Kultursommer-Konzert in Brelingen

Arkady Shilkloper (rechts) stimmt bei „Kornblume“ das Alphorn an, Vadim Neselovskyi folgt ihm am Klavier. Foto: B. Stache
 
Pianist Vadim Neselovskyi bildet mit Arkady Shilkloper (Waldhorn) das Duo LUSTRUM. Foto: B. Stache

In der St.-Martini-Kirche sorgen Klavier und drei Hörner für den guten Ton

Brelingen (st). Dass sich Waldhorn, Flügelhorn oder auch Alphorn mit einem Klavier zu einem musikalischen Hochgenuss vereinen können, bewiesen am Sonntagabend die Musiker Arkady Shilkloper (Wald-, Alp- und Flügelhorn) und Vadim Neselovskyi (Piano). Beim Konzert im Rahmen des Kultursommers der Region Hannover brachten die beiden, die seit 2011 als Duo LUSTRUM auftreten, in der gut besuchten St.-Martini-Kirche Brelingen eine Mischung aus Klassik, Jazz, Folklore und Experiment zu Gehör und begeisterten mit ihren Eigenkompositionen von Beginn an. Das Konzert wurde vom Orgelbauverein St. Martini Brelingen ausgerichtet. Vereinsmitglied Dietrich von Mirbach dankte zu Beginn allen Helfern, die dieses Konzert erst ermöglicht hätten. Dank richtete er auch an die Stiftung Kulturregion Hannover, die Gemeinde und den Orgelbauverein für deren finanzielle Unterstützung. Nach Vorstellung der Musiker und ihrer Instrumente, vor allem des Alphorns, wurde der musikalische Abend mit dem Stück „Song for Vera“ eröffnet. Pianist Vadim Neselovskyi begann seine Komposition mit ersten zarten Tastentönen aus einem Mix von Klassik und Jazz. Wenig später stimmte Arkady Shilkloper mit seinem Waldhorn ein. Das Stück nahm kraftvoll Fahrt auf, wechselte zwischendurch zu einem starken Klaviersolo, um abschließend mit dem wohl abgestimmten Spiel beider Instrumente ruhig zu enden. Bei „Get Up and Go“ wechselte Arkady Shilkloper im Stück auf Flügelhorn und imitierte damit den surrenden Flug einer Fliege. Von diesem Musikstück aus der Feder von Vadim Neselovskyi soll ein Appell zum Aufstehen und Weitermachen ausgehen – in allen Lebenslagen – erklärte der Pianist. Sehr gefühlvoll schloss sich „Last Snow“ an, das mit eher sanften Tönen an leichten Schneefall erinnerte. Mit seinen ruhigen Passagen ließ das Stück den Zuhörer in eine tief verschneite Winterlandschaft eintauchen. „Meine Musik basiert auf verschiedenen Einflüssen aus der Klassik, dem Jazz und der Volksmusik meiner ukrainischen Heimat“, berichtete Vadim Neselovskyi. Nach „Intrada“, das Arkady Shilkloper, der aus Russland stammt, auf seinem Waldhorn mit einem „Weckruf“ startete, spielte das Duo „Invention“, eine Variation über die dreistimmige G-Moll Invention von J.S. Bach. „Sie werden spüren, wie das Stück von seinem Ursprung bis ins Jahr 2019 gebracht wird. Damit stellen wir die Verbindung vom Alten zum Neuen her“, kündigte der Pianist an. Den Musikern gelang der Wechsel von Bachs klassischer Musik zu modernen, dezenten Jazzelementen und wieder zurück zur Klassik – einmal auch ganz abrupt, zur großen Freude der Konzertgäste. Nach der Pause entführte das begabte Duo seine Gäste mit „Station Taiga“ musikalisch in die tief verschneite russische Landschaft Sibiriens. „Ich arbeite an einem Klaviersolo, es heißt Odessa, wie meine Heimatstadt“, erklärte Vadim Neselovskyi. „Odessa Hauptbahnhof“ trug er dann auch als Solo vor – das turbulente Bahnhofstreiben spiegelte sich in seinem Klavierspiel eindrucksvoll wider. Dabei bewies Vadim Neselovskyi besonders seine ganze Bandbreite pianistischer Fähigkeiten. Im folgenden Stück „Kornblume“ stimmte Arkady Shilkloper das Alphorn an, gefolgt von dezenten Klaviertönen. Den Abschluss des Konzertprogramms bildete „Almost December“ – eine Erinnerung an stressige Weihnachtsvorbereitungen, denen aber auch eine unglaubliche Stille innewohnen kann, wie sie der Pianist einst im vorweihnachtlichen Dortmund erlebte. Diese winterliche Stille vermittelte das Duo mit Klavier und Waldhorn mitten im August in St.-Martini-Brelingen. Die Konzertgäste forderten mit viel Applaus eine Zugabe und wurden mit „Her First Dance“, Klavier und Flügelhorn, belohnt. Der gelungene Konzertabend in Brelingen war äußerst anspruchsvoll – auch für den Hornisten. „Dazu braucht es neben Musikalität auch eine gute, physische Form und handwerkliches Können“, sagte Arkady Shilkloper.