Landesbischof Meister in der Wedemark

Landesbischof Ralf Meister (r.) und Superintendent Martin Bergau gestern Nachmittag bei der Diskussionsrunde mit den Bürgermeistern und Mitarbeitern aus Verwaltung und Kirche im Bürgerhaus. Foto: A. Wiese

Gestern Nachmittag standen Gespräche mit Bürgermeistern auf dem Programm

Bissendorf (awi). Hoher Besuch gestern in der Wedemark: Landesbischof Ralf Meister machte auf seiner Tour durch den Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen auch im Bürgerhaus in Bissendorf Station. Bürgermeister Tjark Bartels empfing ihn und seine Bürgermeisterkollegen aus den anderen Kommunen und dem Kirchenkreis mit einem zünftigen Spargelessen. Den Landesbischof interessierte auch die Geschichte des Hauses: „Wielange, sagen Sie, war der Knast hier drin?“ Kirche und Recht, das sei schon immer eine interessante Kombination gewesen.
Das eigentliche Thema gestern Nachmittag im Bürgerhaus in Bissendorf lautete aber „Kita- und Krippenbetreuung als gemeinsame Herausforderung für Kirche und Kommune“. Diskutiert wurde es zwischen dem Bischof und den Repräsentanten der vier Kommunen im Kirchenkreis sowie Vertretern der kirchlichen Einrichtungen. Zum Einstieg stellten die Bürgermeister der Wedemark, von Langenhagen, Isernhagen und Burgwedel kurz ihre Kommunen vor und stiegen dabei bereits in das Thema des Nachmittags ein. Die Kommune nehme mit ihren Kinderbetreuungseinrichtungen einen Erziehungsauftrag wahr und werde dabei von der Kirche als solider Partner unterstützt, so Wedemarks Bürgermeister Tjark Bartels. Monika Götzes-Karrasch, die die Langenhagener Verwaltungsspitze vertrat, sprach vom gestiegenen Anspruch der Eltern an Kindertagesstätte, Krippe und Hort und den Forderungen nach weiteren Plätzen, denen die Stadt nur mit Improvisationen gerecht werden könne. Diese Ansprüche der Eltern seien von der Politik gewollt, die voraussetze, dass Eltern ganztags arbeiteten, gab Isernhagens Bürgermeister Arpad Bogya zu bedenken und betonte die Wichtigkeit des Konsens zwischen allen Beteiligten. Burgwedels Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt brachte die finanzielle Situation der Kommunen ins Spiel, wobei Burgwedel noch besser da stehe, als viele andere Kommunen. Christiane Höppner-Groth, die pädagogische Leiterin der kirchlichen KiTas im Kirchenkreis übernahm es, den sozialpädagogischen Auftrag der Kinderbetreuung zu skizzieren. Neben der reinen zur Verfügungstellung von Plätzen gehe es schließlich auch um Bildung, Erziehung und Betreuung. Und da sei man schnell beim Problem des Fachkräftemangels. Die Zuversicht der Landesregierung, die Versorgung mit Krippenplätzen bis zum 1. August 2013 sichergestellt zu haben, teilte Höppner-Groth ganz offensichtlich nicht. Sie ging auch auf die zunehmende Tendenz ein, aus Angst vor Konflikten die Religion am liebsten ganz aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Schnell sei man da bei der Frage „Brauchen Kinder Religion oder eher Betreuung rund um die Uhr und cog-nitive Erfahrung?“ Religion sei ähnlich wichtig wie Faktenwissen und genau hier liege die Aufgabe der kirchlichen KiTas, so Höppner-Groth. Die pädagogische Leiterin war es auch, die den Begriff Inklusion ins Spiel brachte – als konsequente Weiterführung von Integration und ihrer Ansicht nach realisierbar nur durch einen grundlegenden Reformprozess, in dem sich das System dem Kind anpasse. Entscheidend sei der individuell wertschätzende Blick auf das Kind, waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde weitgehend einig: Der Blick, der die Kompetenzen des Kinders wahrnehme und nicht seine Defizite. Eine Haltung lasse sich von außen nicht verändern, mahnte Höppner-Groth, die Rahmenbedingungen schon, und dafür seien die Träger der Kinderbetreuungseinrichtungen verantwortlich. Kommune und Kirche hätten eine gemeinsame Aufgabe, nahm Superintendent Martin Bergau diesen Ball auf, den Höppner-Groth ihm zugespielt hatte. Karen Holstein-Lemke von der evangelischen KiTa in Mellendorf appellierte, die Basis zu hören und die Eltern zu unterstützen. Bärbel Stöcker von der KiTa Resse gab zu bedenken, dass bei Öffnungszeiten von 7 bis 18 Uhr Erzieher heute oft Vater und Mutter ersetzten und mit 25 Kindern einfach überlastet seien. Im Hort erwarteten die Eltern zudem, dass die Kinder ihre Hausaufgaben erledigt hätten. „Wir stehen kurz vor dem Kollaps“, warnte Stöcker.
Als Kinderschutzbeauftragte mache ihr zudem die emotionale Vernachlässigung von Kindern Sorgen, die vor allem das Bedürfnis nach mehr Streicheleinheiten hätten. Dieses Stichwort nahm Wedemarks Bürgermeister Tjark Bartels auf: „Was den Betreuungsschlüssel betrifft, stoßen wir alle ins selbe Horn. Die Kinder sollen sich wohl fühlen, Wärme, Herzlichkeit und Geborgenheiten bekommen. Da müsste man mehr machen, aber wir können diesen Anspruch nicht erfüllen, da müsste bei uns in den Kommunen mehr Geld ankommen für die Wahrnehmung dieser Aufgaben.“