Löwenherz will Hort nicht aufgeben

Der Vorstand des Vereins Löwenherz ist völlig konsterniert vom Vorgehen der Verwaltung: (v. l.) Iris Plötz, Kerstin Wiedemann, Elke Kling, Annette Lutzmann und Kerstin Becker informierten am Mittwochabend Eltern, Presse und Ortsrat über ihre Sicht der Dinge und belegten dies mit Zahlen. Foto: A. Wiese

Verwaltung hat Betriebsführungsvertrag zum Sommer diesen Jahres gekündigt

Resse (awi). Die Verwaltung der Gemeinde Wedemark hat den Betriebsführungsvertrag für den Hort mit dem Verein Löwenherz in Resse fristgerecht nach einstimmigen Entscheidungen im Ausschuss für Bildung und dem Verwaltungsausschuss zum 31. Juli diesen Jahres gekündigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeindeverwaltung vom Mittwoch. Am Abend stellte der Vorstand des Vereins Löwenherz in einer kurzfristig anberaumten Sitzung mit Eltern, Ortsrat und Presse seine Sicht der Dinge dar und brachte vor allem seine Überraschung über diesen für den Vereinsvorstand überhaupt nicht vorhersehbaren Schritt der Verwaltung zum Ausdruck.
Grund für die Kündigung seien die wirtschaftlich nicht mehr darstellbaren Kosten für die Hortbetreuung des Vereins, heißt es in der Pressemitteilung von Gemeindesprecher Hinrich Burmeister. Bei abnehmenden Zahlen der zu betreuenden Kinder sei die der Verwaltung vorgelegte, kalkulierte Förderung des Vereins jedes Jahr erheblich angestiegen. So sei im ursprünglichen Haushaltsplan für 2012 ein Zuschussbedarf von 106.000 Euro für eine Betreuung von zehn Kindern beantragt worden. Da diese Kosten die Hortbetreuung an anderen Standorten um ein Vielfaches übertreffe, habe sich die Verwaltung gezwungen gesehen, den Betriebsführungsvertrag mit dem Verein Löwenherz in einer Drucksache, den politischen Gremien zur Kündigung vorzuschlagen, erklärt Burmeis-ter. Der Fachausschuss hätte dem Vorschlag der Gemeindeverwaltung in seiner Sitzung am 19., der Verwaltungsausschuss am 23. Januar einstimmig zugestimmt. Die Verwaltung der Gemeinde Wedemark befindet sich derzeitig in Gesprächen mit der evangelischen Kirchengemeinde in Resse über eine Erweiterung ihres Krippen- und Hortangebotes. Es wird seitens der Verwaltung aber auch über ein kommunales Angebot in Resse für eine Tagesbetreuung im Krippen- und Hortbereich nachgedacht. Ziel der Gemeindeverwaltung sei es, das Angebot von Betreuungsplätzen bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen, und zum nächsten Schuljahresbeginn die Betreuung unter neuer Trägerschaft etabliert zu haben. Die Hortbetreuung für das nächste Jahr ist sichergestellt. Eltern, die ihre Kinder zur Hortbetreuung in Resse anmelden wollen, könnten sich im Familienservicebüro der Gemeindeverwaltung bei Esther Bänsch unter Telefon (05130) 581-466 oder per E-Mail bei esther.baensch@wedemark.de melden. Soweit die Einlassung der Verwaltung. Die Zahlen, die die Verwaltung den politischen Gremien präsentiert habe, seien zwar nicht falsch, aber aus dem Zusammenhang gerissen und was den beantragten Zuschuss für 2012 betreffe, auch nicht aktuell. Denn die ursprünglichen 106.000 Euro, in denen
Kosten für eine Grundsanierung und neues Mobiliar enthalten gewesen seien, seien mittlerweile auf 48.000 Euro abgeändert worden, sagte Elke King, Vorsitzende des Vereins Löwenherz, am Mittwochabend vor Eltern und Ortsrat.
