber gleichzeitig extrem robust und dadurch optimal geeignet für den Einsatz in den oft rauen Umweltbedingungen in den Entwicklungsländern. Farbige Perlen verleihen ihm ein hübsches Design. Die Brillengläser bestehen aus Polykarbonat mit gehärteter Oberfläche. Sie sind bruch- und kratzfest. Das Basissortiment setzt sich aus 25 verschiedenen Gläsern in Stärken von -6,0 bis +6,0 Dioptrien zusammen. Die fertig vorgeschliffenen Glälser könnenleicht und mit nur einem Handgriff in den Rahmen eingeklickt werden. Teure Fräsmaschinen und elektrischer Strom sind nicht notwendig. Ulrich Saloga ist überzeugt von diesem System und unterstützt den Verein, in dem alle ehrenamtlich arbeiten, finanziell und durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Saloga freut sich besonders, dass auch die Kirchengemeinde St. Michaelis in Bissendorf bereit ist, den Verein im Rahmem der geplanten Ausstellung zu unterstützen. So darf er ausnahmsweise eine Spendendose für den Verein aufstellen und auch eine Kollekte soll speziell der „EinDollarBrille“ zugute kommen.
Sammeldose und Kollekte
Und das ist einer der Gründe, warum der Künstler so traurig ist, dass die Ausstellung nicht zustande gekommen ist. „Alles war geplant. Ich wollte donnerstags nachmittags, wenn beim Landmarkt viele Menschen zum Amtshof kommen, vor Ort an meinem Banner malen, die Kirche sollte von 15 bis 18 Uhr geöffnet sein. Ein großes Plakat sollte außen an der Kirche hängen, ein Kreuz über dem Eingang. Dass nach der corona-bedingten Absage der Ausstellung ind er Osterzeit ein kleines Kreuz von ihm neben dem Eingang hing, hat Ulrich Saloga sehr gefreut. Überhaupt Kirche – „eigentlich hatte ich dazu gar keine Beziehung. Dann habe ich Pastor Tors-ten Buck kennengelernt, habe aus Neugier mal eine Taizé-Andacht mit ihm besucht. So habe ich Kirche noch nie erlebt. Mittlerweile habe ich einen Schlüssel, schließe die Bissendorfer Kirche montags und sonnabends auf und zu, damit tagsüber Menschen den Vorraum betreten und dort beten können.“ Es habe sich viel verändert in den letzte Wochen und nicht nur zum Negativen, sinniert Ulrich Saloga und darum hofft er auch auf einen Umkehrtrend, was das Interesse an seiner Kunst betrifft, die er liebt und von der er lebt.