LESERBRIEF

„Bürger hoffnungslos überstimmt"

Zum Leserbrief von Helmut Wiskow erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:
„Die Einlassungen von Helmut Wiskow treffen in jedem Punkt auch meine Vorstellungen. Als mir die Planungen zum Gewerbegebiet in Meitze/Gailhof bekannt wurden, hatte ich mich gleich zur ersten Anhörung der Bürger am 15.08.2019 durch die für die Wedemark zuständigen Politiker und Fachkräf- te des Rathauses direkt informiert (Bürgermeister H. Zychlinski hatte sich wegen wichtigerer Termine für seine Abwesenheit entschuldigen lassen). Mich hatte die Ignoranz der damals anwesenden Ge- meindevertreter überrascht; ich nehme heute an, dass diese damals genau so wenige Vorkenntnisse zu dem Projekt des Gewerbegebietes wie ich hatten. Kurze Zeit danach (am 12.12.2019) hatte ich einen Leserbrief an die HAZ geschrieben, der meine damaligen Ansichten wiedergab. Auf den Leser- brief bekam ich keine Antwort; er wurde nicht veröffentlicht. Bald darauf konnten Bürger von Gailhof und Meitze zur Planung des Gewerbegebietes ihre schriftlichen Einwände abgeben. Das habe ich gemacht. Meine eingeschickten spezifischen und ausführlichen Einwände beantwortete ein Vertreter der Gemeindeverwaltung nur pauschal. Daraufhin habe ich - abgesehen von kleinen Spenden an die für Gailhof zuständige BI - keine Aktivität mehr unternommen. Erst der Leserbrief von Helmut Wiskow aus Brelingen fordert mich heraus, meine mehr grundsätzli- chen Ansichten zu veröffentlichen.
Gegenwärtig wie auch in der Vergangenheit haben geschäftlich-wirtschaftliche Interessen weniger Personen die Entwicklung der Wedemark geprägt. Das war immer so. Seit 2006 bestimmen jedoch sehr wenige Personen die Geschicke der Wedemark; fast ausschließlich waren es in dieser Zeit wirt- schaftliche Gründe. Wichtige Akteure waren erst in diesem Zeitabschnitt in die Wedemark gezogen oder wohnen nicht in der Wedemark. Sie hatten und haben sicherlich keinen heimatlichen Bezug zu unserer Region. Entsprechend der Interessen der aktuell entscheidenden Personen hat sich in nur ca. 15 Jahren die grüne Wedemark in ein „gemischt genutztes Gewerbegebiet“ verwandelt.
Erst mit dem Bürgermeister Bartels gab es aus meiner persönlichen Sicht (Ich wohne erst seit 1977 in der Wedemark) eine deutliche Zäsur. Dies war zu der Zeit wahrscheinlich überall in der Region Han- nover so. Aber die Wedemark wurde schnell durch Lobby und Geld weniger Akteure in nicht geahnter Geschwindigkeit zu einem „gemischt genutzten Gewerbegebiet“. Völlig unnötig für die breite Mehrheit der ansässigen Bürger, die hier nur das Wohnen im Grünen genießen wollen. Die gegenwärtigen Aktionen der Gemeinde kommen einer Mehrzahl der Wedemärker Bürger falsch vor. Aber nur die wenigen Haushalte in Gailhof und Meitze sind direkt betroffen. Von diesen hatten nur vereinzelte den Mut und die Motivation zur öffentlichen Stellungnahme. Unter politischem Ge- sichtspunkt muss man so wenige Bürger nicht beachten. Und so war es meines Wissens in den letz- ten 15 Jahren, da immer zeitgleich nur in einem der Wedemärker Dörfer ein größeres Gewerbegebiet ausgewiesen wurde und man stets Bürger des betreffenden Dorfes hoffnungslos überstimmt hat.
Natürlich kamen und kommen bei aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen nahezu immer Täuschungen, nicht eingehaltene Versprechen, fehlende Sinnhaftigkeit einzelner Aktionen etc. vor. Das war stets so, wird aber vielleicht zur Gegenwart hin mächtiger. Dabei bleiben, wenn nicht alle aufpassen, zentral wichtige Erfordernisse auf der Strecke. Gegenwärtig (d.h. seit mindestens zwei Jahren) hat Klimaschutz und Schutz von Ökosystemen eine Priorität, sowohl global als auch in Deutschland. Mir ist nicht bekannt, dass ein Anliegen von bundesweit höchster Priorität bei einem Gewerbegebiet innerhalb einer Gemeinde nicht beachtet wird. So etwas müsste aus meiner Sicht mindestens in Deutschland gesetzlich verboten oder jedenfalls an zentraler Stelle entschieden wer- den.
Jetzt ist schon alles von den Wedemärker Offiziellen beschlossen. Aber Bürger der Wedemark, die nicht persönlich von dem neuen Gewerbegebiet-Projekt profitieren, sollten sich entschieden dagegen wenden. Mindestens im Herbst dieses Jahres bei den Wahlen für Bürgermeister und Ortsräte sollte die aktuelle Entwicklung in der Wedemark zur Stimmabgabe für eine Partei führen, die gegen das neue Gewerbegebiet war und ist.
Ich bitte die Leser um Entschuldigung für die deutlichen Worte. Aber die ebenfalls deutlichen Worte von Herrn Wiskow fordern mich dazu auf.“
Hermann Geldermann, Gailhof