Noch liege die Kündigung selbst nicht vor, aber da es von den poltischen Gremien bereits beschlossen sei, gehe sie davon aus, dass das förmliche Schreiben in den nächs-ten Tagen eintreffen werde, so die Vereinsvorsitzende Elke Kling. In der Tagesordnung der Sitzung sei lediglich von der Kündigung eines Betriebsführungsvertrages die Rede gewesen. In der Sitzung am 19. Januar habe der Ausschuss für Bildung dann beschlossen, dem Verwaltungsvorschlag zu folgen und den Betriebsführungsvertrag für den Hort zu kündigen. „Mit uns wurde darüber vorher zu keiner Zeit gesprochen, wir erfuhren davon erst am Nachmittag des 18. Januar, einen Tag bevor die Sitzung stattfand. Informiert wurden wir nur durch eine E-Mail, in der außer der Mitteilung in der die Kündigungsabsicht erklärt wurde, keinerlei Begründung enthalten war“, trug Elke Kling am Mittwochabend vor.
Die Gründe für die Kündigungsempfehlung hätten die Vereinsmitglieder letztendlich erst auf der Ausschusssitzung erfahren, zu der sie nicht eingeladen gewesen waren und den Termin auch nur zufällig in der Zeitung gesehen hatten. Kling schließt nicht aus, dass die kirchliche KiTa bereits viel früher informiert war. Hätte sich der Verein doch über den Vorschlag gewundert, „im Interesse des Dorfes künftig enger zusammen zu arbeiten“. „Auf unsere Nachfrage, wie diese Zusammenarbeit aussehen könnte, wurde uns folgender Vorschlag unterbreitet, der Kita in Zukunft alle Betreuungen zu überlassen. Löwenherz e.V. könnte dann künftig als Förderverein für die Kita fungieren und hätte damit doch eine schöne Aufgabe“, erzählte Kling am Mittwoch den Eltern. Mit diesem Vorschlag sei der Verein jedoch nicht einverstanden gewesen. Die Vorgehensweise der Gemeinde, ohne jede Erklärung zu kündigen, nachdem der Verein seit zehn Jahren den Hort in Resse führe, davon fünf Jahre lang, als kein anderer es machen wollte, sei ein ziemlicher Schlag, machte Kling aus ihrer Enttäuschung kein Hehl. In der Ausschusssitzung sei zum Teil mit Zahlen jongliert worden, die zwar für sich genommen nicht falsch, aber aus dem Zusammenhang gerissen seien und sich bei Hinterfragung etwas anders darstellten. „Zum Teil wurden aber auch schlicht die Tatsachen verdreht“, brachte es Kling auf den Punkt. „Für uns war diese Absichtserklärung ein ziemlicher Schock, da wir damit niemals gerechnet haben. Gerade in der letzten Zeit standen wir in einem engen Kontakt zur Verwaltung, unser letztes persönliches Gespräch mit Herrn Clausing und Frau Bänsch fand am 25. November 2011 statt, noch im Januar hatten wir telefonischen Kontakt zu Frau
Bänsch“, berichtete Kling. Bei diesen Gesprächen sei es aber um die Planung einer Krippe in Resse gegangen. Über den Haushalt 2012 habe man im November nur am Rande gesprochen. Frau Bänsch habe mitgeteilt, dass sie beabsichtigte, für den Hort 45.000 Euro im Haushalt einzustellen. Die Verwaltung begründe die Kündigung damit, dass der Hortbetrieb zu teuer sei. Dazu wurde ausgeführt das Löwenherz im Jahre 2005/2006 mit 18.000 Euro Fördergeldern ausgekommen sei, die Kosten dann aber jährlich angestiegen seien, 2011 45.000 Euro Förderbedarf bestanden und für 2012 dann 106.000 Euro beantragt worden sein. Wie und warum der Förderbedarf im Laufe der Jahre angestiegen sei, sei nicht erklärt worden, kritisiert Kling. Richtig sei, das der Verein 2005/2006 mit 18.000 Euro Förderung ausgekommen sei, da die Betreuung eine Billig-Version, mit Betreuungszeiten von 12.45 Uhr bis 15 Uhr, also zweieinviertel Stunden pro Tag. Die Miete für das Pfarrhaus, das der Verein 2005 anmietete, betrug in diesen Jahren 530 Euro warm. Ein deutlicher Anstieg der Kosten erfolgte 2008 aus drei Gründen: Um den Bedarf der Eltern zu decken wurden die Betreuungszeiten nach hinten auf 17 Uhr verlängert, also fast verdoppelt. Zeitgleich stieg die ehemals günstige Miete an die Kirche von 530 auf 960 Euro warm an, was fast auch eine Verdopplung bedeutet.
