Kuskes sind 60 Jahre verheiratet

Mit großer Dankbarkeit schauen Lilo und Georg-Wilhelm Kuske auf die vergangenen sechs gemeinsamen Jahrzehnte zurück und versichern sich, ohne zu zögern: „Ich würde dich sofort noch einmal heiraten“. Foto: A. Wiese

Georg-Wilhelm Kuske und seine Frau Lilo aus Meitze feiern ihre diamantene Hochzeit

Meitze (awi). 60 Jahre ist das Ehepaar Kuske aus Meitze am heutigen Tag verheiratet. Zum Fest der diamantenen Hochzeit werden zahlreiche offizielle Gratulanten erwartet, vom Bürgermeister bis zum Pastor und Vereinsvertretern. Die große Feier steigt dann am Sonnabend.
Wer sie kennt, weiß es sowieso: Lilo (79) und Georg-Wilhelm Kuske (82) sind ein Herz und eine Seele. Über vier Jahrzehnte hat sie ihm den Rücken frei gehalten für seine kirchenmusikalischen Aktivitäten, ist aber auch zu jedem Gottesdienst mitgegangen und hat sich natürlich um Haus und Familie gekümmert. Die Familie – sie nimmt einen sehr großen Stellenwert im Leben von Lilo und Georg-Wilhelm Kuske ein. Drei Kinder, drei Enkel, drei Urenkel plus Partnern gehören zum
engsten Kern. Sie feiern nicht nur gemeinsam, sie haben auch im „normalen Leben“ engen Kontakt. Doch erst mal chronologisch: 1953 lernten sich Lilo und Georg-Wilhelm Kuske in Großmoor beim Tanzen kennen. Großmoor im Kreis Celle ist das Heimatdorf von Lilo Kuske. Ihr Vater war Bohrmeister bei der Elverath, sie war die Älteste von drei Ge-
schwistern, arbeitete nach der Volksschule in der Celler Knopffabrik. Georg-Wilhelm Kuske stammt von einem Bauernhof in Pommern. Von 1942 an besuchte er dort das Gymnasium. Im Herbst 1944 wurden alle Schulen in Pommern geschlossen. Die Vertreibung durch die Polen im Dezember 1945 führte die Familie nach Stendal. Monatelang hatte Kuske dort überhaupt keine Gelegenheit zur Schule zu gehen, „weil ich keine Schuhe hatte“. Im März 1946 wurde er in der Mittelschule in Stendal eingeschult und bestand im Sommer 1947 die Aufnahmeprüfung am Gymnasium, wo er 1951 sein Abitur machte. Aus der landwirtschaftlichen Lehre heraus wurde er in die Volkspolizei gezwungen und floh nach Westberlin. „Meine einzige Chance, da weg zu kommen, war meine Meldung für landwirtschaftliche Arbeiten“, erinnert sich Kuske. So kam er 1953 in einen staatlichen Betrieb in Großmoor. Und das war ein Glück. Denn hier lernte er seine Lilo kennen. Schon nach dem ersten Tanzabend im Saal der Gastwirtschaft waren sie ein Paar. „Sie war die hübscheste von allen und sie konnte gut tanzen“, schmunzelt Kuske. Noch vor der Hochzeit am 27. August 1954 wurde das erste Kind geboren. Georg-Wilhelm Kuske stand unter dem Druck seine Familie ernähren zu müssen und nahm eine Anstellung als Knecht bei dem Verwalter an, der das Restgut gekauft hatte. Ein Zufall stellte die weiteren Weichen für ihn: Eine junge Lehrerin kam auf den Hof, die einen Landwirt heiraten wollte und machte ihm Mut, an die Pädagogische Hochschule in Lüneburg zu gehen. Von 1954 bis 1957 absolvierte Kuske dort sein Studium als außerplanmäßiger Lehramtsanwärter und jobbte in den Semesterferien in einer Zementfabrik. Der ersten Tochter im Jahre 1954 folgten 1956 der Sohn und 1963 die zweite Tochter. Da wohnten die Kuskes bereits drei Jahre in Meitze, ihrer neuen Heimat, wo Kuske Dorflehrer und Organist war. Zuvor hatte er eine Junglehrerstelle in Hänigsen gehabt. Als die Schule in Meitze 1967 geschlossen wurde, war Kuske bis 1975 Ausbildungsleiter mit Dienstsitz in Burgdorf, von 1975 bis 1994 leitete er die Grundschule Elze. Auch Lilo Kuske arbeitete ab 1971 wieder, als ihre Kinder aus dem Gröbsten heraus waren. Sie fand eine Anstellung beim Büromaterialhersteller Möbus. Als ihr Mann 1994 mit 62 Jahren in Pension ging, reichte auch Lilo Kuske mit 60 Jahren die Rente ein. Zuhause gab es schließlich auch genug zu tun. Und beide wollten auch noch einiges gemeinsam unternehmen. Ihr großer Garten rund um das Haus, das sie von 1972 bis 1974 mit eigenen Händen gebaut haben, ist auch heute noch unübersehbar das Lieblingsbetätigungsfeld des Ehepaares. Dort grünt und blüht es, dass es eine Lust ist. Doch die Musik kommt nie zu kurz: Beide singen im plattdeutschen Singkreis der Wedemärker Landfrauen, er gründete neben seiner Organistentätigkeit den Elzer Kirchenchor und die Meitzer Dorfmusikanten. Das Reisen sei mittlerweile ein bisschen verblieben, bedauern die Jubilare, aber nach den ganzen Feierlichkeiten zur diamantenen Hochzeit geht es im September mit dem DRK ins Riesengebirge. Besonderen Spaß haben die Kuskes an den engen Kontakten zu ehemaligen Schülern aus Hänigsen, die mittlerweile alle selbst über 70 Jahre alt sind. Vor zwei Jahren wiederholten sie zum Beispiel mit zehn Schülern eine Harzwanderung, die sie so bereits 1957 bei einem Landheimaufenthalt gemacht hatten. Und auch auf dem Geopfad am Brelinger Berg wanderte man bereits gemeinsam. „Es ist ein Geschenk, nach 50 Jahren ein so tolles Verhältnis zu seinen früheren Schülern zu haben“, sind sich Lilo und Georg-Wilhelm Kuske einig. Ein Geschenk ist für sie aber auch ihre eigene gute und langjährige Ehe. „Natürlich gibt es mal Differenzen, aber man muss immer wieder zueinanderfinden und darf das Vertrauen zueinander nie verlieren“, sagen beide ernst.