Landwirte stehen im Regen

Jan Vortmüller aus Schadehop, Florian Wiese aus Abbensen, Jan Cohrs aus Wiechendorf und Christine Heins aus Negenborn. Junglandwirte machen auf die, durch immer neue Auflagen, angespannte Situation aufmerksam. Foto: E. Rodenbostel

Grüne Kreuze machen auf Lage aufmerksam

Wiechendorf (er). Jetzt machen auch Landwirte aus der Wedemark auf die Missstände in der regionalen, bäuerlichen Landwirtschaft aufmerksam. Die immer höher werdenden Auflagen der Politik stehen im krassen Gegensatz zu der Arbeit, die von den Landwirten geleistet werden kann. Die immer mehr Raum einnehmenden organisatorisch nötigen Aufgaben und bürokratischen Auflagen sind fast nur noch von gut organisierten großen Betrieben zu leisen, wo bereits eine Bürokraft für die Erfüllung der Anträge oder Dokumentation der Arbeitsschritte abgestellt werden konnte. Sollen diese Tätigkeiten von kleinen und mittleren Betrieben geleistet werden, entspricht das einem Arbeitsaufwand, der zusätzlich zu der herkömmlichen Tätigkeit erfüllt werden muss, und der zu der normalen, bereits verlängerten Arbeitszeit anfällt.
Die Regelungen, die von der Regierung immer wieder neu beschlossen werden, erfordern von den Landwirten Handlungen mit deren Ergebnissen sie dann neu rechnen müssen. Egal, ob der Güllebehälter nach kurzer Zeit mehr Volumen fassen soll und nun deshalb neu gebaut werden muss, was zusätzliche Kosten und Anträge erfordert, die Schweineställe zehn Zentimeter länger werden sollen, oder die Mengen der Düngergaben gekürzt werden, was zu Ernteausfällen führt und damit zu einer Neuberechnung der Wirtschaftlichkeit der angebauten Frucht. Die offiziell angeordneten politischen Vorgaben führen bei den kleinen und mittleren Betrieben zu Konsequenzen, bei denen der „gemeine Bürger“ die Folgen auf den Feldern beispielsweise, nur an der veränderten Anbauweise sieht:
Es wird viel weniger Raps angebaut, da die Wirtschaftlichkeit für den Anbau stark zurück gegangen ist, der Landwirt – wenn er den Betrieb wirtschaftlich betreiben will, muss auf eine angemessene Kosten-Nutzen Rechnung kommen. Die Beizung von Raps- und Rübensaatgut wurde verboten, der Preis für das Saatgut blieb gleich. Durch fehlende Beize kommt es zu vermehrtem Schädlingsbefall der jungen Pflanze, was zu erhöhtem Spritzmittelbedarf führt, der erhöhte Kosten verursacht. Nun steht Mais auf den Feldern und der Bürger wundert sich. Der wenige Rapsanbau und der trotzdem benötigte Eiweiß und Ölgehalt führt zur Einfuhr von Soja aus Ländern, in denen extra dafür Bäume gefällt werden müssen. Bei uns fehlt die Frucht in der Fruchtfolge.
Landwirte hängen an der eigenen Fläche, am eigenen Hof, an der Unabhängigkeit. Sie sind gern auf den Feldern und wirtschaften häufiger länger und mehr für weniger Geld und Urlaub als die meisten Menschen. Wichtiger Faktor ist die Natur mit ihren Gegebenheiten, dem natürlichen Wasservorkommen und den Bodenbeschaffenheiten. Und natürlich den politischen Umständen wie Welthandelspreise, unterschiedlichen Richtlinien bei Düngung, Spritzmittelausbringung und Bodenanalysetechniken.
Die kleinen und mittleren Betriebe erhalten die landwirtschaftliche Struktur mit Nähe zum eigenen Wohnort. Tendenzen, die Flächen von großen Firmen zu hohen Preisen abkaufen zu lassen und nur noch Lohnarbeiten zu erledigen wiedersprechen dem Wünschen und Wollen der Landwirte, die bei der Bevölkerung auf die Lage der Landwirtschaft aufmerksam machen möchten und gern für weitere Informationen bereit stehen. Bei dem am 4. September verabschiedeten Agrarpaket vom Bundesministerium für Landwirtschaft und dem Bundesumweltministerium finden sich kaum Lösungsansätze, die von Arbeitskreisen und Landwirten entwickelt wurden. Landwirte bieten ihre Mitarbeit an, da sie bestimmt die Letzten sind, die sich nicht für den Umweltschutz einsetzen möchten, denn von ihren Flächen leben sie.