LESERBRIEF

„Gut ist, was die Kasse füllt"

Zum Leserbrief von Maren Kolf, Ausgabe Wedemark Echo vom Mittwoch, 14. November, „Unsere Natur ist für alle da“ erreichte die Redaktion folgender Leserbrief: „Es ist beruhigend, dass es in unserer Gesellschaft noch Menschen gibt welche den Mut haben, öffentlich Stellung zu nehmen zu Fragen von allgemeinem Interesse. Der freie Zugang zur Natur ist eines der essentiellen Rechte aller Bürger. Allerdings kann ich beim angesprochenen Thema nicht in Gelächter ausbrechen, eher kommen mir die Tränen beim Verfolgen der Entwicklung in der Landwirtschaft, auch in der Wedemark und angrenzenden Gebieten. Die Ausbeutung der Natur hat auch hier Ausmaße angenommen, deren Auswirkungen nicht kalkulierbar sind. Dies betrifft vor allem Massentierhaltung und sogenannte „Biogasanlagen“. Dieser Begriff ist eine schlimme Irreführung, denn die Auswirkungen dieser heute praktizierten Technik schädigt und vernichtet „Biologie“. Beides trägt zu einer Ausbeutung der Natur und Schädigung von Fauna und Flora bei. Der massive Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln wie „Round up“ birgt auch die Gefahr einer Vergiftung des Grundwassers, in dem vielerorts auch schon die Substanz „Glyphosat“ nachgewiesen ist. Diesem Produkt wird auch erbschädigende Wirkung von Wissenschaftlern nachgesagt. Vor Kurzem habe ich mich über eine Aussage des Vorsitzenden des Realverbandes Wedemark, Willi Gudehus, geärgert, der sich in ebenso arroganter Weise wie Herr Orlowski über die Nutzung von landwirtschaftlichen Wegen durch die Bürger in einer Wedemark-Zeitung ausgelassen hat. Aus den Ortsräten kenne ich die Einstellung von Herrn Orlowski, der in jedem Gespräch die Anwesenheit von Fußgängern und Radfahrern auf den landwirtschaftlichen Wegen beklagt. Tatsächlich gibt es solche Menschen, die einem Trecker auf diesen Wegen nicht in gebotener Weise ausweichen. Dies ist aber keine Berechtigung, ein Verhalten wie die beiden Landwirte an den Tag zu legen. Langsam entsteht der Eindruck, die Betreiber der wachsenden Agrarfabriken sind die Feudalherren des 21. Jahrhunderts, die jedes Recht haben, die Natur nach ihrem Gutdünken auszubeuten. Seit Jahren höre ich von Landwirten die Aussage, dass der Bürger doch froh sein kann, die landwirtschaftlichen Wege benutzen zu dürfen. Dies ist eine grobe Missachtung der Realität und Täschung der Bürger. Diese Infrastruktur wird auf vielfältige Weise von den Steuerzahlern der Bundesrepublik und der EU finanziert. Und selbst die Gelder der Realverbände kommen letztendlich auf Umwegen aus den Subventionstöpfen der Agrarförderung. Damit kein falscher Eindruck entsteht; als Beteiligter bei der Lebensmittelherstellung in über 50 Jahren, habe ich mich natürlich auch mit den Fragen der Erzeugung der Rohstoffe beschäftigt, und deshalb einige Kenntnisse aus dieser Materie. Früh habe ich erkannt, dass Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig jeder Gesellschaft ist, denn ohne Essen gibt es nichts! Deshalb habe ich auch immer die Nähe zu den Beteiligten gesucht. Doch die Entwicklung seit zwei Jahrzehnten nimmt beängstigende Züge an, weil ökologisches Denken eine immer kleinere Rolle spielt. Auch in der Landwirtschaft gilt vielfach die moderne Einstellung: Gut ist, was die Kasse füllt. Die Banken und die Geldgier lassen grüßen!“ Siegfried Götz, Elze