Luftangriff vom 15. Oktober 1944

Vor dem großen Gedenkstein zur Erinnerung an die Toten beider Weltkriege zeigt Bürgermeister Artur Minke auf die Gedenktafel „Der verheerende Luftangriff am 15.10.1944“. Foto: B. Stache
 
Fotos aus der Sammlung von Artur Minke zeigen die verheerenden Folgen des Luftangriffs vom 15. Oktober 1944 auf Gebäude und entlang der Bahnlinie in Lindwedel. Foto: B. Stache

Am Volkstrauertag erinnert eine Bilderschau an die Katastrophe in Lindwedel

Lindwedel (st). Am diesjährigen Volkstrauertag, 17. November, soll auch der Toten vom Luftangriff am Sonntag, 15. Oktober 1944, auf zwei Züge im Bahnhof Lindwedel gedacht werden. Bürgermeister Artur Minke wird am großen Gedenkstein im Alten Dorf – zur Erinnerung an die Toten beider Weltkriege – in seiner Ansprache auch an die Katastrophe vom Oktober 1944 erinnern. Damals riss eine gewaltige Explosion, die noch in 30 Kilometer Entfernung zu hören war, am Bahnhof in Lindwedel viele hundert Menschen in den Tod. Ein mit Torpedosprengköpfen beladener Güterzug wartete auf einen Gegenzug aus Schwarmstedt, in dem neben Einheimischen auch eine große Anzahl polnischer und russischer Zwangsarbeiter aus dem Lager Oerbke saßen. Britische Kampfflugzeuge hatten Güter- und Personenzug angegriffen. Die detonierenden Torpedosprengköpfe rissen einen 60 Meter langen und zehn Meter tiefen Krater in den Boden. „Zwölf Lindwedeler und eine unbekannte Zahl (zirka 400) Zuginsassen kamen ums Leben“, heißt es in der Jubiläumsschrift „75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Lindwedel“ von Juni 2000. Zahlreiche Gebäude wurden durch die Druckwelle zerstört. Noch heute zeugen eine schiefe Scheune im Alten Dorf sowie ein Metallrohr, das seit 75 Jahren in einer Eiche steckt, von der damaligen Katastrophe. Am selben Tag gab es einen Bombenangriff auf Braunschweig durch die 5. Bombergruppe der Royal Air Force, der den Höhepunkt der Zerstörung der Stadt Braunschweig im Zweiten Weltkrieg markierte. Der Luftangriff auf die Züge in Lindwedel findet auch Erwähnung im Mellendorfer Kriegstagebuch 1942 – 1949, aufgezeichnet von Ewald Niedermeyer, Schulleiter in Mellendorf von 1942 bis 1950: „Gegen ½ 10 hörte man erst einen und dann noch zwei gewaltige Einschläge. Fenster und Türen flogen auf. Auf unserem Dach klapperten die Dachziegel und auf dem Boden lagen viele Mörtelstücke umher. Eine gewaltige Rauchsäule stieg auf in Richtung Hellendorf. Feindliche Flugzeuge haben zunächst die Züge auf dem Bahnhof Lindwedel beschossen und dann Minen geworfen. Um 12 Uhr wurde die Bereitschaft des DRK Mellendorf angefordert. Mit einem Wehrmachtsauto konnten sie von Thies aus hinfahren. Sie kamen aber um 14 Uhr zurück, da Hilfe nicht mehr nötig war. Auch mehrere Männer aus Mellendorf waren aufgeboten, brauchten aber auch nicht mehr in Tätigkeit treten. Alle berichteten von den grausigen Bildern der Zerstörung. Der Bahnhof ist ganz vernichtet. Von dem Personenzug sind 8 Wagen zertrümmert, und es gab viele Tote und Verwundete. Auch das Dorf Lindwedel (ungefähr 1 km vom Bahnhof entfernt) soll durch den Luftdruck arg beschädigt sein.“ Zum kommenden Volkstrauertag wird es in der Alten Schule Lindwedel eine kleine Bilderschau geben, die das ganze Ausmaß der verheerenden Detonation zeigt, einschließlich der Trauerfeier 1944 auf dem Hof Blanke in Lindwedel und Überführung der Toten zum Friedhof nach Schwarmstedt. „Lindwedel bekam erst Anfang der Fünfzigerjahre einen Friedhof“, weiß Artur Minke, der seit 60 Jahren im Ort wohnt.