Liebe zur Botanik und zueinander

In Doppelfunktion: Susanne Brakelmann gratulierte Ursel und Franz Meyer als Bissendorfer Ortsbürgermeisterin und stellvertretende Gemeindebürgermeisterin zur diamantenen Hochzeit. Foto: A. Wiese
 
Franz und Ursel Meyer bei ihrer Hochzeit am 1. August 1958. Foto: Privat

Ursel und Franz Meyer sind seit 60 Jahren glücklich miteinander verheiratet

Bissendorf (awi). Die Liebe zur Botanik hat sie zusammengebracht und die Liebe zueinander und die gemeinsamen Interessen haben dafür gesorgt, dass sich Ursel und Franz Meyer auch nach 60 Ehejahren noch liebevoll und mit Respekt begegnen. Am Tag ihrer diamantenen Hochzeit am 1. August waren sie mit ihren Kindern und deren Familien in Harburg und Buxtehude auf den Spuren der Vergangenheit unterwegs. Erst am Montag empfingen sie die Ortsbürgermeisterin und stellvertretende Gemeindebürgermeisterin Susanne Brakelmann zur offiziellen Gratulation und einer ausgiebigen Klönrunde, kennt man sich doch bereits von diversen Geburtstagen. „Wir sehen uns ja bald wieder“, schmunzelte Brakelmann denn auch. Professor Franz Meyer feiert in Kürze seinen 90. Geburtstag, und der seiner Frau folgt nächstes Jahr. Trotz ihres stolzen Alters wohnen die Jubilare völlig autark in ihrem Haus mit dem riesigen wunderschönen Garten in Bissendorf. Ursel Meyer schmeißt mit ein wenig externer Unterstützung den Haushalt, „aber alles ganz in Ruhe“, betont sie. Durch die zentrale Lage ihres Hauses in Bissendorf kommen sie ohne Auto zurecht. Sie nimmt den Rollator mit zum Einkaufen, er fährt mit dem Scooter. So kommen sie überall hin, wo sie hinwollen. Und die Kinder sind ja auch noch da. Die Tochter wohnt ebenfalls in Bissendorf, geht den Eltern gerne zur Hand. Der Sohn kommt regelmäßig aus Berlin, um im Garten mit anzufassen. „Am liebsten schreddert er“, verrät seine Mutter schmunzelnd. Der Garten ist dem diamantenen Hochzeitspaar sehr wichtig. War es doch die Liebe zu den Pflanzen, die sie einst zusammenbrachte. Franz Meyer ist in Cuxhaven geboren, 1935 wurde sein Vater nach Stettin versetzt, 1945 kam die Familie nach Hitfeld bei Harburg. Franz Meyer war als Luftwaffenhelfer durch einen Splitter am Knie verletzt worden und wohnte bei seinen Großeltern in Buxtehude, weil er hier den einfacheren Schulweg hatte, bei dem er weniger laufen musste. Er machte sein
Abitur und wollte in Hamburg Botanik studieren, bekam jedoch zunächst keinen Studienplatz. So verdingte er sich erst einmal für ein Jahr als Praktikant am Institut für Botanik der Uni Hamburg. Und hier traf er die Frau seines Lebens. Ursel Meyer war in Münster aufgewachsen und zog 1949 zu ihrem Vater nach Hamburg, der dort seit 1946 das botanische Institut leitete, wo auch sie studierte. Es bildete sich eine feste Clique junger Leute, zu denen auch Ursel und Franz gehörten, die dann ab 1951 ein Paar waren. Beide machten erst ihr Diplom, dann nacheinander ihren Doktor, und anschließend wurde geheiratet. Franz Meyer bekam eine Assistentenstelle in Reinbeck an der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft. Das junge Paar bezog eine Wohnung in Wentorf bei Hamburg und Ursel Meyer folgte dem Wunsch ihres Mannes, blieb zu Hause, hielt ihm den Rücken frei, als er zum Thema „Altern der Bäume“ habilitierte, las seine Veröffentlichungen Korrektur und ordnete seine Sonderdrucke. 1960, 1964 und 1968 wurden die Kinder geboren. 1970 wurde Professor Franz Meyer an die Universität in Hannover berufen und die Familie suchte nach einem Haus im Umland, das gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden war und einen großen Garten hatte. In Bissendorf wurden sie fündig und schufen sich an der Fasanenstraße ihr eigenes Paradies. „Wir haben erst mal die ganzen Fichten und Lärchen entfernt, um viele Büsche und Blumen pflanzen zu können“, berichten die Jubilare. Franz Meyer war bereits im Herbst 1967 für ein Jahr mit wissenschaftlichem Auftrag in der Türkei gewesen, die Kontakte dahin blieben und das Ehepaar fuhr im Laufe der Jahre immer wieder für kleinere und größere Exkursionen nach Izmir und Umgebung.
Gereist wurde ohnehin viel, liebten die beiden Botaniker es doch, die europäische Flora in Spanien, Portugal und anderen mediterranen Ländern zu erforschen. Mallorca war eines ihrer Lieblingsziele. Franz Meyer hatte nicht nur bis vor Kurzem ein wunderschönes Herbarium mit Pflanzen, die er von seinen Reisen mitgebracht hatte, sondern beherbergt in den Schubladen seines Arbeitszimmers auch Unmengen von Pflanzendias. In den 70er/80er Jahren war er Vorsitzender des Bissendorfer Verschönerungs- und Naturschutzvereins, ist dort heute noch Ehrenmitglied. Als weiteres Ehrenamt war er lange Jahre Präsident der Dendrologischen Gesellschaft, denn den Bäumen gehörte immer seine ganz besondere Sympathie, nicht nur seinem Lieblingsbaum dem Ginkgo. Er war zudem Mitglied beim DRK und den Johannitern und beide unternahmen früher gerne lange Radtouren miteinander, so gab es nie Langeweile. Nach dem Rezept für ihre lange und so offensichtlich glückliche Ehe gefragt, sind sich beide einig: „Ganz viel Toleranz und jede Meinungsverschiedenheit noch am selben Abend beilegen, bevor man ins Bett geht. Und sich gemeinsame Erinnerungen schaffen, in denen man später im Alter schwelgen kann.“Franz und Ursel Meyer bei ihrer Hochzeit am 1. August 1958.