Die Gemeinde genehmigte und finanzierte 2008 in der Kita Resse eine Hortgruppe, obwohl damals der Gesamtbedarf bei maximal 20 Kindern lag. Das dadurch Plätze frei blieben und entsprechend die Einnahmen sanken, sei vorprogrammiert gewesen, führte Elke Kling aus. Der brisanteste Punkt sei jedoch der für 2012 beantragte Haushalt: „Wir bestreiten gar nicht, dass wir in einem ersten Haushaltsplan Mittel in Höhe von 106.000 Euro beantragt haben, möchten aber vorweg sagen, dass dies nur einer von zwei Haushaltsplänen ist, der von uns abgegeben wurde. Der zweite ist sehr viel bescheidener und beläuft sich auf 48.474 Euro. Wobei uns schon bei Abgabe klar war, das wir höchstens 45.000 Euro bekommen würden. Dieser zweite Haushaltsansatz wurde offensichtlich totgeschwiegen“, trug Elke Kling am Mittwochabend vor Ortsrat und Eltern vor und erklärt: „Im Januar 2011 besichtigte Frau Kuban von der Bezirksregierung Hannover, gemeinsam mit Frau Beckedorf und Frau Bänsch von der Gemeinde Wedemark unsere Einrichtung. Anlass für diese Besichtigung war, das wir, auf Wunsch der Gemeinde; noch einmal die Möglichkeiten prüfen wollten in unseren Räumen eine
Krippe einzurichten. Bei dieser Besichtigung war Frau Kuban relativ entsetzt, mit welch primitiver Ausstattung unser Betrieb eingerichtet ist. Nachdem wir darauf hinwiesen, das das ein finanzelles Problem ist, und Frau Kuban daraufhin sagte, hier sei die Gemeinde in der Pflicht, wurde uns von den Vertretern der Gemeinde signalisiert, wir könnten dafür doch Mittel beantragen. Man habe in diesem Zusammenhang dann auch versucht, eine Lohnerhöhung für die Mitarbeiter zu realisieren, deren Stundenlohn von 8,50 Uhr deutlich unter dem Durchschnittsverdienst für Erzieher in anderen Einrichtungen läge. Auf der Anmeldeliste für Sommer 2012 ständen bereits sieben Kinder, sieben würden übernommen, so dass der Hort ab August 2012 mit 14 Kindern belegt sei. Falsch sei die Aussage, der Verein würde keine Ferienbetreuung anbieten. Für sechs Wochen im Jahr werde die Ferienbeteuung nur in einer etwas anderen Form angeboten, nämlich in Form von Projektwochen. Damit decke der Verein nicht nur den Bedarf der Hortkinder, sondern auch den von berufstätigen Eltern in Resse und der ganzen Wedemark, die während der Schulzeit keinen Hortplatz benötigten. Dafür gebe es allerdings keine Zuschüsse, erklärte Kling.
Durch die Aufkündigung des Betriebsführungsvertrages für den Hort werde es allerdings auch eng für den Spielkreis. Dieser werde vollständig aus Elternbeiträgen und Mitgliedsbeiträgen getragen und erhält außer einem Minizuschuss von 500 bis 800 Euro im Jahr keinerlei Förderbeträge von der Gemeinde. In diesem Spielkreis werden zurzeit 26 Kinder in zwei Gruppen betreut. Davon läuft eine Gruppe an zwei, eine an drei Wochentagen. Einige Kinder besuchen beide Gruppen, werden also an fünf Vormittagen betreut. Allein der Spielkreis könnte die Miete allerdings nicht einfahren, die Elternbeiträge trügen gerade so die Personalkosten, erklärte Elke Kling am Mittwoch. Sie und ihr Vorstand hoffen, durch ihre umfangreiche Stellungnahme nun etwas angestoßen zu haben. Der Ortsrat Resse habe jedenfalls zugesichert, bisher nicht beteiligt worden zu sein und der Sache jetzt nachgehen zu wollen, freut sich Elke Kling. Der Verein hat für alle Interssierten die Zahlen der letzten Jahre auf seine Homepage zur Einsicht gestellt: www.loewenherz-resse.de.