LESERBRIEF

Dauertempo 30 nachts bringt nichts

Zum Artikel „Zychlinksi zu Tempo 30 auf Kreisstraßen“ im ECHO vom 19. September erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:
„Der Bürgermeister Helge Zychlinski hat sich für weitreichende Tempo-30-Regelungen in der Wedemark ausgesprochen. Nennenswerte Vorteile bietet es keine: weder eine Lärmreduzierung noch ein geringerer CO2-Ausstoß noch eine höhere Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer (die wirklichen Probleme erzeugen Verstöße ganz anderer Art). Das ist auch gar nicht der Punkt! Vielmehr soll den Menschen das Autofahren verleidet und dazu gebracht werden, auf den ÖPNV umzusteigen. Ob das wirklich eine bahnbrechende Maßnahme ist, ist schleierhaft: Wenn man den Hamburger Verkehrsverband Glauben schenken darf, beträgt die CO2-Einsparung beim Wechsel auf die Öffis 50%. Die Welt retten wir damit nicht, zumal der Anteil des Verkehrs bei den Treibhausgasen ca. 20% beträgt. Der Beitrag strahlt eine hohe Zufriedenheit seitens des Bürgermeisters bei Darlegung seiner Gedankenspielen aus. Ich hingegen finde es unangemessen, darüber zu sinnieren, seinen Mitmenschen ohne wirklich guten Grund strengere Vorschriften zu machen oder anderweitig das Leben schwerer zu machen. Das greift in unserer Gesellschaft leider um sich, wird aber nie Teil meiner Lebensauffassung sein. Ein bisschen weniger Gegeneinander wäre wunderbar! Ich selbst bevorzuge Öffis für die Fahrt zum Arbeitsplatz, wo immer es bei Einsatzwechseltätigkeit sinnvoll ist, und wenn ich ins Auto steige, versuche ich meist, zwei oder mehrere Ziele anzufahren. Vielen Menschen geht es wohl ähnlich. Ich werde es aber dringend unterlassen, meine Mitmenschen, die diese Möglichkeit nicht haben, belehren oder erziehen zu wollen – schon gar nicht für eine Sache, die in der Wirkung nur sehr begrenzt ist!
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass schon jetzt beachtliche Anstrengungen zum Klimaschutz unternommen werden. Bereits heute kommt in Deutschland schon mehr als 50% der Elektrizität aus regenerativen Energien, Tendenz deutlich steigend. Auch andere Energieformen werden zunehmend ersetzt. Dort ist Dynamik! Eine Symbolpolitik ist jedenfalls nicht hilfreich. Neue Vorschriften ebenso wenig. Ich möchte einen Gegenvorschlag bringen: Anstatt die Geschwindigkeitsbegrenzungen herabzusetzen sollte das bestehende Tempo 50 überwacht werden. Die Radargeräte sollten so eingestellt werden, dass sie Geschwindigkeiten innerorts jenseits der 60 km/h erfassen – denn erst ab diesem Bereich kann überhaupt erst von „Rasern“ gesprochen werden – und nur um die „Raser“ geht es doch, oder nicht?. Von jemanden, der mit 55 km/h unterwegs ist, braucht sich niemand bedroht zu fühlen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 auf 30 km/s zu senken hat nahezu nichts mit der Verkehrssicherheit zu tun. Vielleicht sollten wir uns alle mal ein wenig entspannen.“ Helmut Jahns, Mellendorf